Schlittenfahrt zum Miteinander

War da ein Finger dazwischen? Bürgermeister Lautent Mies (links) und Bräumeister Bernd Urlaub beim Anzapfen.

Oberstdorf ist nicht der Münchner Nockherberg mit dem traditionellen Politikerdeblecken und Fastenpredigt. Doch steht der Bockbieranstich in der Oybelehalle am Fuße vieler hoher Allgäuer Berge dem Kult-Spektakel zum Start in die Fastenzeit in nichts nach. Einmal mehr zog Novize Ludovicus vom Leder und wusch den „sündigen Oberstdorfer“ den Kopf. Diesmal beschäftigten sich die Betrachtungen vor allem mit dem Tauziehen um die Obersdorfer Tourismusgesellschaft OTG. Zum Abschluss brachte der fromme Mann dann mit einem Appell zum Miteinander die Akteure auf der Bühne an die Maßkrüge zum gemeinsamen Prosit! Drei Schläge (wobei er offenbar auch auch einen Finger traf) benötigte Bürgermeister Laurent Mies, um das Hirschbräu-Fass mit dem ersten Bockbier anzuzapfen: „Es ist angezapft!“ Im vergangenen Jahr genügte ein Schlag.

Aber auch sonst sei nichts besser geworden, zitierte Novize Ludovicus (Sepp Dornach) aus einem Brief seines Ziehvaters, Frater Gallus: Nach zwei missionarischen Einsätzen gehe es in Oberstdorf offenbar „schlimmer zu als je zuvor“, so der verärgerte Gallus. Und der Machtkampf um die Spitze und Zukunft der Oberstdorf Tourismusgesellschft OTG gab dann auch das ideale Thema ab für die Anmerkungen des Novizen. Zuvor hatte Ludovicus auch heuer seine Begrüßungsmaß anmahnen müssen. Das Malheur: Die neue OTG-Mitarbeiterin „Gallina“ (Franz Bisle) servierte das Bockbier im unverkennbaren Fischinger Krug! Ein weiteres „umoralisches Angebot“ meinte der Novize mit Blick auf Veranstaltungen, die jetzt im benachbarten Fischen und nicht in Oberstdorf über die Bühne gingen. „Do Rölzt as uim ja Zehenägl üf...“ Nach dem ersten Schluck aus dem Krug, tauschte die neue OTG-Chefin, Heidi Thaumiller, das Gefäß aber kurzerhand und ungefragt aus gegen einen Brauereikrug. Für den Fall, dass Otto-Mäx Fischer für sein kurzes Gastspiel an der OTG-Spitze dann noch eine Abfindung kassieren sollte, hatte Ludovicus einen praktischen Vorschlag parat: den Oberstdorfer Verkehrshuinze. Mit diesem Utensil ausgestattet, könnten die kommunalen Politessen - „Lautents Sammelbüchsen“ - dann an jeder beliebigen Stelle zuschlagen und zulangen bei Bußgeldern für Falschparker. Oder geht Fischer nach der Abfuhr bei der OTG gar ins benachbarte Walsertal, um dort für das Skigebiet Ifen 2000 einen Start zu organisieren wie zur - misslungenen - Feier zu Jahrtausendwende 2000 mit dem Flopp der Carmina-Burana „in der Schanzengrube“? OTG mit neuer Bedeutung: Oldie-Treff Gottesackerplateau - ganz weit oben. Da die Oberstdorfer gerne „miteinander Schlitten fahren“ stellte Ludovicus dann für seinen mitgebrachten Hornerschlitten gleich ein Team zusammen, für den Fall, dass Josef Geiger im Faltenbachtobel etwa doch kein Kraftwerk baut, sondern eine Bob- und Rodelbahn - wenn es klappt mit der Olympiabewerbung. Als schneidigen Lenker für das Gefährt gäbe es wohl keinen Geeigneteren als Otto-Mäx! Neben Pfarrer Peter Guggenberger und Tourismus-Chefin Heidi Thaumiller gehört auch Bürgermeister Mies als „Bremser“ zum Aufgebot. Höchste Zeit für eigene Oberstdorfer Passionsspiele also, meinte Ludovicus. Kurzerhand wurde das Evangelium umgeschrieben, und Ludovicus fasste die Oberstdorfer Leidensgeschichte mit versöhnlichem Ausgang prägnant zusammen.

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