"Eiskalter Beschluss"

Unterjoch - Trotz einer Petition der Eltern und der Bemühungen der SPD-Landtagsfraktion kommt erst einmal das Aus für die kleine Schule in Unterjoch. Der Bildungsausschuss sprach sich mit seiner CSU-Mehrheit gegen die Einrichtung einer Klasse für das kommende Schuljahr aus.

Der SPD-Bildungsexperte, Martin Güll, spricht in einer ersten Stellungnahme von einem „eiskalten Agieren“ der regierenden CSU. Statt sich um praktikable Lösungen im Sinne der Kinder zu bemühen, verstecke sich die CSU hinter bürokratischem Kleinklein, kritisiert Güll. 

Ganz „dichtgemacht“ soll die Unterjöchler Grundschule aber nicht werden, deutete dagegen das Bildungsministerium an. Sofern sich die Zahl der Schüler wieder erhöhe, könne in Unterjoch ein Unterrichtsangebot vorgehalten werden.

Die Schließung von Bayerns kleiner Traditions-Grundschule in Unterjoch ist beschlossene Sache. Der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtages lehnte die Einrichtung einer eigenen Klasse für das Schuljahr 2014/2015 in Unterjoch ab. Sollte sich die Situation aber ändern und die Schülerzahl wieder zunehmen, könne in Zukunft „ein Unterrichtsangebot unterbreitet werden“. Die Landtags-SPD spricht von „eiskalter“ Entscheidung.

Aufgrund der niedrigen Schülerzahl von insgesamt fünf Kindern wird im kommenden Schuljahr in der Außenstelle der Grundschule Bad Hindelang keine Klasse eingerichtet werden, so das Bayerische Bildungsministerium nach der Sitzung des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags vergangene Woche.

Die Außenstelle der Grundschule könne allerdings bestehen bleiben und „in ihr kann in Zukunft bei steigenden Schülerzahlen wieder ein Unterrichtsangebot für die Kinder des Gemeindeteils unterbreitet werden“, heißt es in der Erklärung aus dem Bildungsministerium.

Für den Erhalt einer Außenstelle ist die Kommune als Sachaufwandsträger zuständig. Das Ministerium hatte einen Runden Tisch zu den Schulstandorten Bad Hindelang und Wertach angeregt. Dieser sei auch weiterhin sinnvoll.

Die Garantie, die die Staatsregierung für den Erhalt kleiner selbständiger Grundschulen gegeben habe, gelte, betont Dr. Ludwig Unger in der Pressemitteilung des Ministeriums.

Der bildungspolitische Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion, Martin Güll, ist entsetzt, dass die CSU-Fraktion die Schließung von Bayerns Traditions-Grundschule in Unterjoch im Oberallgäu beschlossen hat. „Es ist unglaublich, wie eiskalt die Damen und Herren der Regierungsfraktion hier agieren!“ so Güll. Obwohl diese Schule seit 200 Jahren mit jahrgangsübergreifendem Unterricht tadellos funktioniere und die Gemeinde geschlossen hinter dieser in Bayern einzigartigen Schule steht, lehne die Fraktion die Petition der Unterjöchler Eltern und den SPD-Antrag zum Erhalt ab.

Güll weiter: „Die Folge: Die sechs- und siebenjährigen Kinder werden in Zukunft morgens früh bei Nacht und Nebel, im Winter bei Schnee und Eis auf eine lange und beschwerliche Schulbus-Reise über eine kurvige Bergstraße ins Tal nach Bad Hindelang geschickt. Und das alles nur, weil die CSU sich hinter bürokratischem Klein-Klein versteckt und erst gar nicht versuchen will, Lösungen zu finden!"

Der SPD-Bildungsexperte kritisiert scharf den Widerspruch zwischen dieser Entscheidung und der Selbstdarstellung der CSU-Fraktion. „Die CSU schreibt sich bedarfsgerechte Bildung auf die Fahnen und der Ministerpräsident hat eine Bestandsgarantie für selbstständige Grundschulen gegeben. Hier besteht eindeutig ein großer Bedarf, auch wenn die Grundschule nicht selbstständig ist - doch der CSU sind die Bürger in Unterjoch völlig egal."

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