Vergangenheit und Zukunft leben

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Auch die Sonthofer Stadtfanfare, eigens komponiert zur Stadterhebung 1963, durfte beim Festakt der Stadt nicht fehlen.

Sonthofen – Sonthofen feierte am Wochenende seine Stadterhebung vor 50 Jahren – bei „Kaiserwetter”, wie Landrat Gebhard Kaiser scherzhaft in seinem Grußwort beim großen Festakt für geladene Gäste am Sonntag im Haus Oberallgäu betonte. 

„Eine junge Stadt wie Sonthofen hat viel Energie und viel Kraft”, sagte Moderator Max Adolf in seiner Begrüßung beim Festakt. Diese Energie benötige die Stadt auch für die anstehenden Herausforderungen der Konversion und der demographischen Entwicklung, wie die weiteren Festredner im Verlaufe des Abends betonten. 

Mit seinen erfolgreichen Bemühungen, die Marktgemeinde Sonthofen zur Stadt erheben zu lassen, legte der damalige Bürgermeister Alois Waltenberger den Grundstock zur künftigen Entwicklung Sonthofens, so Bürgermeister Hubert Buhl in seinem Grußwort. Waltenberger sei nach dem Zweiten Weltkrieg vor vielerlei Problemen gestanden. So herrschte Wohnungsnot – viele Flüchtlinge und Vertriebene waren nach Sonthofen gekommen – und auch durch den Ausbau Sonthofens als Bundeswehrstandort ergaben sich zahlreiche Herausforderungen. Mit viel Geschick habe Waltenberger die Probleme angepackt und gelöst. Der „Weitblick von Waltenberger” habe die „Grundlage für die fortschrittliche Entwicklung Sonthofens” gelegt, so Buhl weiter. Aus diesem Grund habe der Stadtrat in seiner Sitzung vom 1. August beschlossen, den Platz am Marktbrunnen zu Ehren von Waltenberger in „Bürgermeister-Waltenberger-Platz” umzubenennen. 

Auch Waltenbergers Nachfolger, der heutige Ehrenbürger und Altbürgermeister Karl Blaser, habe einen großen Teil dazu beigetragen, aus dem bäuerlichen Markt der Nachkriegszeit ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum in der Region zu gestalten. Blaser habe als erster hauptberuflicher Bürgermeister Sonthofens den Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben; Schulen und Sportstätten wurden in seiner Amtszeit gebaut, Straßen, Kanalisation und das Krankenhaus ausgebaut und saniert. Während der Gebietsreform der 1970er Jahre hatte sich Blaser erfolgreich für Sonthofen als Kreisstadt des Landkreises Oberallgäu eingesetzt.  Heute sei die Kreisstadt eine „moderne Stadt und Drehscheibe in der Region”, in der es sich „gut leben, wohnen und arbeiten” lässt. 

Gemeinsam mehr erreichen 

Dass die Erhebung Sonthofens zur Stadt in der Region nicht unumstritten war, betonte Landrat Gebhard Kaiser in seinem Grußwort. Ein gewisser Neid habe damals schon mitgespielt. Dieser Neid sei auch bei der Gebietsreform 1972 wieder hochgekommen, als Sonthofen sich gegen Kempten und Immenstadt als Kreisstadt des neuen Landkreises Oberallgäu durchsetzte. Laut Kaiser hat sich Sonthofen im Laufe seiner Geschichte immer wieder gut auf geänderte Rahmenbedingungen eingestellt. So habe man auf die Reduzierungen am Bundeswehrstandort reagiert und auch auf wirtschaftliche Rückschläge, beispielsweise den Weggang von Ergee oder Bosch. Durch hohe Investitionen in die Modernisierung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen habe die Stadt sich gut auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt eingestellt und sei nun in Sachen Bildung auf dem neuesten Stand. 

Auch die Bevölkerung Sonthofens habe in den vergangenen Jahren viel an der Gestaltung der Stadt mitgewirkt. „Mit dem Projekt ‘Zukunft Sonthofen’ und seinen Projektgruppen wurde schon viel erreicht, wie die Umgestaltung des Marktangers oder des Spitalplatzes. Da sind Sie anderen Kommunen voraus!”, lobte Kaiser die Stadt. „Eine Stadt lebt von ihren Menschen und dem Gemeinsinn ihrer Bürger”, betonte Kaiser weiter – Sonthofen sei hier auf einem guten Weg. „Sonthofen und das Oberallgäu ist was es ist, gastlich und liebenswert, weil die Menschen ihre Talente einbringen, Gegenwart und Zukunft gestalten wollen.” 

Kreuzer verspricht Unterstützung 

Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Thomas Kreuzer, überbrachte in seinem Grußwort die Glückwünsche von Ministerpräsident Horst Seehofer und der gesamten bayerischen Staatsregierung. „Was Sie zum 50. ihrer Heimat auf die Beine stellen, ist großartig”, lobte er die Arbeit der Projektgruppe Stadtjubiläum und der Stadtverwaltung, die mehr als 60 Festivitäten im Jubiläumsjahr organisiert hätten. Sonthofen sei eine starke Gemeinschaft, was sich nicht zuletzt in den mehr als 150 Vereinen der Stadt zeige. Auch sei die Kreisstadt – wie ganz Bayern – tief in ihren Traditionen und ihrer Kultur verwurzelt. „Wer sehen will, wie Zukunft geht, muß nach Sonthofen kommen”, betonte Kreuzer, denn „wer weiß, wo er herkommt, ist selbstbewußter, gelassener, zukunftsstark.” 

In Hinblick auf die Verkleinerung des Bundeswehrstandortes Sonthofen versprach Kreuzer erneut seine volle Unterstützung für die von der Konversion betroffenen Städte. In Sonthofen fallen laut dem Staatsminister 500 Arbeitsplätze weg. Er lobte jedoch die ISEK-Pläne der Stadt und betonte: „Gemeinsam werden wir im Allgäu die Konversion gut bewältigen”. 

Garnisonsstadt Sonthofen 

Wie eng die Geschicke der Stadt mit der Bundeswehr verknüpft sind, zeigte auch der Standortälteste Oberst Hans-Christian Hettfleisch in seinem Grußwort auf. „Sonthofen steht zur Bundeswehr, und die Bundeswehr steht zu Sonthofen”, betonte er. In den vergangenen 50 Jahren habe die Bundeswehr acht Reformen durchlebt. Auch der Standort Sonthofen sei dadurch nicht unberührt geblieben. Die Anzahl der Posten sei zwar verringert worden, dennoch habe die Bundeswehr immer an Sonthofen als Garnisonsstadt festgehalten. Mehr als 6.000 Lehrgangsteilnehmer kämen pro Jahr an die ABC-Schule, die Sportfördergruppe an der Sportschule trage zum Spitzensport bei. Sämtliche Feuerwehren der deutschen Bundeswehr unterständen dem Zentrum Brandschutz, das in Sonthofen angesiedelt ist. Und in den Umbau der General-Oberst-Beck-Kaserne (die „Burg”) stecke die Bundeswehr mehr als 100 Millionen Euro. Seine Verbundenheit zur Stadt zeige die Bundeswehr unter anderem am „Tag des Blaulichts” am 21. September, an dem auch ein „Tag der offenen Tür” in der Jägerkaserne stattfinde.

Eva Veit

Festakt Stadtjubiläum Sonthofen

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