Gegenwind für Windkraft

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Windkraft im Abwind: Viele Möglichkeiten für den Bau von Windkraftanlagen wie hier auf einem Höhenzug nahe Obergünzburg sind im Allgäu nicht übrig geblieben.

Allgäu – Die Umsetzung der geplanten Energiewende mittels Windkraft ist im Allgäu sehr infrage gestellt. Bei seiner letzten Sitzung in Kaufbeuren hat der „Regionale Planungsverband Allgäu“ seine Mitglieder über den neuesten Stand in Sachen „Ausschlusskriterien für die Ausweisung neuer Standorte von Windkraftanlagen“ informiert.

Da einige Gemeinden ihre derzeitigen zum Teil weit fortgeschrittenen Pläne für Windkraftprojekte gefährdet sehen, äußerten sie ihren Unmut. Oberbürgermeister Stefan Bosse als Vorsitzender des Verbandes zeigte dafür Verständnis und empfahl, die Projekte weiter laufen zu lassen, solange es keine neuen konkreten gesetzlichen Vorgaben gebe. 

Laut Bosse sind im Süden und Westen des Allgäus reine Ausschlussgebiete, lediglich nördlich einer Linie etwa auf Höhe Isny, Kempten und dem Lech im Osten gebe es theoretisch die Möglichkeit für WKA. Der Artenschutz beispielsweise von Rotem und Schwarzem Milan, Schwarzstorch und Uhu habe höchste Priorität und lasse keinen Bau von WKA zu. Doch des Weiteren schränken auch die Abstandsflächen zur Wohnbebauung die Errichtung von Windrädern ein, besonders die kürzlich von Ministerpräsident Seehofer als Abstand geforderte zehnfache Höhe eines Mastes bereite nach den Worten des Vorsitzenden ein zusätzliches Problem. „Substanziell sind weniger Flächen übrig geblieben, als wir gedacht haben“, so Bosse. Die seismologische Messstelle für Erdbebenmessungen bei Überruh in der Nähe von Bolsternang beansprucht bereits wegen möglicher Erschütterungen eine Sperrzone im Umkreis von fünf Kilometern. 

Doch die erst in jüngster Zeit bekannt gewordene Einschränkung durch das Funkfeuer für die Navigation im Luftverkehr bei Leubas mit einem Radius von 15 Kilometern begrenzt den weiteren Ausbau erheblich. Das ausgesandte Signal könnte laut Bundesamt für Flugsicherung durch zusätzliche WKA mit einem Signalwert von über drei Grad beeinflusst werden. Von dieser Einschränkung betroffen sind die Gemeinden Wildpoldsried, Günzach, Kraftisried und Unterthingau. 

Toni Klotz als Bürgermeister von Haldenwang und stellvertretender Landrat im Oberallgäu betrachtete die neuen im Raum stehenden Abstandsflächen als „fraglich“. Am Artenschutz werde sich sicherlich nichts ändern, aber beim einschränkenden Funkfeuer sehe er Mög- lichkeiten, zumal amtsseitig nur eine Person für die Bewertung zuständig sei. Laut einem Experten bestehe nach seinen Worten die Chance, mit einem Gutachten fachtechnisch die Einschränkungen zu widerlegen. „Ich habe die Hoffnung, dann auf dem Rechtsweg Erfolg zu haben“, so Klotz. 

Bürgermeister Thomas Steinhauser aus Baisweil war erbost: „Da sitzt einer und sagt ‚Ja‘ oder ‚Nein‘. Das halte ich für eine bodenlose Frechheit!“ Alles sei fertig gewesen und man habe bereits 70.000 Euro ausgegeben. Auch Bürgermeister Franz Martin aus Bidingen nannte die „Vorgehensweise fragwürdig“. Ohne Gutachten würde beispielsweise ein Waldgebiet als Ausschlussgebiet wegen des Verdachts auf einen Roten Milan definiert, obwohl es dort keinerlei gesicherte Erkenntnisse über dessen Bestand gebe. Zumal der geschützte Greifvogel bekannterweise den Wald nicht als Lebensraum bevorzuge. 

Bosse zeigte sich dennoch zuversichtlich, obgleich der Planungsverband selbst sich zunächst abwartend verhalten werde: „Solange nicht irgendetwas dagegen steht, schaut es so schlecht nicht aus und begonnene Projekte sollten weitergeführt werden.“ Dem pflichtete auch der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser bei. „Wir sollten uns nicht abbringen lassen, da die jetzige Gesetzeslage passt“, wetterte Kaiser, „die Kommunen wollen, die Bevölkerung will und dann bekommen sie seitens der Staatsregierung Knüppel zwischen die Beine. Das können wir uns nicht gefallen lassen.“

wb

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