Endspurt beim ISEK

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Nach dem informativen Teil des Bürgerforums konnten die Anwesenden unter anderem mit Verkehrsplaner Reiner Niemann (2. von links) über die ISEK-Planungen diskutieren.

Sonthofen – Endspurt im ISEK-Prozess der Stadt Sonthofen: Vergangenen Mittwoch fand das letzte Bürgerforum statt, in dem die Sonthoferinnen und Sonthofer über den aktuellen Stand der Dinge informiert wurden und nochmals Vorschläge und Meinungen in die Planungen einbringen konnten. Anwesend waren etwa 35 Zuhörer.

Der ISEK-Prozess befindet sich derzeit in Phase IV, der letzten Phase. In dieser Phase wird ein Rahmen-, Maßnahmen- und Handlungskonzept für zwei Schwerpunkträume entwickelt: die Kernstadt Sonthofens als erweitertes Untersuchungsgebiet, die Konversionsareale – also Jäger- und Grüntenkaserne sowie die ehemalige Standortverwaltung – als engeres Untersuchungsgebiet. Außerdem wird in Phase IV das Verkehrskonzept sowie ein neues Parkraumkonzept für die Innenstadt ausgearbeitet. 

Die Aufgabe des Bürgerforums vergangenen Mittwoch war, die Sonthoferinnen und Sonthofer über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, nochmals eigene Vorschläge und Meinungen einzubringen, wie Bürgermeister Hubert Buhl in seinen einleitenden Worten erläuterte. Vorgestellt wurden an diesem Abend eine Kosten- und Finanzierungsübersicht der möglichen Stadtentwicklung sowie das neu entwickelte Verkehrskonzept. 

Dr. Susanne Wolf vom Planungsbüro Kling Consult hob hervor, dass sich die Rahmenbedingungen der Konversion seit Beginn des ISEK-Prozesses verändert hätten, da die Bundeswehr nun nicht, wie geplant, 2014, sondern voraussichtlich erst 2018 aus den Kasernen abziehen werde. Zum ISEK-Prozess selbst erläuterte sie, dass die Öffentlichkeit noch bis zum 14. Juni die im Rathaus die Unterlagen zum ISEK einsehen könne und Meinungen dazu abgeben könne. Der Entwurf des ISEK mit Verkehrskonzept liegt im Rathaus, 1. Stock, Zimmer 26, während der allgemeinen Dienstzeiten zur Einsicht aus. Anregungen und Stellungnahmen können schriftlich im Rathaus, 2. Stock, Zimmer 44, abgegeben werden. Die Anregungen und Stellungnahmen dienen laut Wolf „der gerechten Abwägung der öffentlichen und privaten Belange.” 

Am 27. Juni findet dann die abschließende Sitzung der Strategiegruppe statt. Die Ergebnisse dieser Sitzung werden durch die einzelnen Fachgruppen ausgewertet und schließlich die Endfassung der ISEK-Planungen erstellt. Im Juli wird diese dem Stadtrat vorgelegt werden, der dann darüber abstimmt, ob das ISEK wirklich als städtebauliches Entwicklungskonzept angenommen wird.  

Stadtplaner Mario Flammann legte den Anwesenden kurz die wichtigsten Fakten der geplanten Konversion vor: Das Areal der Jägerkaserne soll stark „mischgenutzt” werden; das Offizierscasino soll als Haus der Vereine dienen. Ihm vorgelagert wird der „Wagnerpark” mit Grünflachen und Spielplatz als Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche liegen. Geplant sind außerdem ein Bildungszentrum, öffentliche und kulturelle Einrichtungen und kleinere Gewerbebetriebe. In der Grüntenkaserne wird der Schwerpunkt auf Wohnraum und viele Grünflächen gelegt, auch auf dem Areal der Standortverwaltung wird auf lange Sicht Wohnraum geschaffen. Für die Innenstadt ist, wie in der 5. ISEK-Strategiekonferenz vorgeschlagen, ein „Stadtforum” vorgesehen, dessen Standort allerdings noch nicht sicher ist. 

Flammann betonte, dass die Planungen eine „langfristige Entwicklungsperspektive” seien, die nicht auf einen Schlag umgesetzt werden könnten. Die Planer des ISEK rechnen für die Konversion in Sonthofen, wenn sie wie vorgesehen durchgeführt wird, mit Gesamtkosten von 63,4 Millionen Euro. Die Kosten entstehen durch den Ankauf der Grundstücke, Verkehrserschließung, Begrünung und vor allem den Rück- und Umbau der bestehenden Bundeswehrgebäude. Durch Vermietungen oder den Weiterverkauf von Flächen rechnen die Planer allerdings auch mit Einnahmen für die Stadt in Höhe von 35,5 Millionen Euro. 

Flammann erläuterte weiter, dass die Stadt zudem die Möglichkeit von Fördergeldern ausschöpfen kann, also die Gesamtkosten nicht alleine tragen muss. „Die Stadt könnte das stemmen”, sagte Bürgermeister Hubert Buhl auf Nachfrage aus dem Publikum. Würde Sonthofen lediglich eine Bauleitplanung erstellen, und der Bund die Kasernenareale an Dritte verkaufen, käme es Sonthofen teurer. „Es macht Sinn, wenn die Stadt alles erwirbt”, fuhr Buhl fort, um von einer möglichen Wertschätzung zu profitieren.

Mobil auch in Zukunft

„Barrierefreiheit in der Stadt”, „Warum nicht autofreie Innenstadt” oder „Wann endlich im gesamten Stadtgebiet Zone 30?” Dies waren nur einige der Anregungen, die die Anwesenden beim Bürgerforum an die „Feedbackwände” schrieben. Die Sonthoferinnen und Sonthofer zeigten zwar geringes Interesse am Bürgerforum, diejenigen, die dabei waren, zeigten sich aber dafür umso interessierter an den Planungen der ISEK. Besonders das geplante Verkehrskonzept der Stadt, vorgestellt von Verkehrsplaner Reiner Neumann, bewegte die Gemüter. 

„Verkehr ist mehr als KFZ-Verkehr”, betonte Neumann zu Beginn. Auch parkende Autos, Radler, Fußgänger und der öffentliche Nahverkehr müssten in ein Verkehrskonzept einbezogen werden. Für Sonthofen gelte es zunächst einmal – unabhängig von der Konversion – stark überlastete Straßen und Kreuzungen wie Marktstraße, Brüchle- und Scharpfkreuzung zu entlasten. Zwei große Kreisel als Zufahrt zur B19 würden die östliche Alpenstraße und Grüntenstraße entlasten und den Verkehr in die Innenstadt vermehrt über die Albrecht-Dürer-Straße lenken. 

Im Süden sollte die Marktstraße verkehrsberuhigt werden, der Verkehr mehr über Freibad- und Immenstädter Straße laufen. Die demographische Entwicklung werde in Zukunft auch das Verkehrsverhalten der Bevölkerung beeinflußen, wie Neumann weiter erläuterte. Die Erreichbarkeit der Innenstadt bekomme eine immer höhere Bedeutung, weshalb gerade die Parkplatzsituation wie auch die Orientierungsmöglichkeiten in Sonthofen verbessert sowie Knotenpunkte wie der Oberallgäuer Platz umgestaltet werden sollten.

Eva Veit

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