"Finanzieller Gewaltakt"

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Oberstdorf – Wie geht es weiter mit der Oberstdorf Therme? Nachdem in Februar der Gemeinderat den Forderungen einer Bürgerinitiative für den Erhalt des Bades am jetzigen Standort nachgegeben und damit einen Bürgerentscheid verhindert hatte, liegt jetzt ein Gutachten zu den Sanierungskosten vor.

Das Ingenieur-Büro Wach kommt in einer Machbarkeitsstudie für eine Generalsanierung – inklusive Empfehlungen für neue Attraktionen – auf die stolze Summe von 16,25 Millionen Euro. Ing. Franz Josef Wach kommt zu dem Ergebnis, dass nach 44 Betriebsjahren die Ausbauten und die Technik nicht weiter verwendbar sind. Eine Entkernung bis auf die Rohbausubstanz sei darum unumgänglich. Bei der Sanierung würde die Bausubstanz nicht ausgeweitet, doch soll es innerhalb des Gebäudes eine Neuordnung der Bereiche geben. Wellenbecken und Solebecken bleiben bestehen. Als zusätzlicher „Besuchermagnet“ ist ein Attraktivitäts- becken mit Massagedüsen etc. vorgesehen. Der Ruhebereich würde erweitert, der Kinderbereich etwas kleiner ausfallen. Um die Wirtschaftlichkeit zu steigern, sieht Wach eine maximale Obergrenze von 130.000 Besuchern im Jahr. Derzeit besuchen etwa 100.000 Badegäste die Therme. Den Zeitbedarf für einen Realisierung schätzt Wach auf 37 Monate. Die reinen Baumaßnah- men – in dieser Zeit muss die Therme geschlossen bleiben – auf 19 Monate.

Die Summe von über 16 Millionen Euro sorgte bei einigen Gemeinderäten in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag für Erstaunen. War man doch im Winter noch von etwa 12 Millionen ausgegangen. „Wer soll das bezahlen?“, hält Toni Weiler (UOL) eine Finanzierung wohl nur über eine Erhöhung der Kurtaxe für möglich. Es sei fraglich, ob eine Neuverschuldung genehmigt werde. Peter Titzler (Freie Wähler) sprach von einem „finanziellen Gewaltakt“ und Bergith Hornbacher-Burgstaller (Grüne) fand die Zahl „umwerfend“, verbunden mit der Frage wie Oberstdorf das Geld aufbringen soll. Kathrin Bäuerle (SPD) stellt die Überlegung an, ob ein Neubau unter Umständen besser gefördert würde.

Zur Aufbereitung der vorliegenden Fakten solle eine „Arbeitsgruppe Therme“ aus Gemeinderäten und Verwaltung eingerichtet werden, stellte Martin Rees (AO/FDP) den Antrag. Dem widersprachen mehrere Räte und wollen das Thema erst einmal in den Fraktionen weiter beraten und die Fördermöglichkeiten ausgelotet wissen. Was dann auch bei 5 Gegenstimmen so beschlossen wurde. Man solle erst mal festlegen, was man überhaupt will, so die Meinung von Bürgermeister Laurent Mies.

Die „Freunde der Oberstdorf-Therme“ sprechen in einer ersten Reaktion von „Maximalkosten“. Die Vorschläge sollten dahingehend beraten werden, ob sie in dem aufgeführten Umfang erforderlich sind, um zu einer Kostenreduzierung auf 12 bis 14 Millionen Euro zu kommen. Sie gehen davon aus, dass die Unterstützung für die Generalsanierung weiterhin aufrecht- erhalten bleibt und erwarten von der Verwaltung der Marktgemeinde, dass sie sich um Fördermittel kümmert. Die Thermenfreunde hatten im April flankierend zu der Machbarkeitsstudie einen Workshop abgehalten um die Stärken und Schwächen des jetzigen Thermen-Angebotes sowie Chancen und Risiken für die Zukunft zu analysieren. Ihre Vorschläge zur Neuausrichtung der Oberst-dorf-Therme hatten sie an die Gemeinde weiter geleitet.

Heinrich Bonert

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