Schlechte Zeiten für den Arbeitsmarkt

Allgäu – Wie in den Vorjahren machte sich auch dieses Mal das Ende der Tourismussaison auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Im November waren mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor.

„Diese Entwicklung erleben wir im Allgäu jedes Jahr, denn in der Übergangszeit zwischen Herbst- und Wintersaison melden sich vor allem Menschen arbeitslos, die zuletzt in Hotellerie und Gastronomie gearbeitet hatten. Besonders entlang der Berge werden sie meist nur für wenige Wochen arbeitslos ehe die neue Wintersaison startet“, sagt Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Im Allgäu erreichte die Arbeitslosenquote aktuell den Wert von 3,2 Prozent. Sie lag damit um 0,3 Prozentpunkte über der Marke des Vormonats. Im November des letzten Jahres lag der Vergleichswert bei 3,1 Prozent. Aktuell waren 11.300 Frauen und Männer bei den Vermittlern der Arbeitsagentur und in den sieben Jobcentern gemeldet, 926 mehr als im Oktober. Allein aus Hotellerie und Gastronomie meldeten sich knapp 600 Kräfte neu arbeitslos; bei Köchen, Küchenmeistern und artverwandten Berufen waren es 350 ehemals Beschäftigte. Insgesamt sprachen im November 4.062 Frauen und Männer neu bei den Vermittlern vor, 425 mehr als im Monat zuvor.

Im selben Zeitraum endete für 3.136 Menschen die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit. In eine neue Tätigkeit startete eine Reihe von Logistikkräften, Verkäufern, Kraftfahrern und Reinigungspersonal. Dass der Arbeitsmarkt ständig in Bewegung ist, zeigt sich auch am Beispiel der Köche. Zwar meldeten sich aufgrund des Saisonendes zahlreiche Köche neu arbeitslos, jedoch konnten im November auch gut 140 Kräfte aus diesem Fach ihre Arbeitslosigkeit wieder beenden.

Wenn Arbeitslosigkeit droht, sollte man möglichst frühzeitig mit seinem Arbeitsvermittler sprechen, so Litzka. Das steigere die Chancen auf eine neue Beschäftigung, weil dann Vermittlungsbemühungen schnell einsetzen könnten. Unter anderem haben in den letzten Tagen ein Berufskraftfahrer, eine Bäckereifachverkäuferin, eine Altenpflegerin und eine Steuerfachkraft eine neue Beschäftigung begonnen. Arbeitslosigkeit trat in allen Fällen nicht ein.

Die Personengruppen

Die verschiedenen Altersgruppen sind auf dem Arbeitsmarkt unterschiedlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Junge Menschen im Alter bis zu 25 Jahren können oft bereits nach wenigen Wochen wieder in eine neue Beschäftigung starten, nur etwa jeder zehnte Arbeitslose gehört derzeit zu dieser Altersgruppe.

Anders sieht es bei den Älteren aus. Mehr als 37 Prozent aller arbeitslosen Menschen zählen zur Generation 50-plus, jeder Vierte ist 55 Jahre oder älter. Im November waren mehr als 4.200 Menschen in dieser Altersklasse arbeitslos gemeldet.

Bei Menschen, die bereits ein Jahr und länger ohne Beschäftigung sind, ergaben sich im Ergebnis lediglich geringfügige Veränderungen. Bereits seit Monaten sind jeweils mehr als 2.300 Langzeitarbeitslose bei den Arbeitsvermittlern gemeldet. 20 Prozent aller arbeitslosen Menschen gehörten im November zu diesem Personen-kreis.

Kräftebedarf weiter hoch

Auch im November suchten Betriebe zahlreiche neue Kräfte. Mit 1.281 zusätzlichen Stellenangeboten lag der Bedarf ähnlich hoch wie schon im Monat zuvor. Metallbearbeitung, Maschinenbau, Elektrotechnik und Metallbau stellten allein mehr als 320 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Für die Herstellung von Lebensmitteln waren 40 Jobs zu vergeben, für Verkaufstätigkeiten wurden mehr als 50 Kräfte gesucht. Anhaltende Nachfrage herrschte auch nach Physiotherapeuten, Rechtsanwaltsfachangestellten oder im Bereich des Friseurhandwerks. In der Altenpflege ändert sich zum Beginn des neuen Jahres der Betreuungsschlüssel. Der Bedarf an examinierten Altenpflegern sowie Betreuungsassistenten bleibt auch dadurch weiter hoch. Daneben wurden Bewerber für höher qualifizierte Tätigkeiten gesucht wie z.B. Apotheker oder Ingenieur für Lebensmitteltechnologie. Um vakante Stellen zu besetzen, werden Bewerber auch durch überregionale Vermittlung gewonnen. Das galt im November beispielsweise für einen Logistikleiter, einen Juristen oder auch für einige Kräfte in der Produktion. Der Stellenmarkt präsentiert sich weiter auf gutem Niveau, denn insgesamt stellten Betriebe mehr als 4.700 Beschäftigungsangebote zur Verfügung. Im Vergleich zum November des Vorjahres bedeutete das ein Plus von mehr als 900 Stellenangeboten.

Regionale Entwicklungen

Im Allgäu ging die Arbeitslosenquote von Oktober auf November um 0,3 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent nach oben. Beim Blick in die einzelnen Regionen zeigen sich dabei unterschiedliche Entwicklungen. Markant fiel der Zuwachs arbeitsloser Menschen im südlichen Oberallgäu aus. Vor allem wegen der zu Ende gegangenen Tourismussaison meldeten sich innerhalb eines Monats über 800 Frauen und Männer neu arbeitslos, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten. Im Ostallgäu und am Bodensee waren aus demselben Grund ebenfalls mehr Menschen neu gemeldet. In den industriell-gewerblich geprägten Gebieten Kempten, Memmingen, Mindelheim, Kaufbeuren und Marktoberdorf fielen die Veränderungen demgegen-über kaum ins Gewicht.

Eine weitgehende Stabilität des Arbeitsmarktes signalisiert die Sicht auf die einzelnen Gebietskörperschaften im Jahresvergleich. In den Landkreisen Ostallgäu und Lindau blieb die Arbeitslosenquote unverändert bei 2,6 bzw. 3,0 Prozent. Geringfügige Zunahmen verzeichneten die Landkreise Unter- und Oberallgäu sowie das Stadtgebiet Memmingen. Stärker ins Gewicht fiel der Zuwachs in der Stadt Kempten mit einer Steigerung um 0,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Gegenteilig entwickelte sich die Arbeitslosigkeit in der Stadt Kaufbeuren. Dort waren binnen eines Jahres knapp 100 Menschen weniger arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote ging auf 5,3 Prozent zurück. Am stärksten zeigte sich weiterhin der Arbeitsmarkt im Unterallgäu mit aktuell 2,0 Prozent.

Soziale Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. Insbesondere wegen der erwähnten Arbeitslosmeldungen aus dem Tourismus nahm die Zahl arbeitsloser Menschen bei den Dienststellen der Arbeitsagentur im November stärker zu als bei den Jobcentern. Die Arbeitsagentur betreute aktuell 6.847 Kräfte, 855 mehr als im Oktober. Im Bereich der sozialen Grundsicherung waren die sieben Jobcenter für 4.452 arbeitslose Frauen und Männer zuständig. Im Vergleich zum Vormonat bedeutete das einen leichten Zuwachs um 71 Personen.

Die Beschäftigung hat im Allgäu weiter zugenommen. Ende März dieses Jahres – das sind die aktuellsten Daten – haben in der Region knapp 243.000 Frauen und Männer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt. Im Vergleich zum März des Vorjahres bedeutete das eine Steigerung um 5.200 Beschäftigte. Drei Viertel aller Beschäftigten arbeitete in Vollzeit, jeder vierte Mitarbeiter ging einer Teilzeittätigkeit nach. Innerhalb eines Jahres verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von knapp 2.000 Mitarbeitern den zahlenmäßig stärksten Zuwachs. Im Baugewerbe, Handel, Logistik sowie Erziehung und Sozialwesen ist die Beschäftigung jeweils um einige hundert Beschäftigungsverhältnisse angewachsen.

Arbeitslosigkeit im Oberallgäu

Die Arbeitslosigkeit ist von Oktober auf November im Bereich der Geschäftsstelle Sonthofen um 600 auf 1.955 Personen gestiegen. Das waren praktisch genau so viele wie vor einem Jahr (+1). Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im November 4,6%; sie war damit genau so hoch wie im Vorjahresmonat. Dabei meldeten sich 1.018 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 10 mehr als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 412 Personen ihre Arbeitslosigkeit (+52). Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 5.957 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Plus von 383 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dem gegenüber stehen 5.869 Abmeldungen von Arbeitslosen (+317).

Der Bestand an Arbeitsstellen ist im November um 22 Stellen auf 498 gestiegen; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 35 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im November 213 neue Arbeitsstellen, 4 mehr als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 1.640 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 267.

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm/pixelio.de

Meistgelesene Artikel

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im …
"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Ein Obdach für die "armen, presthaften Menschen"

Sonthofen – Ein aufmerksamer Beobachter findet bei einem Spaziergang durch Sonthofen viele Zeugnisse aus früheren Zeiten. So steht beispielsweise in …
Ein Obdach für die "armen, presthaften Menschen"

Kommentare