Scharfe Schüsse aufs Rotwild

Mit deutlichen Worten schickte Vize-Landrat Anton Klotz, die Jäger auf die Aufholjagd. Fotos: Josef Gutsmiedl

Mit deutlichen Worten erinnerte der Stellvertretende Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, die Jäger im südlichen Landkreis an ihre Pflicht, bei der Rotwildjagd mehr Druck zu machen. Anlässlich der Herbst-Hegeschau des Kreisjagdverbandes Oberallgäu in Fischen verwies Klotz auf die aktuellen Zahlen, wonach das gemeinsam festgelegte Soll bislang erst zu einem Drittel erreicht worden sei.

Anton Klotz redete nicht um den heißen Brei herum: „Wir können es nicht akzeptieren, wenn auf Kosten des Waldes und der Grundeigentümer als Inhaber des Jagdrechts Wildbestände auf ein Maß anwachsen, das weder für den Wald noch für das Wild gut ist.“ Der Stellvertretende Landrat erinnerte die Jäger daran, dass die Abschusszahlen einvernehmlich - mithin auch auf Vorschlag der Revierinhaber - festgesetzt worden waren. Zudem, so gibt Klotz weiter zu bedenken, sei das Soll ohnehin gegenüber dem Vorjahr reduziert worden: „Ein Entgegenkommen und Vertrauensvorschuss.“ Landrat Gebhard Kaiser habe als Vorsitzender des Jagdbeirates den neuen - reduzierten - Vorgaben nur deshalb zugestimmt, weil man davon ausgegangen sei, das dieser Abschuss auch verlässlich und vollständig erfüllt werde. „Eher drüber, drunter geht es nicht“, hatte Kaiser damals gemahnt und eine Punktlandung erwartet. Leider sei aber bislang nur ein Erfüllungsgrad von 30,5 Prozent erreicht worden. „Was soll man dazu sagen?“, fagte Anton Klotz in die Runde. Klotz appellierte an die Jäger und Revierinhaber, „alle jagdlichen Möglichkeiten zu nutzen“, die Abschusspläne vollständig zu erfüllen und das Vertrauen zu rechtfertigen. Während man beim Rehwildabschuss mit 66,8 Prozent (knapp 4000 Stück) auf einem guten Weg sei, das Dreijahressoll zu erreichen, könne die Jagdbehörde am Landratsamt beim Gemswild ebensowenig zufrieden sein, wie beim Rotwild, so Klotz weiter. „Wenn wir weiterhin gemeinsam daran arbeiten und sich Jäger, Jagdgenossenschaften und Behörden ihrer Verantwortung stellen, wird es uns gelingen, die Probleme selbst vor Ort zu lösen.“ Jagdberater Georg Jörg versuchte, den „Durchhänger“ bei der Hirschjagd im Oberallgäu zumindest etwas zu erklären: Die Hirschbrunft habe heuer ungewöhnlich frühzeitig begonnen; zudem sei aufgrund der milden Witterung das Rotwild zum Teil in höhere Lagen gezogen, wo „nicht jeder jagdbare Hirsch zu erreichen war“, meint Jörg. Wenn Georg Jörg die Wildzählungen der vergangenen Jahre mit dem durchschnittlichen Abschuss von 1206 Stück gegenrechnet, kommt er zu dem Schluss, dass „in den letzten drei Jahren jeweils nur der Zuwachs erlegt“ wurde. „Und der lag bei mindestens 1200 Stück jährlich.“ Jörg folgert weiter, dass bei einem Rotwildbestand von rund 3300 Tieren ein Abschuss von 1360 Stück „mehr als gerechtfertigt“ sei. Der Geschäftsführer der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen, Jürgen Wälder, sprach bei der Trophäenschau von der „schlechtesten Strecke seit vielen Jahren“. „Vielleicht müssen wir kleinere Brötchen backen; auch wenn wir dies nicht gerne tun“, sagte Wälder und deutete an, dass es in kommenden Jahren eventuell wieder besser werde. Was die Kritik des Vize-Landrats angehe, sei er optimistisch, dass am Ende des Jagdjahres noch „bessere Zahlen rauskommen“ - abgerechnet werde zum Schluss. Zum Buhmann wollten sich die Jäger nicht machen lassen, ließ Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes durchblicken und erläuterte die Kampagne zur Imagestärkung der Jägerschaft. Über die Einführung von Nacht- und Gatterjagden wie sie da und dort gefordert würden, könne man aber aus seiner Sicht nicht reden. „Wir wollen keine überhöhten Rotwildbestände“, machte Vocke die Sicht des Verbandes deutlich. Er fordert eine Abschussplanung, die über das eigentlichen Rotwildgebiet hinausgehe. Das häufig zu hörende Argument, dass die Jagd kaum noch möglich sei, vor lauter „Störern“ im Wald, will Dr. Ulrich Sauter vom Landwirtschaftsamt Kempten nicht hören. Am Abschuss führe kein Weg vorbei und: „Nichts stört das Wild mehr. als der jagende Mensch...“ Er, Sauter, setze auf die Jäger als „Mitgestalter“ des attraktiven Lebensraumes Wald: „Gemeinsam gehbare Wege werden sich finden.“ Draufhalten! Offenbar geht es dem Rotwild im Oberallgäu gut. Zu gut? Oder kommen die Jäger einfach nicht zum Schuss? Die aktuelle Zwischenbilanz beim Rotwildabschuss wirft einige Fragen auf. Vize-Landrat Anton Klotz tut gut daran, rechtzeitig Alarm zuschlagen und die Jäger an die Vereinbarung zu erinnern, wonach beim Rotwild „Druck gemacht“ werden muss. Rotwild als Teil der heimischen Natur ist nicht immer und überall zu greifen und pünktlich zur Stelle. Wenn das milde Frühjahr und das schöne Spätsommerwetter die Hirsche zu Bergtouren animiert hat und nicht zum Brunftgeschäft im Tal, mag das für die Jäger ein Nachteil und zusätzliche Erschwernis gewesen sein. Aber - so der Ablauf in der freien Natur - folgt nicht der Jäger der Beute, wenn er nicht nur Aas fressen will? Jagd und vor allem die Hege ist oft genug Knochenarbeit. Das soll nicht in Abrede gestellt werden. Jagd ist mehr als Trophäenschau. Erklärtes Ziel im Oberallgäu war und ist es, den Rotwildbestand auf ein vernünftiges Maß zurück zu fahren, auf einen Bestand, der zum Lebensraum passt. Das ist umso mehr Pflichtübung, zumal der „neue“ Mischwald geradezu ein Schraffenland fürs Schalenwild abgibt. Warum nicht, wenn das Schlaraffenland nicht geplündert wird von überhöhten Rotwildbeständen! Doch noch passt es nicht zusammen. Die Förster betonen immer wieder, dass Wild zum Wald gehört, der Wald ab nicht dem Rotwild. Die Partnerschaft beim Waldumbau, nicht zuletzt bei der Bergwaldoffensive, muss schon so weit gehen, dass die Jäger ihre Hausaufgaben machen. 30 Prozent bedeutet: Ziel verfehlt. Wenn gerade mal der Zuwachs erlegt wird, ist man vom Ziel einer Bestandsverringerung ohnehin weit entfernt. Waidmännisches Verhalten hin, Jägerehre her - Jürgen Vocke tut als Präsident des Bayerischen Jagdverbandes gut daran, neue Wege nicht generell auszuschließen. Eine Gatterjagd ist kein romantischer Pirschgang, aber auch weit entfernt von einem Abknallen aus nächster Nähe. Auch hier muss sich der Jäger um seinen jagdlichen Erfolg bemühen und waidgerecht arbeiten. Ein Abschuss an der Fütterung mag dem althergebrachten Jägerbild nicht zuträglich sein. Effektiv sind solche Methoden allemal. Offenbar bewährt hat sich auch die Regelung im benachbarten Vorarlberg, wo bei Nichterfüllung des Abschusses ein externer Jäger „nachhilft“. Der behördlich bestellte „Wilderer“ muss sogar noch bezahlt werden. Die Abschusszahlen legt federführend das Landratsamt, die Untere Jagdbehörde, fest. Jagdbeirat und Jäger sollen das Planziel „ausraufen“. Noch haben die Jäger bis zum Ende des Jagdjahres 2011 / 2012 Zeit, einen „Volltreffer“ zu erreichen und aus gut 30 Prozent 100 Prozent machen. Dazu sollten sie ihre Kollegen, die (noch) nicht so recht ziehen wollen, bei der Ehre packen. Angst, dass es dem Rotwild auf lange Sicht an den Kragen geht, braucht sich niemand zu machen. Wenn der Lebensraum an sich stimmt, wird es darin Wild geben. Und umgekehrt: Wenn es mit dem Wildbesatz stimmt, kann sich der Lebensraum entwickeln und stabilisieren. In intakten Lebensräumen können Jäger Wild schwerlich „ausrotten“, zeigt die Erkennntis der Wildbiologie. Josef Gutsmiedl

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