Nicht über Stock und Stein

Viehtränken und Brunnen sind keine „Badewannen für Hunde“ meinen Franz Hage (von links), Gottfried Mayrock, Manfred Hehl und Älpler Toni Lämmerhofer. Fotos: Josef Gutsmiedl

Für einen sensiblen Umgang mit der Natur und für Rücksicht auf die Interessen und das Eigentuzm anderer warben das Landwirtschaftsamt Kempten und der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu AVA zum Auftakt der Wander- und Radsaison. Auf der Alpe Topfen bei Burgberg erläuterten die Fachleute, was es zu beachten gilt, damit der Naturgenuss keinem „weh tut“.

„Es hat sich schon einiges gebessert“, kann Franz Hage, der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, feststellen. Die wirklichen Rowdys in der Natur seien die Ausnahme. Dennoch halten es Hage und Dr. Michael Honisch vom Fachzentrum Alpwirtschaft am Landwirtschaftsamt Kempten für sinnvoll, an den alten Spruch zu erinnern „Ab Georgi geht man nicht mehr über die Wiesen“. Der Hl. Georg, der sein Namensfest am 23. April feiert, ist auch Schutzpatron der Bauern und des Viehs. Der „Naturgenuss“ und die Erholung in der freien Natur haben in Bayern sogar Verfassungsrang. „Naturgenuss ist ein klassisches Jedermannsrecht“, sagt Honisch. Dennoch fordere das Recht auch den pfleglichen Umgang mit der Natur ein - und die Wahrung der Interessen und Rechte der Grundeigentümer und -nutzer. Nicht nur der alte Spruch regelt das Betretungsrecht in freier Natur. Bundes- und Landesgesetze tragen dem Wunsch nach Erholung und Freizeitgestaltung in der Natur Rechnung, beschreiben aber auch, wo die Grenzen dieses Rechtes enden. „Grundsätzlich gilt ein Betretungsverbot während der Aufwuchszeit der Vegetation“, stellt Gottfried Mayrock, Jurist am Landratsamt Oberallgäu, fest. „Dennoch ist das Recht hier nicht schrankenlos.“ Anlass zu Reibereien und Meinungsverschiedenheiten bringe vor allem das Radfahren oder Biken mit sich, so Mayrocks Erfahrung. Der Weg sollte zwei Meter Breite haben, also ein Ausweichen und einen Begegnungsverkehr gefahrlos zulassen, so die Faustregel. „Soweit sie sich dazu eignen“, zitiert Mayrock die Rechtsgrundlage für die Nutzung eines Alpweges durch Radfahrer. Prinzipiell geeignet sei demnach ein Weg, der auch von landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt wreden könne. Vorrang habe zudem stets der Fußgänger, betont Mayrock weiter. Querfeldein-Touren und die rasante Schussfahrt über die grüne Wiese sind ohnehin Tabu. Wenn die Art der Fortbewegung geeignet sei, Schäden an der Natur und an fremdem Eigentum zu verursachen, ende die Freiheit des Betretungsrechtes, stellen Gottfried Mayrock und Manfred Hehl, Umwelt-Sachbearbeiter bei der Polizeinspektion Sonthofen, fest. Die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung gelten ohnehin: Wo ein entsprechendes Schild das Radeln verbiete, sei es auch „in Wald und Feld“ verboten. Dass man Weidezäune respektiere und Gatter und Durchlässe auf Wanderwegen wieder schließe, sei wohl selbstverständlich, meint Alphirte Toni Lämmerhofer von der Alpe Topfen. Nicht nur pfeilschnelle Biker, die sich gefährlich nahe an Fußgänger manövrierten, machen er und seine Frau Iris immer wieder aus. „Ich muss manche Zäune nicht wegen des Alpviehs errichten, sondern um die Leute auf den ausgewiesenen Wegen zu halten“, sagt Lämmerhofer. „Manche veranstalten Spiele und Picknicks mitten in der Weide...“ Dass Zäune eine lenkende Wirkung haben, stellt auch Franz Hage fest, selbst Alphirt und Landwirt. Seit es im Tal weniger Zäune gebe, häuften sich die Fälle, wo Wanderer einfach querfeldein marschierten. Ganz Schulklassen seien da unterwegs, so Hage. „Die Kinder können ja nichts dazu, wenn Lehrer und Eltern vorneweg marschieren.“ Ebenfalls nicht lustig finden es Landwirte, wenn Hunde im Gras „ihr Geschäft“ verrichten. „Der Hundekot im Viehfutter ist nicht nur unappetitlich“, betont Dr. Honisch. Mit dem Futter können Rinder Parasiten aufnehmen, die zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen, etwa Fehlgeburten oder anhaltenden Fruchtbarkeitsstörungen. Zudem seien Viehtränken und Brunnen keine Badewannen für Hunde und auch keine Möglichkeit, seine Schuhe nach der Wanderung zu reinigen, gibt Franz Hage zu bedenken.

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