Parteienvertreter diskutieren in der Täufer Johannis Kirche über Asyl und mehr

Politischer Stammtisch in der Kirche

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Wie wichtig der „Runde Tisch Asyl“ in Sonthofen für die Integration Asylsuchender ist, darüber waren sich alle Teilnehmer des „Politischen Stammtischs“ in der Täufer Johannis Kirche einig: Harald Voigt (von links), Miriam Duran, Moderatorin Hanna Eder, Elfriede Roth, Christian Wilhelm und Pfarrer Gerhard Scharrer.

Sonthofen – Das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ im Jahr 2017 wirft seine Schatten voraus. Auf dem Weg zu diesem Jubiläum stellen sich Kirche und Staat wichtigen sozialen Themen. In diesem Jahr lautet die Überschrift „Reformation und Politik“. 

Der 29. Juni wurde von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern zum „bayernweiten Stammtischsonntag“ erklärt. Alle Kirchengemeinden wurden ermutigt, an diesem Tag mit der Politik vor Ort ins Gespräch zu kommen. Mit dieser Aktion sollte gezeigt werden, dass sich die kirchlichen und politischen Vertreter der gemeinsamen Verantwortung für die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit bewusst sind. Als einzige Gemeinde des Dekanats veranstaltete Sonthofen diesen politischen Stammtisch. Das Johannisfest der Kirchengemeinde bot hierzu eine gut Plattform.

Unter der Moderation von Hanna Eder kamen Erster Bürgermeister Christian Wilhelm (Freie Wähler), Zweiter Bürgermeister Harald Voigt (CSU), Elfriede Roth (Grüne), Stadträdtin und Referentin für Familie, Senioren, Soziales und Integration, Miriam Duran (FDP), Stadträtin und Beauftragte für Migration und Integration des Landkreises sowie Pfarrer Gerhard Scharrer auf dem Podium zusammen.

Asyl: Berührungsängste ernst nehmen

Beim Thema Asyl konnte Elfriede Roth über die erfolgreiche Arbeit der Aktion „Runder Tisch Asyl“ berichten. Sie informierte über den unermüdlichen Einsatz der vielen Ehrenamtlichen, über gemeinsames Musizieren, interkulturellen Austausch und einen Workshop Fahrradreparatur. Pfarrer Gerhard Scharrer erzählte von seinen Erfahrungen mit den Asylsuchenden beim Deutschkurs im Gemeindezentrum und dass die Raumkapazitäten nicht mehr ausreichen.

Miriam Duran stellte fest: „das Thema Asyl dringt immer weiter in die Gesellschaft ein.“ Aufgrund ihrer Erfahrungen erfolge in Kommunen, welche „Flüchtlinge“ aufnehmen müssten, anfangs ein großer Aufschrei. „Diese Berührungsängste der Bürger muss man aber ernst nehmen.“ Unsere Gesellschaft müsse sich für diese Menschen öffnen und auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen. Der „Runde Tisch Asyl“ und der ökumenische Frauenkreis in Sonthofen seien hierfür bereits engagierte und verlässliche Partner. „Nach dem Krieg ist es uns gelungen, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen Heimat zu geben. Dann schaffenwir das heute auch“, so Duran abschließend.

Harald Voigt ist das Netzwerk vor Ort wichtig. Die Menschen bräuchten eine Anlaufstelle und Rahmenbedingungen, wo sie sich wohl fühlen. Das Engagement des „Runden Tisches für Asyl“ sei hier hervorzuheben.

Erster Bürgermeister Christian Wilhelm, bedauerte, dass er leider noch keine Angaben über die Unterbringung der vermutlich 80 bis 100 Flüchtlinge machen könne. „Die Stadt bemüht sich schon seit Jahren, Unterbringungsmöglichkeiten für Zuwanderer zu finden.“ Eine Containerlösung sei schwierig und nicht gewollt. Die Stadt wolle ein passendes Gebäude erwerben, aber erst wenn der Kauf des Gebäudes erfolgt sei, werde er die Öffentlichkeit informieren. In der Zusammenarbeit mit den Kirchen lobte er das gute Netzwerk und das vertrauensvolle Miteinander.

Ist der Sonntag ein Ruhe- und Familientag?

Bei den weiteren andiskutierten Themen gab es bei der Sonntagsruhe ein großes Einvernehmen. Pfarrer Scharrer bescheinigte der Stadt, dass sie bei der Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen sehr verantwortungs- und rücksichtvoll handeln. Bei Stadträten und Bürgermeister habe der Sonntag einen hohen Stellenwert als Familientag. „Er ist fast schon heilig“, sagte Miriam Duran. Er sei ein Kulturgut und wichtig für den Zusammenhalt der Familie, ergänzte Elfriede Roth. Bürgermeister Wilhelm warb um Verständnis für die vielen Menschen, wie in der Tourismusbranche, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssten, und keinen freien Sonntag hätten. Die Familien sollten jedoch auch einmal darüber nachdenken, ob sie diesen freien Tag auch zu einem Ruhetag und Familientag machen.

Familie statt „Fremdunterbringung“?

Bei der Kinderbetreuung in den Sonthofer Kindertagesstätten konnte Hanna Eder eine gute Übereinstimmung zwischen Stadt und Kirche feststellen. Pfarrer Scharrer lobte die Stadt Sonthofen dafür, dass sie trotz aller Sachzwänge ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkomme. Bürgermeister Wilhelm zeigte sich erfreut über die gute Zusammenarbeit von Stadt und Kirchengemeinde: „Es kann eigentlich nicht besser gehen.“

Aus dem Publikum sah Angelika Stoffel die Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Kirche als sehr bedenklich an und einer christlichen Einrichtung nicht würdig. Sie forderte „Familie statt Fremdunterbringung“. In dieser frühen Lebensphase sei die Familie der richtige Platz für das Kind. Pfarrer Scharrer erwiderte, dass die Kirche mit der Einrichtung von Krippen dem Wunsch der Stadt und ihrer Bürger nachgekommen sei und damit Menschen Hilfe angeboten habe. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich eben geändert. „Jede Familie kann ihren Weg frei wählen.“

Bürgermeister Wilhelm ergänzte: „Viele Familien können es sich nicht mehr leisten, dass ein Partner zuhause bleibt.“ So seien nun mal die Sachzwänge, Bedürfnisse und auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft, denen sich die Stadt stellen müsse. Er müsse das Wohl aller Bürger im Blick haben.

eh

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