Regenschirme gegen die Lawinen

Axel Müller erläutert den Einbau der Anker im Untergrund.

Das Wasserwirtschaftsamt Kempten spannt den Schirm auf und geht beim Lawinenschutz neue Wege. Erstmals in Bayern kommt bei der Lawinenverbauung oberhalb des Kraftwerkes Auele ein Netzsystem zum Einsatz. „Umbrella“ soll die Straße zum Giebelhaus im Hintersteiner Tal vor Lawinenabgängen schützen bis der aufkommende Schutzwald seine Funktion in der Sanierungsfläche wieder erfüllen kann. Die Baustelle des Wasserwirtschaftsamtes erfordert Geländegängigkeit der Arbeiter: Die Lawinennetze müssen in einem Steilhang montiert und verankert werden, der absolute Trittsicherheit verlangt.

„Jeden unserer Arbeiter können wir da nicht raufschicken“, meint Karl Schindele, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten. Die Baustelle liegt nämlich in einem steilen Berghang, der rund 40 Grad Neigung aufweist. Die gesamte Baustelleneinrichtung musste per Hubschrauber eingeflogen werden, der regelmäßig benötigtes Baumaterial und Werkzeug bringt. Und die drei Arbeiter beginnen und beenden ihren Tag mit einem knapp halbstündigen Bergmarsch. „Da fallen einem abends keine Dummheiten mehr ein...“ meint Vorarbeiter Alex Müller. Seit zwei Wochen bohren die drei Männer im Steilhang fast 400 Meter über der Straße tiefe Löcher in die unzugängliche Bergflanke. „Bis wir festen Halt im Fels erreichen“, beschreibt Axel Müller die Aufgabe. Meist muss der Bohrkopf sieben oder acht Meter weit vorgetrieben werden, bis er auf masssives Gestein trifft. Manche Bohrlöcher fallen im brüchigen Gestein über dem Fels wieder zusammen. „Das muss man rechtzeitig erkennen“, sagt Müller von der Flussmeisterei Sonthofen. Die Anker für die Umbrella-Netze werden in den Fels betoniert. Das Bohrloch in dem des Ankerseil aus Stahl liegt, wird ebenfalls mit Spezialbeton verfüllt, der von einem feinen Netz wie in einem Strumpf zusammen gehalten wird. In Italien und Spanien habe man bereits sehr gute Erfahrungen mit „Umbrella“ gemacht, berichtet Karl Geiger vom Wasserwirtschaftsamt Kempten (WWA) bei der Baustellenbesichtigung mit Landrat Gebhard Kaiser. Insgesamt sollen bis Ende September 23 „Umbrella“-Netze in drei Reihen in den gut 50 Meter breiten Streifen eingebaut sein. 29 Anker halten die Konstruktion im Hang dauerhaft fest. Rund 120000 Euro werde die Maßnahme unter der Regie des Wasserwirtschaftsamtes kosten, überschlägt Karl Geiger vom WWA. 15 Prozent muss die Marktgemeinde Hindelang aufbringen. Auf lange Sicht soll in dem Lawinenstreifen wieder funktionsfähiger Schutzwald aufkommen. Das neue Netz-system wird durch die bekannten Dreibeinböcke ergänzt. Ohne Verbauung sei in dieser besonderen Lage kein Schutzwald „hoch zu bringen“, ergänzt WWA-Chef Karl Schindele.

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