Rinder-TBC: Die aktuellen Entwicklungen

Das Oberallgäu hat ein TBC-Problem

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Auf die Oberallgäuer Alpen kommt nur negativ-getestetes Vieh, betont der Alpwirtschaftliche Verein.

Oberallgäu - Am Ziel sieht man sich bei der Bekämpfung der Rinder-TBC im Oberallgäu noch nicht, doch kurz vor dem Abschluss der Reihenuntersuchung aller Rinderbestände. Der Weg habe sich bewährt, unterstreicht Landrat Gebhard Kaiser. Entscheidend sei es jetzt, auf lange Sicht „dranzubleiben“. Noch nicht ganz erfüllt hat die Jagd ihren Part, wo ein Revierinhaber in Oberstdorf – einem Brennpunkt der TBC beim Rotwild – offenbar partout nicht mitziehen will.

„Fast durch“ sind die Tierärzte im Oberallgäu mit der Reihenuntersuchung aller Rinderhaltungen im Oberallgäu. 1 770 Milchkuhhaltungen mit mehr als 70 000 Rinder älter als 12 Monate sind inzwischen überprüft. Die Zahl der getöteten Rinder gibt Amtstierarzt Dr. Johann Mages mit 879 an (Stand 7. März 2014). Das entspricht 1,24 Prozent der untersuchten Tiere. Berücksichtigt man sieben Bestandskeulungen verbleiben noch 687 getötete Rinder, mithin ein Anteil von 0,97 Prozent. 

Das Allgäu hat Probleme mit der Rinder-TBC. An dieser Feststellung komme man nicht vorbei, betont Mages. Der Weg des konsequenten Handelns, der im Landkreis frühzeitig eingeschlagen worden sei, habe sich als richtig erwiesen. Alles andere wäre fatal gewesen, so Mages. Und Mages kontert Bedenken, dass die jetzt eingesetzte Testmethode auch Falschaussagen liefern könne: „Wo nichts ist, wird auch nichts gefunden.“ Gerade die Unzuverlässigkeit der Tests hatte im vergangenen Jahr für Unmut unter den Rinderhaltern gesorgt, die Sorge hatten, dass etwa Tiere „auf Verdacht“ getötet würden, weil der Test nicht immer korrekte Ergebnisse liefere. 

Stichprobenartige Untersuchungen in den Landkreisen entlang der Alpenkette zeigten Mages zufolge, dass Oberbayern „offenbar keine Probleme mit der Rinder-TBC“ habe. In einem gefährdeten Gebiet – wie etwa dem Oberallgäu – seien weiterhin regelmäßige Tests auf Rinder-TBC erforderlich, unterstreicht Dr. Mages weiter. Lediglich eine Fleischuntersuchung decke in einem gefährdeten Gebiet etwaige TBC-Infektionen nicht rechtzeitig auf. Zudem empfiehlt er, verendete Rinder in der Tierkörper-Beseitigungsanlage zu eröffnen und auf TBC-Anzeichen zu untersuchen. 

Auch die Alpwirtschaft will „dranbeiben“. Es werde kein Alpvieh aufgetrieben, dass nicht nachweislich negativ getestet worden sei, stellt der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA), Franz Hage, klar. 

Für Landrat Kaiser und Amtstierarzt Mages ist nach den Erfahrungen, die seit einem Jahr im Oberallgäu gemacht werden klar: TBC beim Rind und beim Rotwild hängen zusammen. Auch wenn es noch nicht gelungen sei, das wissenschaftlich zu untermauern, so Kaiser. „Wer da wen ansteckt, kann ich nicht beantworten“, so Mages. „Es sieht so aus, als hätten wir auch ein Problem mit TBC beim Wild.“ 

Seinen entschlossenen Weg will Landrat Kaiser auch beim „ganz heißen Eisen“ Jagd gehen. Augenfällig sei das Gebiet Oberstdorf, wo 15 der bislang 17 positiv getestete Hirsche erlegt wurden. Konkret wirft Kaiser einem Revierinhaber vor, das Abschusssoll willentlich nicht zu erfüllen, um weitere Positiv-Befunde zu vermeiden. „Man kann angesichts dieser Konzentration doch nicht so tun, als gehe einen das nichts an!“ Der Revierinhaber habe stattdessen gegen Zwangsmaßnahmen geklagt. Jetzt sei erst einmal alles offen, so Kaiser. Ein bereits geplanter Wildfang („Gatterabschuss“) sei nicht zustande gekommen. Dabei habe der Revierinhaber dem vereinbarten Abschusssoll doch ausdrücklich zugestimmt. 

„Es bleibt auch hier beim konsequenten Handeln“, betont Kaiser. Da gebe es kein Pardon. Am besten sei es, den Rotwild-bestand zu „beseitigen und dann neu aufzubauen“, skizziert der Landrat seine Vorstellung von einem Ausweg. 

Auf Unterstützung „von oben“ hat Kaiser in dieser Hinsicht umsonst gehofft. „Der Einfluss der Jagdlobby ist zu groß; da sind wir fast machtlos.“ Andererseits versicherte der Vorsitzende der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen, Erbgraf von Waldburg-Zeil, dem Landrat die Unterstützung durch die Jägerschaft und distanzierte sich von dem uneinsichtigen Revierinhaber. 

Er, Kaiser, vermisse Maßnahmen wie beim Führerschein: wenn einer nicht jagen könne, solle man ihm auch den Jagdschein nehmen können!

Josef Gutsmiedl

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