Blattschuss im Wildgatter?

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Mitglieder des Vereins Wildwacht Allgäu demonstrierten vor dem alten Rathaus gegen den Abschuss in Wildgattern.

Oberstdorf - Der geplante Bau zweier Wildfänge im Stillach- und Rappenalptal südlich von Oberstdorf sorgt für Wirbel. Vor der Bauausschusssitzung des Gemeinderates protestierten Jäger und Tierschützer des Vereins Wildwacht Allgäu gegen das „Gemetzel in Wildgattern“. Landwirte dagegen forderten, „dass was passiert“.

„Wir sind Jäger und Naturschützer und keine Metzger", so Dirk Lechler. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes BJV hatte am gleichen Tag aus Protest seinen Austritt aus der „Manfred Kurrle Naturschutzstiftung Allgäuer Hochalpen“, die den Bau der Wildfänge mit trägt, angekündigt. Auch das Präsidium des Bayerischen Jagdverbandes spricht sich gegen die Errichtung der Abfanggatter aus und verweist auf geltendes Jagd-, Tierschutz- und Seuchenrecht. 

Schon im Vorfeld hatte der Oberstdorfer Umweltreferent Siegmund Rohrmoser eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Landrat Gebhard Kaiser eingereicht. Die Begründung unter anderem, dass bei Baumaßnahmen im Naturschutzgebiet die anerkannten Naturschutzverbände anzuhören seien. Forstexperten betonen dagegen, dass die Probleme mit herkömmlicher Jagd in diesem Gebiet nicht in den Griff zu bekommen seien. Dies liege nicht zuletzt an den Fehlern der Vergangenheit. 

Auch die Landwirtschaft hat aus Angst vor der Ansteckung von Rindern mit TBC ein Interesse an der Wildreduzierung. Obwohl es im Bauausschuss des Gemeinderates um die baurechtlichen Aspekte gehen sollte, kam es doch zu einer grundsätzlichen – teilweise emotional geführten – Diskussion. Während Wolfgang Nettesheim von „Barbarei“ sprach, sieht Maximilian Hornik die Landwirte mit der Geduld am Ende. „Die Bauern gehen auf die Barrikaden, wenn von Seiten der Jagd nichts passiert.“ Er erinnerte an die fatalen Folgen für die betroffenen Höfe bei den aufgetretenen TBC-Fällen. Das Gebiet sei ein „TBC-Hotspot“, gab Christoph Hicke vom Landratsamt keine Entwarnung. Er verteidigte Abschuss in den Wildfängen als „letzte Option“. Eine Erhöhung des Jagddruckes sei nicht möglich. 

Rohrmoser betonte, dass er die Reduktion des Rotwildebestandes auf eine angepasste Größe grundsätzlich unterstütze. Diese solle aber mit regulären jagdlichen Methoden vorgenommen werden. Er hält den Abschuss in Gattern „für sachlich falsch und rechtlich nicht genehmigungsfähig“ und sprach von „panikartigem Aktionismus und einem Offenbarungseid“. „Alle anderen Möglichkeiten ausgereizt“, sah dagegen Martin Rees und plädierte für „ein schnelles und zielgerichtetes Handeln zum Schutz der Landwirtschaft“. Eine Meinung, der sich die Mehrheit der Gemeinderäte – bei zwei Gegenstimmen – anschloss.

Heinrich Bonert

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