Wohnortnahe Inklusion

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Klaus Meyer, Verwaltungsratsvorsitzender der Allgäuer Werkstätten.

Sonthofen – Lange beschwerliche Anfahrtswege vom südlichsten Oberallgäu bis nach Kempten wird es für zwölf Menschen mit schwerst- und mehrfachen Behinderung ab dem kommenden Frühjahr nicht mehr geben. Zu dem Zeitpunkt nämlich soll der Neubau der Förderstätte, angegliedert an die Sonthofer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, fertiggestellt sein.

Integriert sind in den Neubau auch 18 Plätze für Menschen mit seelischer Behinderung. Der Spatenstich für das Projekt fällt noch im April. Mit diesen guten Nachrichten wartete Michael Hauke, Geschäftsführer der Allgäuer Werkstätten (AW) GmbH in Kempten, bei der Elternversammlung in Sonthofen auf. 

Sorgen bereiten in Sonthofen und Kempten indes gleichermaßen der Mangel an Wohnheimplätzen. „Laut Statistik wünschen sich etwa 50 Prozent der Werkstattbeschäftigten einen Wohnheimplatz. Das heißt es müssten mindestens 310 Wohnplätze vorhanden sein. Tatsächlich fehlen circa 100,“ so Hauke vor den Eltern und Betreuern weiter. Verwaltungsratsvorsitzender Klaus Meyer ergänzte dazu: „In Kempten stehen über 80 Interessenten auf der Warteliste, im Oberallgäu bei der Lebenshilfe südlicher Landkreis sind es etwa 30.“ 

Insgesamt sind derzeit 621 Menschen mit Handicap in den AW beschäftigt. Genehmigt sind eigentlich aber bereits 739 Plätze. Zu tun hat dies unter anderem mit den Förderprogrammen der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Inklusion. „So kommen einige Schulabgänger nicht direkt zu uns in den Berufsbildungsbereich (BBB), sondern werden direkt über die Förderprogramme in den Ersten Arbeitsmarkt vermittelt,“ informierte Hauke. „Es geht beim Inklusionsgedanken nicht um ‘entweder oder’, sondern um ‘sowohl als auch’ – um für den einzelnen Menschen mit Behinde-rung den für ihn individuellen Arbeitsplatz zu finden.“ 

Die Allgäuer Werkstätten, so erklärte Hauke, würden sich hier kontinuierlich fortentwickeln. „Mit dem Konzept der personenorientierten, individuellen Teilhabeleistung (PIT) können wir jedem Menschen mit Behinderung einen individuell zugeschnittenen Arbeits-platz bieten.“ (siehe Kasten). Denn: „Die Arbeit in den Allgäuer Werkstätten ist keine Sackgasse“, so Hauke. „Es gelingt durchaus, Menschen mit Handicap in die freie Wirtschaft zu vermitteln.“ 

Von den 82 Millionen Einwohnern in Deutschland haben 8,6 Millionen Menschen ein Handicap. 6,6 Millionen Personen haben einen Schwerbehindertenausweis. 3,1 Millionen von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter (18-65 Jahre). In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung sind davon nur etwa neun Prozent – das heißt 280.000 – beschäftigt!

mori

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