Ohne Wege keine Pflege

„Ohne Wege keine Pflege“, meinen (vorne von links) Franz Hage vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu, Staatsminister Helmut Brunner und Wertachs Bürgermeister Eberhard Jehle bei der Besichtigung des neuen Alpweges bei Hinterreute. Foto: Josef Gutsmiedl

Mit dem neuen Alpweg zur Alpe Blässe bei Wertach-Hinterreute setzte der Freistaat Bayern „ein Zeichen“, dass es ihm nach wie vor Ernst ist mit der Förderung der Alpwirtschaft. Auf diesen Nenner brachte es Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner als er den knapp 1,5 Kilometer langen Alpweg offiziell eröffnete.

Staatsminister Brunner lobte „das Gemeinschaftswerk aller Akteure“ und die „pragmatischen Alperschließungen“ im Allgäu - ganz im Gegensatz zu Oberbayern. Dennoch könne man keinesfalls von einer Übererschließung reden: die vernünftige Erschließung der Alpen sei unerlässlich für deren Erhalt und eine zeitgemäße Bewirtschaftung. „Ohne Wege keine Pflege“, sagte Brunner. Immerhin erschließt der Alpweg rund 12 Hektar Alpweidefläche und 45 Hektar Bergwald, sowie den Berggasthof Blässe. „Ein großer Wunsch ging jetzt in Erfüllung“, stellte Alpmeister Josef Hartmann von der Weidegenossenschaft Hinterreute fest. Seit rund 20 jahren sei man „immer dran gewesen“, um eine Verbesserung zu erreichen. Der Weg in steilem Gelände sei bislang bei starkem Regen immer wieder massiv beschädigt worden, beschreibt Hartmann die Situation. Der Wegeunterhalt war folglich sehr aufwendig und teuer. „Zigtausende Euro kostete das die Gemeinde nach jedem Unwetter“, ergänzt Wertachs Bürgermeister Eberhard Jehle. Die ständigen Reparaturen brachten die Gemeinde „an die Grenze der Belastbarkeit“, so Jehle. Die Kommune wisse aber sehr wohl, welchen Beitrag die Alpwirtschaft zum lokalen Tourismus leiste. Erstes Lob für die gelungene wie behutsame Wegbaumaßnahme habe er schon von Wanderern erhalten. Man habe die Bauarbeiten kaum bemerkt. Knapp 300000 Euro kostete der Wegbau zur Blässe, wobei weitestgehend auf der Trasse des bestehenden Schotterweges geblieben wurde. Die Baumaßnahme unter der Regie des Amts für Ländliche Entwicklung Schwaben wird vom Freistaat Bayern mit rund 200 000 Euro (70 Prozent) gefördert. Die Gemeinde stellte 30 000 Euro zur Verfügung. Asphaltiert wurden lediglich die ausgeprochenen Steilstücke, während flachere Abschnitte als Kiesweg angelegt sind. „Gut angelegtes Geld“, wie auch der Stellvertretende Landrat des Oberallgäus, Anton Klotz, findet. Es handle sich bei der Förderung nicht um Almosen für die Berglandwirtschaft, sondern um Investitionen in den Erhalt und Pflege der Kulturlandschaft. „Wo keine Kuh mehr grast, kann man auch keine Gäste mehr melken“, brachte es Alfons Zeller, der Vorsitzende der Bayerischen Bergbauern-Arbeitsgemeinschaft, auf den Punkt. Ohne die Berglandwirtschaft im Tal gebe es keine Alpwirtschaft. „Bergbauern sind Heimatschützer!“ Die tägliche Arbeit auf den Alpen brauche eine vernünftige Erschließung, so Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu. „Man muss den Leuten die Bewirtschaftung der Alpen ermöglichen.“ Er sei stolz, dass es mit der Zusammenarbeit aller Beteiligten „so hervorragend klappt“ bei den Erschließungsmaßnahmen.

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