Der Ortsverein lebt!

Der Ortsvereinsvorsitzende, Siegfried Lüer: „Die SPD erreicht die Menschen im Oberallgäu.“

Der SPD-Ortsverein Immenstadt konnte - im Jahr des Stadtjubiläums - sein eigenes Jubiläum feiern: Vor 100 Jahren gründete eine Handvoll Bürger der Stadt, vor allem Bauarbeiter und Handwerker, den Ortsverein Immenstadt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. In einer Feierstunde wurde an die bewegten Vergangenheit der Immenstädter SPD erinnert, aber auch neue Ziele abgesteckt.

Einfach hatten es „die Sozis" nicht, als sich vor 100 Jahren zusammenschlossen. In der kleinen "Industriestadt" Immenstadt galten „Rote" wie im ganzen Kaiserreich als "Revoluzzer", denen man nicht über den Weg trauen durfte. Ganze 13 SPD-Mitglieder gab es als 1910 der Ortsverein gegründet wurde - als einer der ersten im Allgäu überhaupt. Zulauf bekam die SPD dann nach dem Ersten Weltkrieg mit der weiteren Industrialisierung, die auch im Oberallgäu zunahm. In den 1920er Jahren war die SPD auch in Immenstadt eine "feste Größe" und im Allgäu politisch und gesellschaftlich überaus aktiv, etwa mit regelmäßigen Jugendtreffen oder einer umfangreichen Bücherei. Im Sommer 1928 konnte der damalige Erste Vorsitzende, der Fabrikarbeiter Josef Helfer, schon 176 Genossinnen und Genossen begrüßen. Mit dem Dritten Reich folgte ab 1933 auch in Immenstadt die politische Verfolgung und Ausschaltung der Sozialdemokraten. SPD-Mitglieder verloren ihren Arbeitsplatz, einige wurden in Konzentrationslager gesteckt. In der Zeit der NS-Herrschaft gingen zudem viele Aufzeichnungen des Ortsvereins verloren. Der Gründer der SPD in Immenstadt, Josef Helfer, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sofort wieder politisch aktiv und schon im November 1945 konnte sich der Ortsverein neu gründen. Lange Jahre stellte die SPD dann die stärkste Stadtratsfraktion. "Die SPD in Immendstadt ist ein Stück der 650-jährigen Stadtgeschichte", meinte der Landtagsabgeordnete der SPD, Dr. Paul Wengert. Und Immenstadts Bürgermeister, Armin Schaupp, rät der SPD: Sie könne und sollte Mut zu Visionen und neuen Wegen haben. "Das wird heute dringend benötigt." Schaupp kam als gemeinsamer Kandidat der SPD, der Grünen und der Gruppierung der Aktiven im Jahr 2008 ins Bürgermeisteramt. Markus Rinderspacher, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bayerischen Landtag, würdigte die „lebendige und vielschichtige Entwicklung" der Immenstädter SPD und das Verdienst einer Reihe von Persönlichkeiten der Stadt. Rinderspacher kann sich Immenstadt durchaus als Modell für einen Machtwechsel in Bayern vorstellen. Ähnlich wie in Immenstadt, so die Vision der SPD-Abgeordneten, könnte ein Bündnis von SPD, Grünen und Freien Wählern die schwarz-.gelbe Koallition ablösen. „Das ist machbar und wir haben die Chance!" Mit dem „Filz in München" müsse Schluss gemacht werden, so Rinderspacher. Das sei „die brandaktuelle Botschaft der SPD". „Der Ortsverein lebt", betonte der Erste Vorsitzende, Siegfried Lüer. Auch wenn die SPD im Städtle vor 20 Jahren noch rund 250 Mitglieder zählte, während es heute nur knapp 50 seien, räumte Lüer ein. Das liege nicht am Engagement der Partei, sondern vielmehr an der allgemeinen (Politik-)Verdrossenheit der Bürger. Mit der Reihe „Oberallgäu Forum" erreiche die SPD mit "brennenden Themen" die Menschen im Oberallgäu. Die Immenstädter SPD hatte bewusst "den politischen Gegner" eingeladen zur Jubiläumsfeier. Alt-Bürgermeister Gerd Bischoff konnte ebenso wie Landrat Gebhard Kaiser wegen anderer Termine nicht zu den „Roten" kommen, ließen aber Grußbotschaften verlesen. In einem "jahrelangen guten Miteinander" habe man mit der SPD-Fraktion im Stadtrat „viel Gutes auf den Weg gebracht“, unterstrich Gerd Bischoff. Und Gebhard Kaiser hätte „gerne mit den Genossinnen und Genossen" gefeiert, wie der Landrat in seinem launigen Gratulationsbrief betonte. Trotz seiner anderen politischen Färbung sehe er als CSU-Vertreter „für die nächsten 100 Jahre nicht schwarz" für die SPD. Er, Kaiser, wünsche der Immenstädter SPD „eine treue Wählerschaft, die aber nicht unbedingt größer werden" müsse.

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