"Musterung im Wald"

Tausende Bäume müssen Josef Graf und Josef Dreher im Oberallgäuer Wald unter die Lupe nehmen und für die Bundeswaldinventur beschreiben. Foto: Josef Gutsmiedl

Weitgehend unbemerkt wird derzeit im Wald „Inventur“ gemacht. Im Rahmen der dritten Auflage der Bundes-Waldinventur werden in Bayern 7800 Inventurpunkte „abgeklopft“. In den Landkreisen Lindau, Ober- und Ostallgäu liegen allein 562 Punkte, die nach einem detaillierten Schema und anerkannten wissenschaftlichen Verfahren begutachtet werden. Die Daten sollen Aufschluss darüber geben, wie viel Holz es im Allgäu heute und in Zukunft gibt, welche Baumarten sich gut oder schlecht entwickeln.

Seit gut einem Jahr schon machen Josef Graf und Josef Dreher vom Landwirtschaftsamt Krumbach Inventur im Allgäuer Wald. Als einer von 20 „Inventurtrupps“ in Bayern sind die beiden ausgestattet mit GPS-Gerät, Laptop und speziellen Messinstrumenten der Forstwissenschaft unterwegs, um die 562 Inventurpunkte im südlichen Allgäu aufzusuchen. Ein Job, der mitunter Trittsicherheit und Stehvermögen im unwegsamen Gelände erfordert. In den Allgäuer Alpen sind sie ebenso bei der Arbeit wie im Kempter Wald. „Man kann sich diese Inventur in etwa vorstellen, wie die Hochrechnung bei einer Bundes- oder Landtagswahl“, skizziert der bayerische Landesinventurleiter, Dr. Hans-Joachim Klemmt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising, die aufwändige Prozedur. Das Stichprobenverfahren erlaube in seiner Auswertung recht verlässliche Aussagen darüber, was im Wald stehe und wie gut oder schlecht es wachse. „Die Daten der Inventurpunkte sind Basis für die Hochrechnung auf Landesebene.“ 160 Kontrollkriterien müssen die Inventurtrupps für jeden der festgelegten Inventurpunkte akribisch festhalten. Anhand der vorliegenden Bestandsbeschreibungen der zurückliegenden Bundeswaldinventuren der Jahre 1986 und 2002 wissen die „Kontrolleure“ genau Bescheid über die Zahl großer Bäume, deren Art und Größe. Mit modernsten Mess- und Erfassungsgeräten können Josef Graf und Josef Dreher jeden Baum aufspüren und quasi unter die Lupe nehmen: Ist er gewachsen? Hat er an Masse zugelegt? Zeigt er etwa Schäden? Sind andere Bäume gefällt worden? Gibt es Bewuchs am Boden? Erkennbare Wildschäden? „Jeder Geschäftsmann macht regelmäßig Inventur in seinem Unternehmen“, sagt Dr. Ulrich Sauter, der Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten. „Daten für die Disposition braucht man auch im Wald.“ Das vielzitierte Prinzip der Nachhaltigkeit sei ohnehin eine „Erfindung“ der Forstwirtschaft, gibt Sauter zu bedenken und erinnert an die Zeiten einer ausgesprochenen Holznot vor 300 Jahren. Die nachhaltige Nutzung war lange Zeit kein Problem, so Sauter weiter. Inzwischen erlebe Holz einen regelrechten Boom sowohl als Rohstoff als auch als Energieträger. Da könne es auch schwierig werden, den „eisernen Grundsatz“ der Nachhaltigkeit zu wahren und nicht zuletzt die wirtschaftlichen Aspekte mit den sozialen Funktionen des Waldes unter einen Hut zu bringen. Das Kosten für die Bundeswaldinventur - in Bayern rund zwei Millionen Euro - sieht Sauter gut angelegt, angesichts der wertvollen Datenbasis. Viele forst- und umweltpolitische Entscheidungen würden davon mit beeinflusst. Man müsse sich auch vor Augen halten, dass mehr als ein Drittel der Landesfläche Bayerns Wald sei. „Zwei Millionen Euro sind diese Daten allemal wert“, so Ulrich Sauter. Eines können die Forstfachleute schon sagen: Im Allgäu gedeiht der Wald und „legt zu“. Wie Dr. Hans-Joachim Klemmt bestätigt, hat das Allgäu überdurchschnittliche Holzvorräte. Beim Zuwachs liegt die Region etwas unter dem Bayern-Durchschnitt, was Klemmt mit dem hohen Gebirgsanteil erklärt. In den Höhenlagen wachsen die Bäume weniger schnell.

Meistgelesene Artikel

Gelungener Zunftball der SfZ

Sonthofen – Eine gelungene Veranstaltung war auch in diesem Jahr wieder der große Zunftball der Sonthofer Fasnachtszunft SfZ im Haus Oberallgäu. …
Gelungener Zunftball der SfZ

Schnell und gut beheizt

Oberstdorf – Schlag auf Schlag geht es bei den Bergbahnen Oberstdorf/Kleinwalsertal. Mit der Inbetriebnahme der neuen Sechser-Sesselbahn, der …
Schnell und gut beheizt

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

Kommentare