Sonthofen: Am "Tag des offenen Denkmals" steht das fast 430-Jahre alte Möggenried-Haus im Mittelpunkt 

Das Möggenried-Haus – Ein (fast) vergessenes historisches Kleinod

+
Janik (von links), Matthias, Sofie und Noa vom P-Seminar des Gymnasiums Sonthofen arbeiten auch in den Ferien an der Fertigstellung des „temporären Gartens“ am Möggenried-Haus. Auf unserem Foto entsteht gerade das Grundgerüst für ein Hochbeet.

Sonthofen - Das Möggenried-Haus in Sonthofen ist ein (fast) vergessenes historisches Kleinod. Erbaut um 1586, diente es lange Jahre als Nagelschmiede. Die Verarbeitung des Erzes, das am Grünten abgebaut wurde, sicherte vielen Menschen in Sonthofen und Umgebung auch als Nebenerwerb den Lebensunterhalt. Deshalb sind im Sonthofer Stadtwappen auch zwei gekreuzte Nagelschmiedehämmer zu sehen.

Seinen Namen erhielt das Haus, als es 1913 der Schreinermeister Friedrich Möggenried erwarb. Nachdem das Gebäude 1968 verkauft wurde, diente es als Wohnhaus für Gastarbeiter, ab 1986 stand es leer. Das historische Gebäude verfiel immer mehr, um das Jahr 2000 stand es kurz vor dem Abriss.

2006 – das Gebäude stand nun unter Denkmalschutz – erwarb Franz-Fredo Möggenried, der Enkel des alten Schreinermeisters, das Haus und brachte es somit in den Besitz der Familie zurück. Er hatte selbst einige Jahre als Kind dort gelebt und erinnert sich bis heute „an das Klappern der Türen und die knarrenden Böden“.

Franz-Fredo Möggenried will das Haus restaurieren. In Eigenarbeit hat er das Gebäude, das von den letzten Bewohnern vermüllt zurückgelassen worden war, entrümpelt. Experten haben das Haus unter bautechnischen und historischen Aspekten untersucht. Bei ersten Instandsetzungsarbeiten kam auch eine Tür aus dem Jahr 1587 zum Vorschein, hinter Brettern verborgen und deshalb in hervorragendem Zustand.

Ein P-Seminar des Gymnasiums Sonthofen unter Leitung von Winfried Engeser hat eine Ausstellung zur Geschichte des Möggenried-Hauses erarbeitet. Am „Tag des offenen Denkmals“ (13. September) soll diese Ausstellung präsentiert werden. Um noch mehr Aufmerksamkeit auf das Gebäude zu lenken, errichten die Schüler derzeit einen „temporären Garten“ im Außenbereich.

„Das Möggenried Haus ist neben der ‘Burg’ das wichtigste bauhistorische Gebäude in Sonthofen“, erklärt Philip Sodeur von der „Baustelle Sonthofen“. Ihm ist es wichtig, dass das historisch wertvolle Gebäude mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Gerade auch in Hinblick darauf, dass Franz-Fredo Möggenried, Besitzer des Möggenried-Hauses und Enkel des Namensgebers, auf staatliche Fördergelder zur Instandsetzung des ziemlich heruntergekommenen Hauses hofft. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist jedoch zunächst ein (geringer) kommunaler Förderbetrag.

Möggenried hat das Haus, seit er es 2006 erworben hat, inzwischen soweit entrümpelt, dass es nicht mehr als „Müll“, sondern als „Hochkaräter“ unter Denkmalschützern gilt. In dem Haus, das seit 2005 unter Denkmalschutz steht, haben bereits mehrere Seminare stattgefunden, unter anderem von der TU München; auch beim „Tag des offenen Denkmals“ stand das Möggenried-Haus bereits mehrmals im Fokus.

Der verstorbene Architekt Claudio Ritter, der von dem Gebäude fasziniert war, hat das Haus, das nach Aussage von Sodeur „keinen einzigen rechten Winkel hat“, genau vermessen und eindrucksvolle Skizzen angefertigt. Von der Architektin Maria Ritter liegen Pläne zur energetischen Sanierung des fast 430 Jahre alten Hauses vor, und auch Pläne zur Restaurierung gibt es bereits, angefertigt vom Oberstdorfer Architekten Franz Vogler. Die Schüler des P-Seminars haben bei der Erstellung von Modellen mitge- holfen. Wieviel Geld in eine Renovierung des Möggenried-Hauses investiert werden müsste ist noch nicht ganz klar.

Die 14 Schüler und 2 Schülerinnen des P-Seminars „Möggenried-Haus“ haben sich mit ihrem Lehrer Winfried Engeser neben der Geschichte des Hauses unter anderem auch mit dem Thema „Denkmalschutz“ auseinandergesetzt. Die Ausstellung nimmt teil am Schülerwettbewerb „Denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, bei dem es Fördergelder für das P-Seminar gibt. In der Ausstellung werden die Planungen vorgestellt, und unter anderem anhand von Bildern und Texten die Geschich- te des Hauses dargestellt.

Für Lehrer Winfried Engeser wäre der Erhalt des Hauses eine „große Chance für die Stadt“, Philip Sodeur ist sich sicher, dass das Möggenried-Haus „in ein paar Jahren ein Schmuckkästchen ist“. Mit der Ausstellung und dem temporären Garten im Außenbereich soll die Öffentlichkeit auf das Haus aufmerksam gemacht werden.

Der temporäre Garten, der aus Teilen der „Stadtoase“ entsteht, wird ein kleiner Rundgang um improvisierte Hochbeete mit vielen Pflanzkübeln werden. Auch Sitzmöbel sollen zum Verweilen einladen. Menschen, die vorbeikommen, sollen sich fragen „Was ist denn da los?“ Beim „Tag des offenen Denkmals“ soll zudem ein Rundgang um das Haus möglich sein, da es viel größer ist, als es von vorne, Standpunkt Mühlenweg, aussieht.

Eva Veit

Meistgelesene Artikel

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Sonthofen – Traditionell laden die Stadt Sonthofen und die Bundeswehr zum gemeinsamen Neujahrsempfang. Schließlich, so 1. Bürgermeister Christian …
Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Neujahrsempfang der Sonthofer SPD: Kampf dem Populismus

Sonthofen – Für eine starke Demokratie, gegen populistische Strömungen sprach sich der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, …
Neujahrsempfang der Sonthofer SPD: Kampf dem Populismus

Kommentare