"Wandern hoch drei" hat Zukunft

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Die „Wimpelgruppe“ aus dem Fläming bei Berlin machte sich Mitte März auf den Weg nach Oberstdorf und ging mit der letzten Etappe auf dem Illerdamm bei Fischen auf die Zielgerade.

Oberstdorf - Für Millionen Deutsche ist Wandern „das Höchste“. Beim 113. Deutschen Wandertag im Allgäu lässt sich dieses Empfinden sogar noch steigern. „Wandern hoch drei“ lautete das Motto der Großveranstaltung, die an diesem Wochenende im südlichen Oberallgäu über die Bühne ging.

Wandern ist nicht nur längst mehr als der „naturnahe Spaziergang“. Wandern ist Teil des Heimatgefühls, Teil der Heimatverbundenheit und Kultur, meint man beim Heimatbund Allgäu, der den 113. Deutschen Wandertag ins Oberallgäu holte. Und die Wanderbewegung ist eine feste Größe im Tourismusgeschäft des Allgäus. 

„Jetz isch er do...“, bringt Karl Stiefenhofer, Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu, den Kraftakt der zurückliegenden Monate auf den Punkt. Immerhin hat „sein“ Verein die Veranstaltung zusammen mit der Marktgemeinde Oberstdorf und der Allgäu GmbH federführend vorbereitet und „eingefädelt“. Jetzt sei man Dank aller Partnerkommunen und Sponsoren gerüstet, so Stiefenhofer. 

Für den Heimatbund hat die Zielrichtung des Deutschen Wanderverbandes viele Querverbindungen zu den eigenen Vorstellungen von Heimat und deren Schutz. Das Wandern als Möglichkeit seine Heimat und deren Kultur kennen zu lernen treffe sich sehr wohl mit den Ziele des Heimatbundes, die Allgäuer Heimat zu schützen und zu pflegen, erklärt Stiefenhofer. „Was ich kenne, lerne ich schätzen. Was ich schätze, lerne ich schützen“, sagt der Heimatbund-Vorsitzende. Stiefenhofer erinnert auch daran, dass es heute mehr denn je „die Gäste“ brauche, um etwa Wirtshäuser, Museen oder andere Gebäude zu beleben. „Diese Organe eines Gemeinwesens als Strukturen zu erhalten ist aktive Heimatpflege.“ Ohne Tourismus gehe es schlichtweg nicht. Und gerade Wandern sei eine ideale Möglichkeit der Wissensvermittlung zur Geschichte und Kultur einer Region - „bei geöffneter Seele“, so Stiefenhofer. 

Der Heimatbund Allgäu hat bereits 48 Wanderführer ausgebildet, die diese Form der Information quasi „laufend“ in der Praxis umsetzt. Dass Wandern ein „wichtiger Wirtschaftsfaktor“ für die region ist, kann Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH nur bestätigen. Nicht nur der 113 Deutsche Wandertag bringe rund 20000 Gäste ins südliche Oberallgäu. Unter den 3,5 Millionen Gästen, die jährlich im Allgäu Station machen, seien erwiesenermaßen Millionen Wanderfreunde. Als eine der beliebtesten Ferienregionen unterstreiche das Allgäu seinen Anspruch als Wanderregion Nummer 1, sagt Joachim. Etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes von rund drei Milliarden Euro durch Urlauber im Allgäu schreibt der Touristiker Wanderern zu. Wandern tut der Region gut. Wandern tut den Menschen gut. Das belegten Studien, wie der Präsident des Deutschen Wanderverbandes, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, betont. Kreislauf und Bewegungsapparat profitieren vom Breitensport Wandern. Die positiven gesundheitlichen Wirkungen seien unbestritten. Die Krankenkassen förderten entsprechende Kursangebote der Vereine. „Die Gesundheitsprävention wird in Zukunft noch deutlich zunehmen“, ist sich Rauchfuß sicher. 

Der Deutsche Wanderverband verstehe sich seit jeher auch dem Naturschutzgedanken verpflichtet, kommt Rauchfuß auf aktuelle Themen zu sprechen: an der Energiewende wandere man genauso wenig vorbei wie am Landschaftsschutz. Dazu hat der Verband ein eigenes Positionspapier herausgebracht. Energiesparen müsse Priorität haben und solle sich lohnen. Das prägende Landschaftsbild habe im Einzelfall Vorrang vor dem Bau von Windkraftanlagen, so die Kernaussagen des Papiers. 

Oberstdorfs Bürgermeister, Laurent O. Mies, tröstete alle Wanderfreunde mit dem Hinweis, dass das nasskalte Wetter die einzigartige Chance biete, Mitten im Sommer eine Schneeballschlacht zu veranstalten... Zum ersten Mal überhaupt finde ein Deutscher Wandertag in den Alpen statt, so Mies weiter. Das Motto des 113. Deutsche Wandertages 2013 „Wandern hoch drei“ beschreibe die drei Höhenlagen, die die vielfältige Wanderlandschaft um Oberstdorf biete - Täler, Höhen, Berge.

Josef Gutsmiedl

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