Bürgerinitiative für den Erhalt der Oberstdorfer Therme

Kampf für die Therme

+
Kämpfen wie die Fußballnationalmannschaft für den Weltmeistertitel – das will eine Bürgerinitiative in Oberstdorf für den Erhalt der Therme.

Oberstdorf – Die 1972 eröffnete Oberstdorf-Therme mit Wellenbad und Saunalandschaft hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und ist in die Jahre gekommen. In absehbarer Zeit muss die bei vielen Stammgästen beliebte Anlage saniert oder ersetzt werden.

Angesichts der Haushaltslage und der Sparbemühungen fehlt der Gemeinde aber das Geld. Darum hatte der Gemeinderat im Sommer 2013 den Plänen, am Ortsrand ein Hotel mit angegliederter öffentlich zugänglicher Badelandschaft zu planen, mit großer Mehrheit zugestimmt. Schnell regte sich Widerstand. Es gründete sich die „Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Oberstdorf-Therme“, die für den Erhalt der Anlage am jetzigen Standort kämpft. Auch im Kommunalwahlkampf wurde über das Thema gestritten. Schon vor der Wahl drohte die Interessengemeinschaft mit einem Bürgerbegehren, sollte die Gemeinde die Schließungspläne weiter verfolgen. Kurz nachdem die Thermenfreunde nun ein Bürgerbegehren beschlossen hatten, wurde bekannt, dass die Kombilösung Hotel/Bad vom Tisch ist. Der Hotelinvestor sieht mangels öffentlicher Zuschüsse eine zu große Finanzierungslücke.

Nach Berechnungen der Gemeinde macht die Anlage im Jahr etwa eine Million Euro Verlust – ungefähr die Hälfte davon sind Mittel aus dem Tourismusetat. Zudem würden nur etwa 4 bis 6 Prozent der Oberstdorfer Feriengäste das Angebot nutzen. Zahlen, bei denen die Interessengemeinschaft Widersprüche und Unrichtigkeiten sieht. Sie hat darum eine Kostenbetrachtung erstellt, die diese Zahlen widerlegt und nach der sich eine Sanierung und einen Weiterbetrieb rentabel gestalten lässt.

Die Initiative fordert unter Anderem eine Herauslösung der Therme aus der Oberstdorf Tourismus GmbH (OTG), eine neue kompetente Führung und eine transparente Kostenanalyse. Dringend erforderliche Maßnahmen zur Erhaltung der Therme müssten schnell angegangen werden. Das Bad werde „schlecht geredet und kaputt gespart“, so die Interessengemeinschaft.

„Unsere Zahlen wurden bisher nicht widerlegt“, gab sich Uwe Lassau, Mitinitiator der Interessengemeinschaft beim jüngsten Stammtisch kämpferisch: „Wir wollen ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Therme.“ Sein Mitstreiter Ralf Bohlens, der den Ablauf eines Bürgerbegehrens erläuterte, sieht gute Chancen für einen Erfolg.

Enttäuscht zeigten sich beide, dass trotz persönlicher Einladung weder Bürgermeister Laurent Mies noch Tourismus- direktorin Heidi Thaumüller und die Geschäftsleitung der Therme zu der Versammlung kamen. „Das Nichterscheinen spricht eine deutliche Sprache“, so Lassau. Derzeit würden noch nicht einmal die notwendigsten Investitionen durchgeführt. So dringe aktuell über dem Kinderbecken Regen in das Gebäude ein, sprach er von „nicht haltbaren Zuständen.“ Auch dass bei den Planungen einer neuen Heizung für das Oberstdorf Haus eine Anbindung der Therme nicht berücksichtigt wird, sieht er als Indiz für die Schließungspläne.

In der Diskussion gaben die Befürworter eines Bürgerbehrens den Ton an. „Wir können das Bad nicht so einfach absaufen lassen“ forderte Gemeinderat Martin Rees eine „Diskussionswelle“, wie viel dem Ort ein Bade- und Wellnessangebot wert ist. Franz Ohmayer warnte, dass Bürgermeister und Verwaltung immer am längeren Hebel sitzen. Trotzdem müsse man sich auf die Hinterfüße stellen, sieht er in die Gemeinde „auf dem besten Weg die touristische Infrastruktur nachhaltig zu schädigen.“

Für die Anwesenden war klar, dass ihnen hier ein hartes Stück Arbeit bevorsteht. Trotzdem votierten die etwa 50 Besucher ohne Gegenstimmen (bei wenigen Enthaltungen) dafür, ein Bürgerbegehren vorzubereiten. Im August sollen dann endgültig die Weichen gestellt werden. Sie setzen dabei auf die Unterstützung der kleinen und mittleren Vermieter, auf die Eltern, deren Kinder hier zum Schulschwimmen gehen und auf die Sportvereine.

Tourismusdirektorin Heidi Thaumüller nannte in einer ersten Stellungnahme das Einleiten eines Bürgerbegehrens „einen normalen demokratischen Prozess“. Die Grundsatzfrage sei: „Können sich die Bürger von Oberstdorf eine Therme leisten und mit welchen Konsequenzen?“ Die Befürworter müssten sich darüber im Klaren sein, dass ein erfolgreiches Bürgerbegehren Auswirkungen auf die Finanzierung der Therme habe.

Bürgermeister Mies betont, dass es keine negativen Beschlüsse gegen die Therme gibt. Die Oberstdorf Therme, die ein Gutachter bereits 2006 als stark modernisierungs- und sanierungsbedürftig bezeichnete, werde die Gemeinde weiter beschäftigen. Die Kritiker seien nun aufgefordert, zukunftsweisende und wirtschaftliche Lösungsansätze vorzulegen.

Heinrich Bonert

Meistgelesene Artikel

Schnell und gut beheizt

Oberstdorf – Schlag auf Schlag geht es bei den Bergbahnen Oberstdorf/Kleinwalsertal. Mit der Inbetriebnahme der neuen Sechser-Sesselbahn, der …
Schnell und gut beheizt

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im …
"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Kommentare