Landesgartenschau: Eine Chance für die Konversions-Gemeinde Sonthofen?

Zukunftsweisende Entscheidung

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Gestaltungselemente, die nach der Ausstellung wieder leicht „verräumt” werden können – die Gestalter der großen Gartenschau in Sigmaringen 2013 haben gezeigt, wie es geht.

Sonthofen – Die vom Sonthofer Stadtrat im Juli 2013 empfohlene Umsetzung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ISEK hat als nachfolgendes Impulsprojekt als Nachnutzung der 2018 frei werdenden Kasernenareale die Bewerbung für eine Kleine Gartenschau „Natur in der Stadt“ ausgearbeitet.

Dazu hat der Landschaftsplaner Michael Voit vom Nürnberger Büro WGF das „vertiefende Grünraumkonzept“ konkretisiert; ein räumliches Konzept sowie ein thematisches Ausstellungskonzept für eine Bewerbung bei der „Gesellschaft zur Förderung der Bayerischen Gartenschauen“ vorbereitet. Am 24. Oktober wurden die Zwischenergebnisse im Rahmen eines öffentlichen Workshops vorgestellt und mit einer zustimmenden Empfehlung der Bürgerschaft an den Stadtrat gegeben. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis Januar 2014 für eine Gartenschau 2021 eingereicht werden. 

Die „Gesellschaft zur Förderung bayerischer Gartenschauen”, die sowohl die Kleine Gartenschau als auch die Landesgartenschau vergibt, gab dem Sonthofer Konzept ein positives Feedback. Sie empfahl der Kreisstadt, sich um die Landesgartenschau 2022 zu bewerben, die länger dauert als die Kleine Gartenschau und auch einen größere Fläche beinhaltet. 

In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vor zwei Wochen wurde das vorliegende Konzept vorgestellt und zur Kenntnis genommen. Die noch offenen Fragen sollen bis zur Stadtratsitzung am kommenden Dienstag, 26. November, weiter beantwortet werden.

Interview mit Kulturreferentin Gertrude Goldner

Gertrude Goldner

Eine Gartenschau in Sonthofen – Wunschvorstellung oder sinnvolle Zukunftsinvestition? Der Kreis- bote sprach mit der Stadträtin, Kulturreferentin und Vorsitzenden des Kulturbeirats Gertrude Goldner, die sich sehr für die Durchführung einer Gartenschau in Sonthofen einsetzt.

Wie kam es zu Ihrem Vorschlag eine Gartenschau in das ISEK einzubringen? 

Gertrude Goldner: „Der Kulturbeirat hat sich zur Aufgabe gemacht, Kultur als ubiquitär (überall, Red.) zu sehen und nicht nur beschränkt auf Kunst oder Musik. So sind zur Ausarbeitung des ISEK vom Kulturbeirat schon viele Anregungen eingebracht worden, die der Baukultur zuzuordnen sind. Beispielsweise auch die Empfehlung, das OVH-Gebäude zu erhalten. 

Bei der Erstellung der Sonthofer ‘Kulturbroschüre’ als Grundgerüst eines von Bürgermeister Hubert Buhl gewünschten Kulturleitplans für die Stadt kam das Defizit an Veranstaltungsräumen in Sonthofen deutlich zutage. Im von uns erarbeiteten sogenannten IKEK (Integriertes kulturelles Entwicklungskonzept) wurde daher nach Möglichkeiten gesucht, Flächen in den bestehenden Konversionsgebäuden für kulturelle Belange zu finden. 

Durch die Interventionen des Kulturbeirats konnten unter anderem auch das Hörsaalgebäude und das Casino in der Jägerkaserne sowie der Speisesaal mit Küchentrakt und die Heizung der Grüntenkaserne im abschließenden ISEK festgeschrieben werden. Unbezahlbare Anregungen dafür gab ein Kulturbeirat, der in seiner vorhergehenden beruflichen Verwendung beim staatlichen Bauamt die Kasernen sehr gut kennt. 

Da der Kulturbeirat seit Jahren bemüht ist, sich bei mehreren Gartenschauen in anderen bayerischen Städten – auch auf eigene Kosten – zu informieren, war die Anregung einer Gartenschau als Zwischennutzung für das Konversionsgelände in das ISEK geradezu zwingend für uns. Wir erkannten die einmalige und große Chance der Flächensanierung für die Entwicklung Sonthofens als Konversionsstandort und Kreisstadt und Tourismusregion.” 

Wie stellen Sie sich eine Gartenschau auf dem Gelände der Grüntenkaserne vor? 

Gertrude Goldner: „Der Kulturbeirat hatte für die erste gemeinsame Besichtigung mit dem Planerteam einen geänderten Konversionsplan ausgearbeitet und zur Diskussion vorgelegt. Ideengrundlage war auch die diesjährige Gartenschau im benachbarten Sigmaringen. Eine CD über die Landesgartenschau 2013 in Sigmaringen 2013 wurde zur Verfügung gestellt. Mehrere Vorschläge wurden in das jetzt ausgearbeitete Flächenkonzept der Gartenschau-Bewerbung aufgenommen. 

Durch die nunmehr begonnenen Hochwasserschutzmaßnahmen an der Ostrach und die dadurch erforderliche Ausholzung wird sich das jetzige grüne Bild der Uferböschung völlig ändern. Hier allein könnten schon Synergieeffekte der Gartenschau greifen, denn die Neupflanzung der Aufweitung des neuen Dammes ist im Programm der Gartenschau. Ebenso eine Weiternutzung würde die Sanierung der für eine spätere Wohn- oder Gewerbebebauung notwendigen Grünbereiche erfahren, denn das Kasernenareal soll zum zentralen Ausstellungsgelände der Gartenschau werden mit Einbeziehung von bestehenden Gebäuden für Ausstellungshallen. Das Küchen/Speisesaalgebäude kann die Restauration übernehmen. 

Sonthofen hat viele Alleinstellungsmerkmale, die andere Gartenschauen bisher nicht zu bieten hatten: Südlichste Stadt Deutschlands, Gebirgslage, Alpwirtschaft, Moorlandschaft, zwei Flüsse, zwei Seen, Garnisonsstandort. Der Ausstellungszeitraum ist für eine ‘kleine Gartenschau’ drei Monate, die Landesgartenschau ist sechs Monate zu besichtigen. Danach werden einzelne temporäre Bereiche wieder abgebaut, ebenso auch Ausstellungshallen, die nur für die Gartenschau erhalten blieben. Die sanierte Fläche wird ein neuer Stadtteil für Wohn- und Gewerbebebauung.” 

Soll das Stadtgebiet mit einbezogen werden? 

Gertrude Goldner: „Der im ISEK enthaltene ‘Grünzug’ vom neuen Stadtteil Grüntenkaserne über die Jägerkaserne entlang des Friedhofs wird bis zum sogenannten ‘Wagnerpark’, der Bebauung an der Richard-Wagner-Straße in der Jägerkaserne, führen. Auch der Oberallgäuer Platz wird nach Umsetzung des Verkehrskonzepts neu gestaltet werden müssen und der jetzt schon geplante neue Bahnhofsbereich mit eingebunden werden. Diese Stadtflächen sind bereits als dauerhafte Umgestaltungen vorgesehen, die Kosten dafür im Konzept enthalten. Sie würden ohne Gartenschau als Pflichtaufgaben mit eigenen Mitteln finanziert werden müssen.” 

Eine Landesgartenschau – machbare Vision? 

Gertrude Goldner: „Der Kulturbeirat und die CSU-Fraktion haben eine ‘Kleine Gartenschau – Natur in der Stadt’ zunächst für das Jahr 2021 angeregt. Ich habe keine Veranlassung, der Zusicherung der beiden Staatssekretäre Christian Schmidt vom Verteidigungsministerium und Dr. Gerd Müller als der Vertreter des Allgäus in Berlin, dass die Gereraloberst-Beck-Kaserne bis zum Jahr 2018 bezugsfertig sein wird, zu misstrauen. Die Planer gehen in einem Zeitplan wegen der notwendigen Vorarbeiten aber davon aus, dass der früheste Ausstellungstermin im Jahr 2022 möglich sein wird. 

Im Rahmen einer Landesgartenschau 2022 würde sich das komplette Grünkonzept der Innenstadt umsetzen lassen und Brücken über die Ostrach realisiert werden können. Die Fördergesellschaft räumt überdies gute Chancen für eine Bewerbung und erfolgreiche Durchführung einer Landesgarten- schau ein. Die verbleibenden Kosten für beide Varianten sind mit 5,2 Millionen fast gleich, weil statt der 1,6 Millionen Euro für die Kleine Gartenschau eine Landesgartenschau mit umfangreicher Sanierung mit 3,6 Millionen Euro subventioniert wird. 

Ich sehe die Durchführung einer Landesgartenschau nicht als Vision, sondern als machbare realistische Pflichtaufgabe einer Stadt, die als Konversionsstandort zukunfts- und bürgerorientiert handeln muss. Es wäre für das gesamte Oberallgäu positiv, wenn der Landkreis, die Allgäu GmbH, Nach- barkommunen, Verbände, Behörden und Vereine sich an einer Landesgartenschau beteiligen würden. 

Warum soll Sonthofen nicht schaffen, was andere Städte erfolgreich gemeistert haben?”

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