Richtfest für eine Vision

Landrat Gebhard Kaiser (vorne links) würdigte den Mut aller Beteiligten bei diesem bayernweit einzigartigen und bundesweit sehr wichtigen Projekt - Lebenshilfe kombiniert mit Wahlfamilien. Foto: Elke-Sabine Barth

„Ein Haus, wo Jung und Alt sich gegenseitig unterstützen, helfen und zusammen wohnen; im Zentrum, wo das Leben pulsiert, die Bewohner voll eingebunden und nicht ausgegrenzt sind – in diesem Haus findet Leben statt.“ Diese prägnante Beschreibung fand Sonthofens Dritter Bürgermeister Wolfgang Deppe. Eine Vision von Wahlfamilie Wahlfamilie und Lebenshilfe, die schon bald „Am alten Bahnhof 1“ in Sonthofen Realität sein soll. Mit einem Richtfest feierten die Projektpartner Lebenshilfe und Wahlfamilie mit dem SWW (Sozialen Wirtschaftswerk des Landkreises) als Bauträger, den Abschluss der Rohbaumaßnahmen.

Für Hartmut Höger, Geschäftsführer der Lebenshilfe, ist dies ein Glücksfall. „Diese Form der Lebensgemeinschaft, ermöglicht Behinderten viel Wohnen und wenig Heim.“ Wichtig sei nicht nur die Geborgenheit, sondern auch das Öffnen nach außen. Der barrierefrei zugängliche Gemeinschafts- und Begegnungsraum im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses, soll dies unterstützen. In ihm sollen Gymnastik, Theater, Begegnung, Feier und Spiel möglich sein. SWW-Geschäftsführer Martin Kaiser und Höger hoffen darauf, diesen Bereich noch kostenfrei dem Projekt zur Verfügung stellen zu können. Landrat Gebhard Kaiser versprach einen Zuschuss des Landkreises von weiteren 50000 Euro, sofern die Stadt bzw. aus Spenden derselbe Betrag gebündelt werden könne. Während im ersten und zweiten Stock vier Wohngruppen der Lebenshilfe mit jeweils fünf Wohngruppenplätzen, gruppenzugeordnetem Wohnzimmer und Küche eingerichtet werden, entstehen im dritten und vierten Stock insgesamt neun Wohnungen für Wahlfamilien. „So ist allen eine Rückzugsmöglichkeit gegeben“, erzählt Vorsitzende Christa Bock von der Wahlfamilie Sonthofen. Auch den Wahlfamilien soll ein lebenslanges Wohnen in jedem Alter und mit jeder Einschränkung ermöglicht bleiben. Für Pflege und Betreuungsleistungen die nicht in der Gemeinschaft oder Nachbarschaftshilfe aufgefangen werden können, kooperiert der Verein mit einem ambulanten Pflegedienst. Landrat Gebhard Kaiser würdigte den Mut aller Beteiligten bei diesem bayernweit einzigartigen und bundesweit sehr wichtigen Projekt - Lebenshilfe kombiniert mit Wahlfamilien. Kaiser war beeindruckt von dem termingerechten, schnellen und reibungslosen Ablauf der Baustelle. „Unter der Leitung der Ed. Züblin AG als Generalunternehmer, wurden rund 90 Prozent der Handwerker- und Bauarbeiten an regionale Handwerker vergeben“, erklärte SWW-Geschäftsführer Martin Kaiser. „Kompetent wurden die Wünsche und Bedürfnisse der Lebenshilfe umgesetzt“, bestätigte Lebenshilfe-Vorsitzender Joachim Warwersich. „Ich bin nicht blauäugig. Es wird wohl das ein oder andere zwischenmenschliche Problem noch geben, wie es in jeder Familie einmal vorkommt. Das Haus als gemeinsames Kind steht nun auf den Beinen“, fasste Joachim Warwersich zusammen. „Eigentlich ist das ganze so wie früher in einer Großfamilie“, resümiert Geschäftsführer Hartmut Höger. Die Sonthofer Nachbarschaft nahm die neue Lebensform positiv auf: „Wir wünschen uns viel Gemeinschaft miteinander und dass wir miteinander und aneinander wachsen können.“

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