Sonthofen rüstet sich für "Konversion"

Der Sonthofener Stadtrat wurde jetzt „aus erster Hand“ über die Chancen und Risiken der „Konversion“ informiert. Diplom-Kaufmann Jörg Lennardt von der Beratungsfirma ExperConsult in Dortmund skizzierte die Stärken und Schwächen der Stadt im Hinblick auf Gewerbeansiedlungen und künftiger Entwicklungsmöglichkeiten. Fazit: Sonthofen ist gut beraten, sich mit Nachbarkommunen abzustimmen, wenn es die beiden großen Areale der Jäger- und Grüntenkaserne für eine zivilen Nachfolgenutzung erwirbt. Und, so Lennardt, die Weichenstellungen sollten bald erfolgen. Die rund 250 Seiten starke Markt- und Potenzialanalyse von ExperConsult beschreibt neben dem Ist-Zustand der Stadt auch mögliche Entwicklungsrichtungen. Und: Das Motto Sonthofens „Zukunft leben“ könnte auf den Arealen der beiden Kasernen mit Leben erfüllt werden.

Dass die „Konversion“, also die Überführung von militärischem „Inventar“ in eine zivile Nachfolgenutzung, stets Chance und Risiko bedeutet, wollte Jörg Lennardt nicht verheimlichen. Chance sei es vor allem dann, wenn es gelinge, mit dem vorhandenen Potenzial neue Impulse zu setzen in einer „integrierten Stadtentwicklung“. Zum Risiko werde der Prozess, wenn die Kommune nur reagieren könne, weil Dritte das Sagen haben. Lennardt warnte: „Was machen Sie, wenn sich ein Investor findet und die Kommune hat keinen Einfluss mehr?“ Besser sei es allemal, vorher aktiv anzupacken und die Weichen zu stellen, rät der dem Stadtrat. „Warten Sie nicht auf irgendwelche Investoren – und dann wird’s nichts.“ Die Kasernen seien für Sonthofen das Jahrhundertprojekt mit absolut zentraler Bedeutung, brachte Jörg Lennardt die Herausforderung Konvesion auf den Punkt. „Es ist der Schlüssel für die Stadtentwicklung.“ Umso wichtiger sei es, Weichenstellungen einzuleiten, solange man noch Einfluss nehmen könne. „Stellen Sie sich vor, der Bund schreibt die Liegenschaften aus, und ein Investor kommt, den wir nicht wollen“, malt er vor dem Stadtrat den wenig erfreulichen Fall aus. Und dass das alles noch Zukunftsmusik sei, lässt Lennardt nicht gelten. Spätestens ab dem Jahr 2013 seien 30 Hektar Fläche in Top-Lage frei. Noch bleibe Zeit, in Ruhe Szenarien zu entwickeln. Vorstellbar ist eine Menge auf dem Gelände der Grünten- und Jägerkaserne: Wohnen, Handwerk, Gewerbe, Tourismus, Kultur, Freizeit... „Zum ersten mal seit Jahrzehnten erhält Sonthofen wieder neue Entwicklungsmöglichkeiten“, stellt Bürgermeistr Hubert Buhl fest. Die lange vermissten Expansionsmöglichkeiten für Betriebe und Unternehmen seien jetzt da. Gebhard Kaiser, Vorsitzender der Allgäu Initiative, verfolgte die Vorstellung der Markt- und Potenzialanalyse ebenfalls in der Sitzung des Stadtrates. Kaiser warnte vor einer „internen Konkurrenz“ in der Region. Die Vorteile der Region - Natur, Landschaft, Freizeitwert - zögen qualifizierte Kräfte an. Zusammenarbeit zwischen den Kommunen sei jetzt wichtig: „Wir dürfen nicht da drei und dort fünf Hektar Gewerbefläche ausweisen...“ Bürgermeister Hubert Buhl verwies auf Gespräche, die mit seinem Kollegen Schaupp in Immenstadt im Gange seien. Ein bißchen Wettbewerb werde sich aber nicht immer vermeiden lassen. Immenstadt will ebenfalls weitere Gewerbegebiete festlegen. Um Fachkräfte in der Region zu halten, sei es wichtig, Bildungsangebote vorzuhalten, ergänzt Kaiser mit Blick auf die Erweiterung der Fachhochschule Kempten. Und Jörg Lennardt bestätigt: Unternehmen siedeln sich dort an, wo die geeigneten Arbeitskräfte sind. Ein Kreislauf sei zu beobachten, so Lennardt: Eine Kommune, die junge Familien fördere mit Kindergärten, Schulen, Ausbildungsangeboten, Arbeitsplätzen „biete“ Arbeitnehmer, die für Unternehmen interessant seien.

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