Frater Gallus haut auf den Tisch – Närrischer Novize Marcellus

Oberstdorfer Defekte

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„Daniela in der Löwengrube“ – die hungrigen „Löwen“ aus dem Oberstdorfer Gemeinderat belauern Kurdirektorin Heidi Thaumiller.

Oberstdorf - Unspektakulär zapfte Oberstdorfs Bürgermeister – gekonnt und gelassen wie immer – mit zwei Schlägen das Bockbierfass an. Dann die Überraschung: Comeback für Frater Gallus!

Dass es eine Überraschung geben würde beim diesjährigen Bockbieranstich in Oberstdorf, war kein Geheimnis. Nur, worin diese Überraschung bestehen sollte, war Anlass zu allerlei Spekulationen.

Novize Ludovicus (dargestellt von Seppi Dornach), der in den vergangenen Jahren als engagierter Fastenprediger den Oberstdorfern die Leviten gelesen hatte, war als „Opfer der Kommunalwahlen“ in den Gemeinderat gewählt worden. Für Frater Gallus (Franz Bisle) tat sich daher ein Personalproblem auf. Ein neuer Novize wurde auf die sündigen Oberstdorfer losgelassen, um zu retten, was zu retten ist.

Franz Bisle feierte als Frater Gallus ein Comeback beim Bockbieranstich in Oberstdorf.

Sichtlich unzufrieden mit den Oberstdorfern zog Frater Gallus (Franz Bisle) in die Oybelehalle ein, um gleich festzustellen, dass seine Oberstdorfer offenbar die „guten Sitten“ und den nötigen Respekt wieder vergessen hätten und nicht allesamt zu seiner Begrüßung aufgestanden waren. Er, Frater Gallus, habe eigentlich nicht mehr in den Sündepfuhl Oberstdorf kommen wollen, aber sein Gesandter, der Novize Ludovicus, habe den Bettel hingeworfen, da die Bekehrung der Oberstdorf eh aussichtlos erscheine.

Wie viele Oberstdorfer habe sich der Novize (Seppi Dornach) vor einem Jahr breitschlagen lassen und sich „auf eine der Listen“ setzten lassen. Tatsächlich habe ihn das „hinterhältige Oberstdorfer Wählervolk“ mit reichlich Kreuzchen gebrandmarkt. Jetzt sitze Lodovicus bei den „unschuldigen Lämmern“ im Gemeinderat. Damit er dort nicht so leicht übersehen werde, habe ihm seine Gattin Dagmar gleich ein aufblasbares Sitzkissen mitgegeben. Er, so bemerkte Frater Gallus in diesem Zusammenhang, nehme mit einem mobilen Untersetzer der Hirsch-Brauerei, einer leeren Bierkiste, vorlieb. Kurz: das Kloster St. Gallen hatte beschlossen, einen neuen Novizen zu entsenden, um die „Oberstdorfer Defekte“ zu korrigieren. Der Ersatzmann, Novize Marzellus (Mathias Häckelsmiller), – von ganz anderem Schlag als Ludovicus – zog dann ein unter den Klängen „Viva Colonia“ und zog andere Saiten auf für seine Fastenpredigt. Die Parallele zu den Comics „Asterix und Oberlix“ dränge sich geradezu auf, erkannte der neue Prediger: Etwa mit der dichterisch veranlagten Rätin Hornbacher-Burgstaller alias Trubadix, oder mit dem Methusalix Rudi Götzberger, dem „Blumen-Rudi“, ganz zu schweigen von Majestix, dem Häuptling: Bürgermeister Mies auf dem Schild.

Sonderlich begeistert vom frischen Wind beim Lesen der Leviten war Frater Gallus dann nicht: der rheinische Dialekt höre sich an wie eine Büttenrede. Kurzerhand brach der Frater die allzu närrische „Fasnachtseinlage“ für Marzellus ab und übernahm selbst das Ruder. Stichwort Therme. Man habe reihum schon viele öffentliche Bäder geschlossen – warum jetzt so ein Theater gemacht werde, wollte Gallus wissen. Da müsse man ja den Hindelangern schon lange das „Bad“ aberkennen. Und ein solches Prädikat habe Oberstdorf ja gar nicht zu verlieren.

Als „listiger Grieche“ gehe Oberstdorf Altbürgermeister Edi Geyer allemal durch. Der habe in seiner Amtszeit „intelligente Schulden“ gemacht und viele Zuschüsse nach Oberstdorf geholt. Als dann der „Finanzexperte“ Manfred Baldauf in den „Beichtstuhl“ auf der Bühne musste, fragte Gallus, ob dieser nicht etwa Uli Hoeneß beraten habe.

Dann kam doch noch Unterstützung für den erschöpften Frater Gallus: Pfarrer Johann Nepomuk Stützle, Mitte des 19. Jahrhundert Seelsorger in Schöllang, griff ein und zitierte den Sünder „Michelar“, Albert Titscher, in den Beichtstuhl. Der notorische Zuspätkommer sei selbst bei der externen Klausurtagung der Oberstdorfer CSU deutlich verspätet erschienen. Er habe wohl den Vormittag mit den Damen der Frauen Union im Wellnessbereich des Tagungshotel verbracht, entlockte ihm der Beichtvater. Wenigstens die gutgläubigen Damen der Frauen Union hielten ihm offenbar die Stange, schloss der Pfarrer.

Überhaupt Frauen: der Anteil an Frauen im Marktgemeinderat sei eklatant gestiegen unter der Regentschaft des „Cäsar Mies“, fiel Stützle (wiederum dargestellt von Mathias Häckelsmiller) auf – gleich vier seien es schon! Das Finale inszenierte der Fastenprediger dann in Anlehnung an die Geschichte aus dem Alten Testament „Daniel in der Löwengrube“. Aus dem biblischen Daniel machte Stützle kurzerhand eine Daniela – Heidi Thaumiller. Vier Gemeinderäte gaben die hungrigen Löwen... Die Rettung für Daniel / Daniela übernahm – fast schon Tradition – Oberstdorfs Pfarrer Peter Guggenberger als Engel. Wer sonst?

Josef Gutsmiedl

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