Rinder-TBC: Rächt sich die legere Handhabung bei der Seuchenbekämpfung?

Es steht viel auf dem Spiel

+
Dr. Johann Mages (links) und Gottfried Mayrock vom Landratsamt Oberallgäu verteidigen die Maßnahmen, die die Rinder-TBC eindämmen sollen.

Oberallgäu – Der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, will sich nicht beirren lassen: der eingeschlagene Weg einer konsequenten Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose im Landkreis wird weiter gegangen.

Beim jüngsten Informationsgespräch im Landratsamt in Sonthofen unterstrich Kaiser erneut, dass er keine andere Möglichkeit sehe, die Erkrankung so schnell wie möglich zu stoppen. Inzwischen sind etwa 30000 Rinder in fast 900 Beständen untersucht worden, rund ein Drittel des Bestandes; 607 Tiere wurden getötet. Bis zum Beginn der Alpsaison in erster Linie Bestände kontrolliert sein, die Vieh zur Älpung geben. Für Kaiser ist die positive Botschaft: „801 Betriebe im Landkreis sind TBC-frei getestet.“ Die Reihenuntersuchung sei der einzig praktikable Weg, die Seuche rechtzeitig zurück zu drängen. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen“, sagt Kaiser, der sich nicht zuletzt um den Markt für Rohmilchprodukte Sorgen macht, die für das Allgäu von größter Bedeutung seien. 

Die Zeit drängt: Ende Mai beginnt im Oberallgäu die Alpsaison. Bis dahin sollen rund 1200 Rinderbestände untersucht sein, „wenn’s geht auch mehr“, hofft Kaiser. Die vorgebrachten Bedenken gegen die Aktionen seien inzwischen weitgehend ausgeräumt, so Kaiser, nachdem ein seit Mitte März eingesetztes Testverfahren eine verbesserte Aussagekraft erlaubt. Landwirte hatten kritisiert, dass offenbar auch „auf Verdacht“ Rinder getötet worden seien, die sich später in der Sektion als nicht erkrankt erwiesen hätten. Zudem wurden die Sperrfristen für den Milch- und Viehverkehr verringert und Regelungen für die Verwertung der Milch aus gesperrten Höfen gefunden. Auch der Bund Deutscher Milchviehhalter BDM, der sich vor wenigen Wochen noch gegen die pauschale Untersuchung mit den möglichen Folgen ausgesprochen hatte, will jetzt – angesichts des neuen Testverfahrens – mitziehen. 

BDM-Präsident Romuald Schaber mahnt aber erneut eine „wissenschaftliche Ursachenforschung“ an. Dass es im Einzelfall „tragisch“ sei und für die Landwirtsfamilien oft sehr belastend, wenn wertvolles Vieh aus dem Stall genommen werde, räumen Kaiser und Veterinärdirektor Dr. Johann Mages ein. Doch um die Erkrankung wirkungsvoll zu bekämpfen, sei es in der Praxis nicht zu vermeiden, „dass das eine oder andere falsche Tier“ dabei sei“; das liege im Prinzip der Reihenuntersuchung. Dr. Mages ergänzt, dass es nun einmal eine typische Erscheinung der TBC sei, dass ein tatsächlicher Ausbruch der Krankheit nur durch die Sektion des getöteten Tieres zweifelsfrei nachzuweisen sei. Zwar würden solche Tierverluste entschädigt, doch in vielen Betrieben stehe die züchterische Arbeit vieler Jahre auf dem Spiel. Den idellen Wert könne eine Zahlung ohnehin nicht decken, räumt Kaiser ein. Und, so erinnert Kaiser, seit Mitte der 1990er Jahre seien die TBC-Untersuchungen ausgesetzt worden. Offenbar räche sich das heute im wieder Aufflammen der Rinder-TBC. „Da gibt es keine Kompromisse – weder für Rinderhalter noch fürs Rotwild.“ Die Sicherheit für den Verbraucher gehe vor, so Kaiser zur konsequenten Umsetzung der Maßnahmen. „Die Krankheit muss gewissenhaft bekämpft werden.“ Er ist sicher, dass andere Landkreise dem Oberallgäuer Beispiel bald folgen werden und meint: „Hoffentlich ohne große Diskussion.“ Parallel zur Reihenuntersuchung der Rinderbestände will Landrat Kaiser auch beim Thema Rotwild nicht nachgeben. 

Die Rotwildbestände im Oberallgäu, vor allem in den Brennpunkten bei Oberstdorf, sollen deutlich reduziert werden, sprich: das Abschusssoll wird erhöht. Die Untere Jagdbehörde verlangt mit Beginn des neuen Jagdjahres eine Fleischbeschau aller erlegten Hirsche. „Jedes Stück Vieh muss zur amtlichen Fleischbeschau, warum dann Wild nicht?“ fragt Kaiser und hofft auf eine Gesetzesänderung. Der Augenschein durch den Jäger dürfe nicht länger genügen. Der immer wieder kritisierte Abschuss im Wintergatter sei im Oberallgäu ohnehin nicht mehr erforderlich, da bereits ausreichend viele Rotwildproben vorlägen.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesene Artikel

Ein Obdach für die "armen, presthaften Menschen"

Sonthofen – Ein aufmerksamer Beobachter findet bei einem Spaziergang durch Sonthofen viele Zeugnisse aus früheren Zeiten. So steht beispielsweise in …
Ein Obdach für die "armen, presthaften Menschen"

"Busche Berta" in neuem Glanz

Ofterschwang – Es hat schon gut 200 Jahre „auf dem Buckel“, das alte Bauernhaus in Ofterschwang. Bald schon soll frischer Wind wehen bei „Busche …
"Busche Berta" in neuem Glanz

Schnell und gut beheizt

Oberstdorf – Schlag auf Schlag geht es bei den Bergbahnen Oberstdorf/Kleinwalsertal. Mit der Inbetriebnahme der neuen Sechser-Sesselbahn, der …
Schnell und gut beheizt

Kommentare