Ohne Förderung schlechte Karten

Offenbar gar nicht schlecht fahren die Bergbauern und Älpler im Allgäu. Dies stellten jedenfalls die Verantwortlichen beim Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu AVA anlässlich der 84. Mitgliederversammlung in Bad Hindelang fest. Um die Alpen - und die Talbetriebe - weiter „am Leben zu erhalten“, seien staatliche Förderungen unverzichtbar - und nicht zuletzt eine zeitgemäße Erschließung durch Fahrwege.

Was den Vorsitzenden des Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu, Franz Hage, derzeit besonders nervt, sind bürokratische Regelungen für die Landwirtschaft allgemein und die Alpwirtschaft im Besonderen. „Wenn es nicht so viele unsinnige Vorschriften gäbe, wäre es schon recht“, kommentiert er die aktuelle Situation der Bergbauern. Eine gesicherte Bewirtschaftung der Almen und Alpen stehe und falle mit der Erschließung, meint Hage weiter, selbst Landwirt und Alp-pächter. „Sonst droht über kurz oder lang die Aufgabe“, deutet der Vorsitzende des AVA an und wendet sich an Staatsminister Helmut Brunner: „Die Erschließung muss weitergehen, wo es sinnvoll ist.“ Hier treffen die Anregungen offenbar auf offene Ohren. Bayerns Landwirtschaftsminister Brunner sieht die Förderung der Berglandwirtschaft und der Alpwirtschaft als „Chefsache“. Die Bergbauern produzierten nicht nur gesunde Lebensmittel, sondern leisteten wichtige Tätigkeiten in der Pflege der Kulturlandschaft und - in der Folge - für den Tourismus. Deshalb, so Brunner, habe die Berglandwirtschaft zu Recht Anspruch auf „die besondere Unterstützung“ der gesamten Gesellschaft. Brunner hält die Ausgleichszahlungen für erschwerte Produktionsbedingungen für unverzichtbar. Ebenso sei der Alpwegebau wesentliche „Grundlage verantwortlicher und vorausschauender Bergbauernpolitik“. Bayern werde die staatliche Förderung beim Alpwegebau von 70 Prozent weiterhin sicherstellen. Eine gute Bilanz des vergangenen Alpsommers zog AVA-Geschäftsführer Peter Danks. Der Sommer 2008 sei ganz im Sinne der Bergler verlaufen: Regelmäßige Niederschläge, gleichmäßiger Futteraufwuchs. Die Tierverluste durch Unfälle, Krankheiten und Blitzschläge blieben im gewohnten Rahmen. Insgesamt wurden rund 30000 Stück Alpvieh im Bereich des Alpwirtschaftlichen Vereins gesömmert - darunter auch 3000 Milchkühe. Der AVA hat derzeit mehr als 1800 Mitglieder. Danks kann die Ansicht Brunners zur Zukunft der Berglandwirtschaft bestätigen: „Wo investiert wird, wird nicht aufgehört.“ Die meisten der Allgäuer Bergler hielten „ihr Sach“ in Ordnung, lobt der Geschäftsführer. Dank staatlicher Unterstützung seien Investitionen möglich. In der Praxis erlebt Danks aber auch die Bürokratie, die manchem Bergler und der Alpwirtschaft die Sache verleide. So müssten sich Alpbesitzer mit der Abgrenzung von Wald und Weide herumschlagen; notwendige Schwendmaßnahmen seien mitunter nicht mehr möglich. Mit rund 40 Prozent habe man im Allgäu „genug Wald, um den typischen, liebenswürdigen Charakter der Landschaft“ als Grundlage von Tourismus und Wirtschaftskraft zu erhalten.

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