Bei der finanziellen Förderung fristet Kunst ein Schattendasein

Der Kunstszene fehlt das Geld

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„Die Südliche“ ist eine Möglichkeit, bei der einheimische Künstler ihre Werke präsentieren können. Bei der Podiumsdiskussion in der Oberstdorfer „Villa Jauss“ diskutierten – von links nach rechts - Gunther le Maire, Wilfried Köhne, Landrat Gebhard Kaiser und der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring.

Oberstdorf -  Was sind der Gesellschaft und der Politik Kunst und Kultur wert? Dies diskutierten – im Rahmen der Ausstellung „Die Südliche“– in der Kunstvilla Jauss Landrat Gebhard Kaiser, der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Gehring und Gunther le Maire vom Vorstand der Kulturgemeinschaft Oberallgäu. 

Obwohl in der Bayerischen Verfassung die Förderung der Kultur festgeschrieben ist, liegt hier nach Ansicht der Kulturschaffenden einiges im Argen, eröffnete Moderator Wilfried Köhne die lebhafte Diskussion. Laut Statistik können im Freistaat die wenigsten Künstler auch von ihrer Kunst leben. Die Künstler pochen auf mehr Anerkennung und Unterstützung und sehen eine Diskrepanz zwischen Verfassungsauftrag und Wirklichkeit.

Trotz einer lebendigen Kulturszene mangele es im Oberallgäu an Koordination, gegenseitiger Information und vor allem an finanzieller Hilfe, wurde bei der Diskussion deutlich. Veranstaltungen machen sich oft gegenseitig Konkurrenz – teilweise würden sogar ein „Überangebot“ und „eine Masse mittelmäßiger Veranstaltungen“ beklagt. 

Landrat Kaiser verwies auf die schon bestehenden Möglichkeiten, räumte aber ein, dass die Kulturpolitik „nicht ganz oben steht“. Der Landkreis sei in seiner Gesamtheit um Unterstützung bemüht - man stehe jedoch vor der Schwierigkeit, was an öffentlicher Förderung möglich sei. „Ich bin überzeugt, dass wir die private Initiative brauchen“, möchte er das ehrenamtliche Engagement stärker unterstützen. Wie dies etwa im Sportbereich geschieht. 

„Es gibt einen Unterschied zwischen Sport und individuellen Künstlern, die von ihrem Beruf leben wollen“, kam postwendend Widerspruch von le Maire. Für ihn „stimmen die Relationen nicht“, wenn er sieht, wie andere Bereiche behandelt und gefördert werden. Eine Stelle beim Landratsamt, die sich um die Interessen der Künstler kümmert, könnte nach seiner Ansicht für Abhilfe sorgen.  „Alleine mit Ehrenamt ist dies alles nicht machbar“, bat Angelika Blüml von der Initiative Villa Jauss, „zu schauen welche Fördertöpfe es gibt, um professionelle Hilfestellung zu bekommen“.

Die Situation der Künstler in Bayern sei schwierig, so Gehring. „Wir reden oft nur über den Kunstmarkt“, forderte er, die verschiedenen Kulturbereiche unterschiedlich zu diskutieren. So seien die Bedürfnisse von Musikern andere wie die der bildenden Kunst. Er sieht hier die öffentliche Hand in der Pflicht, auch „etwas sperrige Werke“ anzukaufen. Für das Allgäu gelte es „erst einmal ein Bewusstsein zu entwickeln, dass es so etwas wie eine Kunstregion gibt“, sieht er die Möglichkeit Verbindungen zum Tourismus zu schaffen. Wie zum Beispiel beim Oberstdorfer Musiksommer. Auch die anwesenden Kommunalpolitiker sehen im touristischen Potenzial der Region eine Möglichkeit die Kulturszene zu unterstützen. Sie warnten jedoch davor, die unterschiedlichen Bereiche, in die kommunale Gelder fließen, gegeneinander auszuspielen. Wilhelm Geierstanger schlug vor, einen Ausstellungsführer für das Allgäu herauszubringen. Hier konnte Kaiser eine konkrete Zusage machen: Die Allgäu GmbH soll schon im nächsten Jahr diese Aufgabe übernehmen. Auch Gehring konnte als Blaichacher Gemeinderat mitteilen, dass man im nächsten Gemeindehaushalt Geld für den Ankauf von Kunstwerken einplanen wolle.

Heinrich Bonert

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