Spagat in der Bergwelt

Wie wirksam sind die Schutzbestimmungen im Alpenraum? Dies diskutierten im Oberstdorf-Haus MdL Adi Sprinkart (von links), Thomas Frey (Bund Naturschutz), Stefan Witty (CIPRA), MdL Christian Magerl und MdL Thomas Gehring. Foto: Heinrich Bonert

Geballtes naturschützerisches Fachwissen hatten die Oberallgäuer Grünen bei ihrer Veranstaltung „40 Jahre Alpenplan – 20 Jahre Alpenkonvention – eine Erfolgsgeschichte?“ aufgefahren. Den Fragen der Besucher und der beiden Oberallgäuer Abgeordneten Adi Sprinkart und Thomas Gehring stellten sich Stefan Witty (Geschäftsführer der Alpenschutzkommission CIPRA Deutschland), Thomas Frey (Regionalreferent für Schwaben beim Bund Naturschutz Bayern) und Christian Magerl (Landtagsabgeordneter der Grünen und Vorsitzender des Ausschuss für Umwelt und Gesundheit).

Frey nannte den Alpenplan (dieser teilt den bayrischen Alpenraum in die Erschließungszonen A, B und C ein) ein „absolutes Erfolgsmodell“. Die Ruhezonen hätten sich bewährt und seien auch zukünftig notwendig. Da die Urlauber in erster Linie wegen der Landschaft kommen, seien die Bestimmungen – neben den naturschutzfachlichen Aspekten – auch aus touristischer Sicht wichtig. Um die unterschiedlichen Gästebedürfnissen gerecht zu werden, müssten bestimmte Bereiche vom „harten Tourismus“ freigehalten werden. Die 1991 beschlossene Alpenkonvention stehe für eine nachhaltige Entwicklung des Alpenraums, so Witty. Hier habe sich in 20 Jahren viel bewegt. Inzwischen seien fast sämtliche Protokolle von den Alpenländern ratifiziert und damit rechtskräftig. Dies betreffe die unterschiedlichsten Themen wie Verkehr, Tourismus, Naturschutz und Energie. „Alpenplan und Alpenkonvention sind Instrumente, mit denen man heute noch exzellent arbeiten kann“, sieht Magerl die Dinge aus Sicht des Landespolitikers. Alle momentan im Oberallgäu und im benachbarten Kleinwalsertal umstrittenen Projekte sind unter dem Aspekt dieser Schutzbestimmungen kritisch zu bewerten, wurde in der Diskussion deutlich. Das gilt für die Liftpläne am Riedberger Horn, die Planungen im Ifengebiet ebenso wie die geplante Wasserkraftnutzung in bestehenden Naturschutzgebieten wie dem Rappenalptal. Die CIPRA lasse derzeit prüfen, ob die Planungen am Ifen – mit dem entsprechend zu erwartenden Verkehrsaufkommen – dem Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention widerspricht, erklärte Witty. Frey hält nichts davon, in Einzelfällen vom Schutzgedanken abzuweichen: „Schutzgebiete und Ruhezonen müssen dann halten, wenn sie angegriffen werden“. Bei Erschließungen seien wertvolle Biotope nicht einfach wieder herstellbar. Auch Magerl warnte generell davor, „in Schutzzonen rein zu gehen“ und plädierte für „naturschutzverträgliche Alternativen“. Auch der neue Landesentwicklungsplan rühre nicht an den Zonierungen, appellierte Magerl „an diesen Leitplanken festzuhalten und mit Blick auf Klimawandel und Hochwasserschutz weiter zu entwickeln“. Widerspruch kam unter anderem von Toni Vogler. Er richtete mit Blick auf die Problematik am Riedberger Horn an die Politik die Bitte, nach 40 Jahren über eine „Zielabweichung“ in diesem speziellen Fall nachzudenken. Auch Fischens Bürgermeister Edgar Rölz sprach von einem „Spagat zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Aspekten“. Er warnte davor, den Tourismus als wichtige Wertschöpfungskette in Frage zu stellen. Wertschöpfung sei ein wichtiger Bestandteil der Alpenkonvention plädierte Witty dafür, sich auch in Urlaubsregionen „wirtschaftlich breiter aufzustellen und den Mittelstand zu stärken“.

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