Hoch hinaus mit Seil und Motorsäge

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Auch wenn es mitunter ganz lässig aussieht: wenn Rössle auf „seinen“ Bäume rumturnt, ist das kein Kinderspiel.

Oberallgäu - Klettern ist seine Leidenschaft. Doch Steffen Rössle aus Sonthofen sucht nicht unbedingt den Nervenkitzel in der Fels- und Kletterwand: der sportliche Oberallgäuer klettert auf Bäume, damit diese nicht in den Himmel wachsen. Hoch über dem Boden entfernt Rössle Äste, Altholz - oder kappt mächtige Bäume meterweise von oben nach unten.

Die große Eiche in einem Garten in der Sonthofer Blumenstraße ist Tagesgeschäft für den sportlichen „Holzer“. In zehn Metern Höhe turnt Steffen Rössle im Klettergurt in der Baumkrone. Die Motorsäge am Seil pendelt unter ihm in der Luft. Einige Äste hat er schon herausgeschnitten, mit der Motorsäge und mit einer Handsäge am langen Stiel. „Schön warm hier oben“, findet Rössle als ihm die Herbstsonne selbst unter dem dichten Blätterdach einheizt und greift wieder zur Säge. 

„Treeservice“ nennt Rössle sein Ein-Mann-Unternehmen - Mädchen für alles, rund um die Baumpflege. Auch Bäume kommen in die Jahre; manche Äste sterben ab, andere wachsen tatsächlich in den Himmel. „Spätestens wenn’s gefährlich werden könnte, sollte man was tun“, so Rössle. Wenn erst ein Sturm oder Schneelast „nachhelfen“ kann es ins Auge gehen. Am Besten ist es da, beizeiten einen Fachmann einschalten. 

Und seine Qualifikation hat Steffen Rössle schwarz auf weiß mit den Fachkunde-Nachweisen der Berufsgenossenschaft. „Der normale Motorsägen-Grundkurs reicht da nicht“, sagt Rössle. Schließlich gibt er Garantie auf seinen Service in den Wipfeln der Bäume. Wenn mit Klettern nichts mehr geht, kann der Baumpfleger mit einer Hebebühne zum Einsatz in die Höhe gelangen „Aber die Erfahrung zählt mehr als alle Nachweise“, meint der 49-Jährige. Seit vier Jahren arbeitet Rössle im Oberallgäu. Vorher hatte er es mit richtigen Baumgiganten zu tun, etwa in Kalifornien, seinem letzten Arbeitsplatz in den USA. 50 Meter hohe Kiefern oder Mammutbäume sind dort gängige Größen. „Jeder Baum ist anders“, so Steffen Rössle, „ganz egal wo er wächst.“ 

Eine mächtige Kiefer so abzutragen, dass das Sommerhäuschen am See nichts abbekommt erfordert viel Fingerspitzengefühl und Kondition. Ast für Ast arbeitet sich Rössle nach oben... Auf dem „Rückweg“ wird der Baumriese Abschnitt für Abschnitt von der Spitze angefangen gekürzt. Salamitaktik. „Zum Schluss liegt dann ein Haufen Holz neben der Hütte am See“, beschreibt Rössle das „Produkt“ seiner Arbeit mit Seil und Motorsäge.

Josef Gutsmiedl

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