Sonderausstellung im AlpSeeHaus: Blick hinter die Kulissen der Landwirtschaft

Kultur kommt mit der Kuh

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Der Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae (von links) informierte sich mit Kreisbäuerin Monika Mayer und Landesrat Erich Schwärzler über den „Wert der Kuh“.

Immenstadt-Bühl - Mit der Eröffnung der Sonderausstellung „Von Kulturlandschaften und KuHltur-Land-Schaffenden“ im AlpSeeHaus in Bühl läutete der Kreisverband Oberallgäu des Bayerischen Bauernverbandes BBV eine Reihe von Aktionstagen ein.

In den kommenden Wochen will der BBV Einblick geben in den bäuerlichen Alltag und die regionale Lebensmittelproduktion. In seiner Festrede stellte der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler fest: Die Zukunft der Bergregion hängt von einer intakten Berglandwirtschaft ab - und diese funktioniere nicht ohne Viehhaltung, nicht ohne die Kuh. Vom weltweiten Handel kann sich das Allgäu nicht unter einer Käseglocke wegducken, meinte der BBV-Kreisvorsitzende, Alfred Enderle, bei der Ausstellungseröffnung. Lebensräume stehen im Wettbewerb, auch was ihre Nutzung angeht. 

„Die Kulturlandschaft, die wir so schätzen, wurde von den Bauern gestaltet“, so Enderle. Der Qualitätsgedanke gehe heute viel weiter, als noch vor ein oder zwei Generationen, lenkte Enderle den Blick auf aktuelle Lebensmittelskandale. Umso wichtiger sei es, sachlich zu informieren und Verbündete zu finden in Verbrauchern ebenso wie bei der Politik. „Die Allgäuer Bauern bemühen, die Qualitätsansprüche zu erfüllen und hoffen, den Interessen der Verbraucher zu entsprechen.“ 

„Eine kleine aber feine Sonderausstellung“, freute sich die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer über den Auftakt im AlpSeeHaus in Bühl. Das Wortspiel, das den Titel der Ausstellung bilde „Von Kulturlandschaften und KuHltur-Land-Schaffenden“, bringe den Inhalt besser als alle anderen Versuche einer Beschreibung auf den Punkt. „Das sind wir – Kultur-Land-Schaffende. Wir sind diejenigen, die das Allgäu zu dem machen, was es ist“, so die Kreisbäuerin weiter. Der Sprung zur Kuh liege nahe, findet Monika Mayer: „Unsere Kulturlandschaft steht und fällt mit der Kuh. Sie ist die Kulturschaffende Nummer 1 im Allgäu!“ Grünlandnutzung sei Klimaschutz schlechthin; die Kuh als Nutzer und Erhalter des Grünlands daher von enormer Bedeutung beim Klimaschutz, stellte die Bäuerin fest. Nicht zuletzt soll die Ausstellung eine „positive, offene und selbstbewusste Öffentlichkeitsarbeit“ der bäuerlichen Landwirtschaft sein. Gerade angesicht sich häufender Lebensmittelskandale dürfe sich die Landwirtschaft „nicht von außen definieren lassen“, betonte Monika Mayer. 

An der Kuh führt für die Berglandwirtschaft kein Weg vorbei. Zu diesem Fazit kommt mit Landesrat Erich Schwärzler aus Vorarlberg ein renommierter Kenner der Materie. Was die Zukunft und Perspektive der Landwirtschaft angehe, werde „vieles weit weg von den Menschen“ entschieden und entwickelt, so Schwärzler. „Es muss mehr Geld zu den Menschen kommen und nicht in Studien und Programme fließen.“ Wesentlich für die Landwirtschaft im Alpenraum sei es, möglichst Einkommen über die Produktion zu erzielen. „Nicht den Produktionsauftrag entziehen lassen“, warnte Schwärzler. Milch dürfe nicht nur da erzeugt werden , wo es am billigsten ist. Mithin: Im Bergland, wo keine andere Nutzung - und damit Pflege der Kulturlandschaft - möglich ist, führe an der Viehhaltung, der Kuh, kein Weg vorbei. Auch die Lebensbedingungen in der Bergregion müssten stimmen, damit die (jungen) Menschen bleiben können. Arbeitsplätze und intakte Infrastrukturen. 

Der Schulterschluss von Landwirtschaft und Tourismus müsse noch enger werden, betonte Schwärzler; „Eine enorme Chance!“ Dabei müsse man auch an Innovationen denken, neue Erwerbsmöglichkeiten nutzen. Schwärzler will auch das Schlagwort „Subvention“ nicht mehr hören. „Es gibt keine Subventionen für die Landwirtschaft! Es handelt sich um eine Leistungsabgeltung.“ Und manche Leistungen der bäuerlich geprägten Höfe und Dörfer könne man schlichtweg nicht über den Markt abgelten. Das „Gesicht der Heimat“, ein etwa, gab Schwärzler zu bedenken. 

Die Ausstellung im Naturparkzentrum AlpSeeHaus ist bis 31. März zugänglich von Montag bis Freitag jeweils von 11 bis 17 Uhr, samstags, sonntag und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr; ab April täglich von 10 bis 17 Uhr.

Josef Gutsmiedl

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