Daueraufgabe im Bergwald

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Im Projektgebiet Blaichach funktioniert es: Förster Andreas Fisel mit einer jungen Weißtanne, die ohne Schutzvorrichtung prächtig gedeiht.

Oberallgäu - Nur durch eine Anpassung des Wildbestandes ist eine vernünftige Waldverjüngung und die Schaffung gesunder Mischwaldbestände möglich.

Dies erklärten unisono die beiden Oberallgäuer Landtagsabgeordneten der Grünen Ulli Leiner und Thomas Gehring und der forstpolitische Sprecher der Landtagsfraktion Markus Ganserer bei einem Pressegespräch in Immenstadt. Zuvor waren sie mit Vertretern der Bergwaldoffensive, Forstfachleuten und Behörden- und Gemeindevertretern im Oberstdorfer Stillachtal und bei Blaichach unterwegs, um sich über die Situation des Bergwaldes und die Arbeit der Bergwaldsoffensive zu informieren.

Während bei Oberstdorf erst noch die Wildproblematik gelöst werden muss, damit eine Bergwaldsanierung überhaupt in Frage kommt, zeigen sich in Blaichach schon deutliche Erfolge. Hier funktioniert die Waldverjüngung hervorragend, da es gelungen ist Wald und Wild in Einklang zu bringen (der Kreisbote berichtete).

Im Gebiet Anatswald/Leiterberg bei Oberstdorf läuft derzeit ein Beobachtungsprojekt, wie sich innerhalb und außerhalb von umzäunten Flächen der Jungwald entwickelt. Mit Landratsamt und der Jägerschaft wird an einer Gesamtkonzeption gearbeitet, mit dem Ziel die Rotwildpopulation auf ein verträgliches Maß zu reduzieren.

Seit Jahren gibt es in diesen Jagdrevieren Streit um die Erfüllung der Abschusspläne. Hinzu kommt, dass Rappenalp- und Stillachtal als „Tbc-Hotspot“ gelten. Hier treten die meisten Fälle im Oberallgäu auf. Es wird vermutet, dass die Erreger von den Wildtieren auf die Rinder übertragen werden. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt in diesem Gebiet die Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen von Manfred Kurrle.

Bei dem Termin wurde bekannt, dass das Verwaltungsgericht Augsburg zwei Klagen der Naturschutzstiftung abgewiesen hat. Die Stiftung hatte gegen die Verhängung eines Zwangsgeldes geklagt, weil das Abschusssoll im Jagdjahr 2013/14 nicht erfüllt wurde. Zudem gab es eine Klage gegen das Abschusssoll für das Jahr 2014/15.

„Ohne Reduzierung des Wildbestandes macht eine Bergwaldsanierung keinen Sinn“, sieht Leiner in dem Urteil „ein deutliches Signal“. Die Jagdreviere im Stillach- und Rappenalptal müssten großflächig im Zusammenhang gesehen werden: „Es kann nicht sein, das die Sturheit Einzelner den Prozess in einem ganzen Tal blockiert".

„Wir können vom Land keine Maßnahmen finanzieren, die keine Aussicht auf Erfolg haben“, ergänzte Gehring. Leiner hält in diesem Zusammenhang auch die Pflichthegeschauen „in der derzeitigen Form für überholt“.

Markus Ganserer hat im Landtag eine Anfrage zu den Kosten und den Ergebnissen der Bergwaldoffensive gemacht. Mit dem Resultat, dass in den meisten Revieren in Bayern, in denen Bergwaldsanierungen stattfinden, der Verbiss durch Schalenwild zu hoch ist. „Die Probleme im Bergwald sind aktueller denn je“, so Ganserer im Hinblick auf die Klimaveränderung und die damit verbundenen Starkregenereignisse. Trotz vieler Bemühungen habe sich die Situation nicht grundlegend verbessert. „Ein gesunder Mischwald wird immer wichtiger. Wald geht darum vor Wild“, sieht er einen deutlich gestiegenen Handlungsbedarf.

Kritisch wird bei den Grünen das Thema Wegebau gesehen. Nach Ansicht der Landtagsabgeordneten fließen zu viele Mittel in diesen Bereich. Man solle auf schonende Möglichkeiten wie Seilbahnförderung ausweichen und einfache Rückewege statt Forststraßen bauen, so Leiner. Eingriffe in sensiblem Gelände sollten so gering wie möglich gehalten werden. Klaus Dinser von der Bergwaldoffensive räumte ein, dass in den Anfangsjahren Fehler gemacht wurden. Inzwischen gebe es vor jeder Maßnahme einen intensiven Austausch und Absprachen mit den Naturschutzverbänden und -behörden. Ganz ohne Wegebau gehe es aber nicht. Wie etwa derzeit an der Westseite des Rottachberges, wo wegen einem Hangrutsch und der Bedrohung durch den Borkenkäfer Rückewege gebaut werden.

Ganserer zeigte sich zufrieden, dass die Bergwaldoffensive weiter gefördert wird. Forstliche Aufgaben sollten aber nicht über befristete Arbeitsverträge finanziert werden, so seine Kritik. Dies sei nicht fair gegenüber den jungen Forstleuten. Unter Umständen gehe dabei viel fachliches Potential verloren.

„Obwohl als Projekt angelegt, handelt es sich eigentlich um eine Daueraufgabe“, so der Abgeordnete. „Hochwasserschutz fängt in den Bergen an“, meint er und wünscht sich im Landtag und bei der Staatsregierung mehr Bedeutung und Interesse für das Thema.

Heinrich Bonert

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