Provisorischer Brückenschlag

Ein weiterer Meilenstein beim Neubau der „Hohen Brücke“ in Gunzesried ist erreicht: Die Behelfsbrücke über die Gunzesrieder Ach wurde vergangene Woche unter Verkehr genommen. Der Engpass „Hohe Brücke“ zwischen Gunzesried und dem Ortsteil Säge ist in den nächsten Monaten nur einspurig befahrbar. Eine so genannte „intelligente Ampelsteuerung“ soll den Verkehr auf der nur drei Meter breiten Holzfahrbahn möglichst flüssig halten und lange Wartezeiten verhindern helfen. Der Baubeginn für die neue Brücke ist nach dem Winterende geplant, im März 2010.

Einige Vorarbeiten könnten aber noch heuer anlaufen. So etwa die Einbringung von Bohrpfählen, die die Hangkante sichern sollen. Der Untergrund an den beiden Uferböschungen ist brüchig und Geländerutschungen können nicht ausgeschlossen werden. Wie ungewöhnlich die Baustelle ist, zeigt sich schon an der Länge der Behelfsbrücke, die bereits im Sommer errichtet wurde: Mit 60 Metern ist die Stahlkonstruktion doppelt so lang, wie die jetzige – und zukünftige – Hohe Brücke. Um Arbeit und Material zu sparen, waren vor gut 100 Jahren beim Bau der jetzigen Brücke die engsten Stellen für die Platzierung der Widerlager gewählt worden. Da die neue Brücke quasi genau auf der Linie der alten zu stehen kommen wird, hat sie ganz ähnliche Dimensionen. Das Provisorium kostete rund 250000 Euro. Die alte Brücke wird übrigens zunächst nicht sofort komplett abgebrochen. Vielmehr dienen die Brückenbögen und Pfeiler als Gerüst beim Bau der neuen Brücke. „Erst wenn die neue Brücke steht, werden diese Reste abgetragen“, erläutert Gerhard Pahl vom planenden Büro Dr. Schütz Ingenieure in Kempten. Es wird aber nichts aus der alten Konstruktion aus dem Jahr 1901 für den Neubau verwendet. Für den Fahrzeugverkehr ist die alte Brücke gesperrt; Fußgänger und Radler dürfen allerdings auf der bisherigen Straße den tiefen Tobel der Gunzesrieder Ach überqueren. Damit es im kommenden Frühjahr dann richtig losgehen kann, will die Gemeinde die Ausschreibungen für die Arbeiten demnächst versenden, damit die Aufträge möglichst noch heuer vergeben werden können. „Das ist schon ein großer Auftrag; wir hoffen auf gute Angebote“, sagt Blaichachs Bürgermeister Otto Steiger und hofft auf günstige Preise. Die Freigabe der Behelfsbrücke kommentierte Steiger: „Ein großer Tag für die Gemeinde und das Gunzesrieder Tal.“ Schon die Behelfsbrücke ist ohne Gewichtsbeschränkung befahrbar; für die alte Hohe Brücke galt ein Limit von 16 Tonnen, was nicht selten Probleme für LKW-Transporte – etwa von Holz – mit sich brachte. Die Denkmalschutzbehörde ist übrigens von der früheren Ansicht abgewichen, dass die alte Brücke als Industriedenkmal einen Schutzstatus erhalten könnte. Durch diverse Reparaturen und Änderungen sei das Bild ohnehin nicht mehr das wie im Jahr 1901. Damals war die Hohe Brücke eine der ersten Stahlbeton-Konstruktionen dieser Dimension in Deutschland. „Eine echte Chance, als Industriedenkmal eingestuft zu werden, hatte die Brücke nicht“, betont Dipl.-Ing. Gerhard Pahl. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, das Bauwerk – bei einem enormen Aufwand obendrein – zu erhalten und keine 20 Meter weiter eine neue Brücke zu bauen.

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