Vom Stadtzwerg zum Schmuckstück

Mit einem Festakt läutete Immenstadt den Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten „650 Jahre Stadterhebung“ ein. Die Festredner ließen dabei nicht nur die bewegte Geschichte der „kleinen Stadt“ aufleben, sondern lenkten den Blick auch in die Zukunft. Denn: Auf ihren Erfolgen hätten sich die Immenstädter Bürgerinnen und Bürger noch nie ausgeruht... In einem kleinen historischen Festvortrag skizzierte Stadtarchivar Siegbert Eckel die Entwicklung Immenstadts, das lange Zeit kaum Städtisches an sich hatte, bevor es zu einem Schmuckstück im Landkreis Oberallgäu wurde.

So gerechtfertigt Rückblicke anlässlich eines Stadtjubiläums auch seien, bemerkte Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp, sei es nicht minder wichtig, den Blick nach vorn zu richten. Schaupp erinnerte an die aktuelle Finanzlage der Stadt und die Herausforderung, Zukunft zu gestalten mit weniger Finanzmitteln. „Wir müssen einerseits sparen und dennoch richtig in die Zukunft investieren.“ Das Erstere müsse man noch lernen, gab Schaupp zu bedenken. Immenstadt war über Jahrhunderte hinweg ein bedeutendes Zentrum für Handel und Gewerbe im südlichen Allgäu. Nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte es die Stadt mit der Ansiedlung wichtiger Industriebetriebe wie Kunert und Bosch Schritt zu halten, meinte Landrat Gebhard Kaiser. „Die Städtler haben sich nie auf den Erfolgen ausgeruht“, lobte er die Tatkraft und den Gemeinsinn der Bürger. In großartigem Miteinander hätten sie die Probleme stets in den Griff bekommen, so spielte Kaiser auf die aktuelle Differenzen im Stadtrat an. „Das muss Anspruch für die Zukunft sein“, appellierte der Landrat. Der Landkreis brauche ein starkes Immenstadt. Kaiser erinnerte in seinem Grußwort auch an die „kräftigen Investitionen“, die der Landkreis in Immenstadt tätige - etwa im Berufsschulzzentrum oder beim Krankenhaus. Auch wenn das kleine Immendorf, wie die Ansiedlung hieß, im Jahr 1360 zur Stadt erhoben wurde, sei die Entwicklung lange Zeit kaum spürbar in Richtung Stadt gegangen, skizzierte Stadtarchivar Siegbert Eckel die Geschichte. „Mit etwa 200 Einwohnern war Immenstadt lange ein ‘Stadtzwerg’ in den Jahrhunderten des Mittelalters“, sagte Eckel. Zwar mit allen Merkmalen einer Stadtverwaltung, einem funktionierenden Zunftwesen, doch wenig rentabel für die Herren - zunächst die Königsegger, dann die Montforter. Patrizierhäuser, die auf Wohlstand einiger Bürger hinwiesen, suchte man in Immenstadt vergebens. Die meisten Häuser waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus Holz, bestenfalls mit Putz beworfen, und mit Schindeln gedeckt. Kuhställe und Misthaufen prägten das Bild der kleinen Stadt. Eckel: Ein Spiegelbild des armen Allgäus: Immenstadt war so arm wie die sprichwörtliche Kirchenmaus.“ Erst die aufblühende Milchwirtschaft und die Industrialisierung mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz läuteten andere Zeiten ein: Aus der grauen Maus wird ein schmuckes Städtchen - besonders während der zurückliegenden 50 Jahre. Am Wochenende wurde dann gefeiert. Der „Jahrmarkt der Träume“ musste zwar wegen des Dauerregens mit einem Notprogramm bestritten werden - zünftig wurde es aber am Sonntag auf dem Marienplatz und dem „Markt der Märkte“, der sich quer durch die Stadt zog.

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