Lawinenschutz im Stillachtal soll keine Schwachstelle haben

Drahtseilakt im Steilhang

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Richard Lutzenberger (links) und sein Kollege Martin Waibel müssen bei der Aufräumaktion im Steilhang äußerst konzentriert und klug vorgehen.

Oberstdorf - Einen etwas anderen „Drahtseilakt“ zeigten Forstarbeiter beim Aufarbeiten der Schneebrüche im Schutzwald bei Oberstdorf. In einem Steilhang räumten sie in Zusammenarbeit mit einem Mann an der Seilwinde und einem Kollegen auf dem Greifbagger auf. Jetzt muss die Bergflanke „lawinenfest“ gemacht werden.

Wie oft sie an diesem Spätherbsttag schon die steile Bergflanke neben der Talstraße im Stillachtal hinaufgestiegen sind, haben Richard Lutzenberger und Martin Waibel nicht mitgezählt. Aber dass das lange Stahlseil, das sie dabei hinter sich herziehen auf dem Weg durch Geröll und zerfetzten Baustämmen mit jedem Schritt schwerer wird, spüren sie gut genug.

Ein Job für Spezialisten. Die beiden Waldarbeiter kennen die Gefahr, die von kreuz und quer liegenden Bäumen ausgeht. Erfahrung und kluges Vorgehen sind hier lebenswichtig.

Schweres Gerät und Forstarbeiter mit Kondition und viel Erfahrung waren beim „Aufräumen“ im Stillachtal gefragt.

Der Orkan „Gonzalo“ mit den Schneefällen bis in die Tallagen hat in der Nacht vom 21. auf 22. Oktober auch Oberstdorf nicht verschont. Den Forstleuten vom Landwirtschaftsamt in Kempten machen vor allem die Schäden im Schutzwald Sorge. Während das Schneebruchholz in zugänglicheren Lagen meist schnell aufgearbeitet werden kann, erfordern extreme Lagen Spezialgerät - und Spezialisten. Ein solcher Einsatz lief vor wenigen Tagen im Stillachtal ab, wo der Lawinenschutz der Straße eine besondere Rolle spielt, mit der Zufahrt nach Faistenoy oder zur Fellhornbahn.

„Die Arbeit in den geschädigten Waldbeständen ist besonders unfallträchtig. Oftmals sind Äste und Kronenteile in Nachbarbäumen hängengeblieben. Sie können jederzeit herabfallen. Geworfene Stämme stehen nicht selten unter Spannung und schnellen unerwartet zurück, wenn man sie absägt. Äußerste Vorsicht ist also geboten.“ Das Szenario, das Klaus Dinser vom Landwirtschaftsamt in Kempten, beschreibt, trifft für den Bereich der Lawinenverbauung, den sogenannten Galerien, exakt zu.

Zwischen den beiden Überdachungen, die die Straße an den neuralgischen Stellen vor Lawinen und Steinschlag schützen, schlug der Herbststurm eine Schneise in den Bergwald – genau dort, wo der Hang am steilsten abfällt. Als Sofortmaßnahme beseitigten Feuerwehr und Förster Stämme und Baumwipfel, die auf der Talstraße gelandet waren. Doch letztlich, so erläutert Dinser, gehe es darum, die Schutzfunktion des Bergwaldes an genau dieser Stelle zu erhalten und schnell wieder herzustellen.

„Wir müssen uns auch Gedanken über weitere Sicherungsmaßnahmen machen“, ergänzt Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies. Immerhin gehe es auch um den Tourismus und die Bergbahn in dem Tal. Es wäre schon fatal, wenn man die Straße im Winter dichtmachen müsste.

Die rund 20 Meter breite Schneise wurde jetzt ausgeräumt, geworfene Bäume, gebrochene Stämme beseitigt. Mit Richard Lutzenberger und Martin Waibel hatten die Förster zwei Spezialisten für dieses schwierige Gelände und die gefährliche Arbeit. Die Beiden zogen das schwere Drahtseil zigmale hinauf in die Bergflanke, damit die Stämme und Wurzelstöcke hinunter an die Straße gezogen werden konnten. Später wird hinter der Schutzmauer eine tiefe Grube ausgehoben, die im Fall des Falles die Schneemassen auffängt.

Vorrangig ging es hier an der Straße um den Lawinenschutz. Doch Dinser und seine Mitarbeiter sehen nach dem Schneebruch auch eine neue Borkenkäfer-Welle auf den Wald zurollen. Das Holz müsse möglichst schnell aus dem Wald oder zumindest entrindet werden, so der Appell der Förster.

Josef Gutsmiedl

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