Ein Spitzenjahr für die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu

„Holz hat Zukunft. Gerade auch im Allgäu“, meinen der Erste Vorsitzende der FBG Oberallgäu, Johann Jordan (links), und Gabriel Lerchenmüller (rechts), Obermeister der Zimmerer- und Bauinnung Kempten. Foto: Josef Gutsmiedl

Auf ein Rekordjahr kann die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FGB zurückblicken. Der Geschäftsbericht, der bei der jüngsten Mitgliederversammlung in Immenstadt-Stein vorgelegt wurde, weist jedenfalls „absolute Spitzenwerte“ auf, wie es Geschäftsführer Roman Prestele auf den Punkt brachte. Am aktuell guten Holzpreis gab es nichts zu kritisieren; bemängelt wurde aber, dass die Holz- und Forstbranche derzeit keine entsprechende Marketing-Organisation zur Seite habe.

„Die Forstbetriebsgemeinschaft hat ihr bestes Geschäftsjahr erreicht“, stellte Johann Jordan, der Erste Vorsitzende, fest. Der Laden brummte im vergangenen Jahr: Noch nie in der 40-jährigen Geschichte der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu wurde soviel Holz vermarktet. Und das zu einem guten, stabilen Holzpreis. „Dass sich der Preis seit zwei Jahren auf relativ hohem Niveau konstant halte, sei für alle Beteiligten gut, meinten die Geschäftsführer Roman Prestele und Tobias Schäfer bei ihrem Rückblick. Das Holzgeschäft sei derzeit berechenbar und eine optimale Abwicklung gewährleistet. Mehr als 86000 Festmeter Holz wurde im Jahr 2011 über die FGB vermarktet. „Absolute Spitze“, so Prestele stolz. Das entspreche elf LKW-Ladungen täglich - oder 2500 Ladungen pro Jahr. Den vergangenen Herbst bezeichnet Prestele gar als „Goldenen Herbst“, weil einfach alles passte: gute Preise, schnelle Abfuhr und eine gute Nachfrage – und schließlich das anhaltend gute Wetter. „Das trifft selten so zusammen.“ Fast zwei Drittel der vermarkteten Menge gingen an regionale Sägewerke, an Großsägen und an die internationale Holzhandesgenossenschaft in Silva jeweils knapp 20 Prozent. Rund 15 Prozent der umgesetzten Menge wird exportiert, fast ausschließlich ins benachbarte Österreich. Die Vielfalt in der Vertriebsstruktur sei der FGB wichtig, ergänzt Prestele. „Wir hoffen, dass viele mittelständische Sägewerksunternehmen überleben.“ Auch im einst belächelten Holzhackschnitzel-Markt mischt die FGB längst mit und beliefert mit einer Gesamtmenge von 25000 Schüttraummeter unter anderem die Heizwerke in Sonthofen, Immenstadt und Oberstaufen sowie zwei Futter- trocknungen. Einfach sei das Geschäft in diesem Segment nicht, stellt Prestele fest. „Die Hackschnitzel fallen nicht vom Himmel“, umschreibt er die Eigenheit der unregelmäßigen Produktion, die schnell zu Engpässen führen könne. „Ein Kampf um jeden Cent“ werde geführt. Neu erschließen will sich die FBG den Markt der Waldimmobilien. Mit einem eigenen Maklerservice soll die Kompetenz und Professionalität für „die besondere Art von Immobilie“ umgesetzt werden. Unter dem Titel „Holz im Allgäu – Chancen für den Wald“ betrachtete Gabriel Lerchenmüller, Obermeister der Zimmerer- und Bauinnung Kempten, die Perspektive der Branche. Wenn der Holzpreis stimme, sei auch die Arbeit im Wald etwas wert, dann lohne sich Pflege und Aufforstung, so Lerchenmüller. Holz ist auf dem Vormarsch, und bei bester Qualität der ideale Baustoff für viele Verwendungszwecke. Die Generation junger Architekten zeige sich aufgeschlossen für Holz-Lösungen. Lerchenmüller: „Holz ist modern und hat Zukunft!“ Mit dem Einsatz von heimischem Nutz- und Bauholz stärke man gleichermaßen die regionale Wertschöpfung und die Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit, die die Forstwirtschaft für sich in Anspruch nimmt, sieht der Erste Vorsitzende der FBG Oberallgäu allerdings bedroht. Johann Jordan spielte auf eine Forderung der Umwelt-Organisation Greenpeace an, etwa Laubwälder in weiten Teilen einem Einschlagstopp zu unterwerfen. „Das ist keine Lösung“, so Jordan. „Artenvielfalt im Wald gibt es erwiesenermaßen nur durch waldbauliche Maßnahmen.“ Jordan sieht vor diesem Hintergrund zudem die „Meinungsführerschaft“ der Wald- besitzer verloren an andere Organisationen, die dabei seien den forstpolitischen Kurs zu diktieren. „Das darf uns nicht gefallen“, ermuntert er die Waldbesitzer, deutlich Stellung zu beziehen: „Kämpfen Sie um Ihren Besitz!“ Wie der FBG-Vorsitzende vermisst auch Dr. Ulrich Sauter, Forst-Chef im Landwirtschaftsamt Kempten, eine ernstzunehmende Werbung und Imagepflege der Forstbranche in eigener Sache. „Eine Branche, die 180 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht, ohne Werbung?“ Es sei an der Zeit, gemeinsam zu werben für die bewährte Art der Forstwirtschaft, appellierte Sauter. Mit einer Art Regionalfonds „könnte man was auf die Beine stellen“, meinte er, „und der Forstwirtschaft eine Stimme geben“. Nicht zuletzt bei der Jagd sei ein „starker gemeinsamer Auftritt“ der Waldbesitzer notwendig, lenkte Sauter den Blick auf ein sensibles Terrain. „Sagen Sie als Waldbesitzer, was Sie wollen. Ich rate Ihnen zu standortgerechtem Mischwald.“ Angepasste Schalenwildbestände seien dabei Voraussetzung, so Sauter. Dass der Wald an sich „kein Niemandsland“ sei, das bestenfalls als Freizeitkulisse wertvoll sei, merkte Vize-Landrat Anton Klotz an. Und: Die Bergwaldoffensive werde fortgeführt. Die notwendigen Finanzmittel für weitere drei bis vier Jahre seien da, wenngleich eine schriftliche Zusage bislang fehle.

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