Ökomodell-Region Oberallgäu Kempten: Landkreis und Stadt wollen kräftig anschieben

"Bio" hat noch Luft nach oben

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Sarah Diem ist Projektmanagerin der „Öko-Region Oberallgäu Kempten“ und will das vorhandene Potenzial zusammenführen und dem Projekt noch mehr Schwung verleihen.

Oberallgäu – Mit langem Vorgeplänkel hielten sich die Akteure nicht auf bei der Auftaktveranstaltung der Ökomodell-Region Oberallgäu Kempten. Vielmehr wurde die Ziele des Projekts, das „Feuer“ in die regionale Bio-Szene bringen soll, abgesteckt und erste Arbeitskreise gebildet. Durch intensivere Vernetzung und Zusammenarbeit sollen Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher noch besser vernetzt und der Absatz für Öko-Produkte verbessert werden.

Die Trumpfkarte Regionalität wird im Oberallgäu schon längst gespielt. Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich einiges getan, manches entwickelt.“ Es gebe auch schon Selbstläufer in dieser Hinsicht, so Klotz weiter; anderes sei aber nicht aus den Startlöchern gekommen. „Da ist noch Luft nach oben.“

Die Vorleistungen, die die Region bereits aufweisen kann, haben jedenfalls die Verantwortlichen des Landesprogramms BioRegio Bayern 2020 überzeugt – die Bewerbung um das Zertifikat staatlich anerkannte Öko-Modellregion für das Oberallgäu und die Stadt Kempten war erfolgreich (wir berichteten). Nicht zuletzt die Vielzahl der bestehenden Projekte und Initiativen war eine Art Türöffner, aber auch die gut entwickelte Vernetzung und nicht zuletzt der Status „Leader-Region“ mit der Zielrichtung den ländlichen Raum zu stärken.

„Jetzt heißt es, die Chance zu nutzen!“, appelliert Landrat Klotz an die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung. Um erfolgreich mit den vielen Maßnahmen und Aktionen einsteigen zu können wurde eine Steuerungsgruppe der Akteure zusammengestellt und mit Sarah Diem eine Projektmanagerin eingestellt.

Wichtig sei es, so untersteicht Anton Klotz, die landwirtschaftlichen Strukturen zu erhalten, die noch weitgehend intakt seien. Die Preisentwicklung für Bio-Produkte sei nicht absehbar, auch wenn „bio“ derzeit „recht gut dasteht“, sagt Klotz. Keinesfalls dürfe das Projekt Öko-Modellregion dazu führen, einen Keil zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft zu treiben: „Bei der regionalen Produktion sind uns alle Erzeuger wichtig.“ Eine Ausgrenzung dürfe es nicht geben. Er, Klotz, wünsche sich, dass „etwas Greifbares“ herauskomme, bessere Vermarktungsstrukturen, intensivere Vernetzung.

„Eine Chance für alle“, findet auch Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Die Stadt Kempten sei zwar der kleinere Partner im Boor, aber mit 100 Betrieben und 3 500 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche spiele die Landwirtschaft „auch in der Stadt eine Rolle“. Kiechle warnt ebenfalls vor einer Spaltung der Landwirtschaft in „bio“ und „konventionell“. Der Faktor Regionalität müsse gerade in Zeiten der Globalisierung viel stärkere Beachtung finden: „Eine Chance für echte regionale Themen!“

Was letztlich eine Öko-Modellregion ausmache, skizziert die neue Projektmanagerin Sara Diem: Eine Öko-Modellregion lebt von den Ideen und Erfahrungen der Beteiligten.“ Der rege Austausch, die gesammelten Erfahrungen und neue Ansätze seien letztlich die Grundlage, die neuen Handlungsschritte einzuleiten. Die Ausgangslage in der Region sei durchaus positiv zu bewerten, so Diem. 2 600 bäuerliche Betriebe – etwa zwei Drittel im Haupterwerb –, 630 Alpen, davon 40 Sennalpen, und nicht zuletzt der ohnehin schon sehr hohe Anteil an Biobetrieben, der doppelt so groß sei wie der Bayern-Durchschnitt. Allein heuer seien bereits weitere 70 Betriebe dazu gekommen, berichtet Sarah Diem, die die Akteure vor Ort unterstützen, begleiten und vernetzen wird.

Das erklärte Ziel, das im Projekt Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten angesteuert wird, lautet: Austausch ermöglichen – zusammen wachsen! Wohin die Reise gehen kann, werden verschiedene Arbeitskreise abstecken. So sollen Wege gesucht werden, wie zum Beispiel die Bio-Kälbermacht und Vermarktung in der Region gestärkt werden kann, die bislang ihren Schwerpunkt im Export aus der Region hat. Ebenfalls Top-Themen sind die Stärkung regionaler Spezialitäten wie Schaf- und Ziegenmilch oder der Gemüseanbau. Andere Arbeitsgruppen befassen sich mit der besseren Vernetzung und der Kooperation von Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern, sowie der Information der Menschen in der Region und einem „konstruktiven Dialog“ und fachlichem Austausch mit konventionellen Betrieben.

„Es muss nicht alles neu erfunden werden“, sagt Sarah Diem. Wie man sehe, sei in der Region Vieles vorhanden, könne aufgegriffen, genutzt und verbessert werden. Als einer der ersten Praktiker bekannte sich noch während der Auftaktrunde Hotelier Helmut Schaftroth zur Idee der Öko-Modellregion: „Wir stehen hinter der Geschichte und machen das eigentlich schon längst – auch wenn es nicht immer auf der Speisekarte vermerkt ist...“

Josef Gutsmiedl

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