Ist das Tannachwäldchen gerettet?

Laut Variante 3 der ISEK-Strategiekonferenz bleibt das Tannachwäldchen verschont, auf dem Gelände der Grüntenkaserne entstehen unter anderem Wohn- und Grünflachen. Gewerbe soll sich im süd-östlichen Teil der Jägerkaserne entlang der Östlichen Alpenstraße (hier grau gekennzeichnet) ansiedeln. Foto: Stadt Sonthofen

Ist der Erhalt des Tannachwäldchens damit schon gesichert? Nachdem der Stadtrat in seiner Sitzung vergangenen Dienstag den Antrag der Grünen Stadtratsfraktion auf Erhalt des Tannachwäldchens auf die Stadtratssitzung am 24. Mai vertagt hatte, diskutierten die Mitglieder der ISEK-Strategiekonferenz am folgenden Tag eine dritte mögliche Variante: die Jägerkaserne als Gewerbepark.

Die große Zahl von Zuhörern bei der Stadtratssitzung verdeutlichte nochmals die hohe emotionale Beteiligung der Bevölkerung an der Diskussion um eine mögliche Nutzung des Tannachwäldchens als Gewerbegebiet. „Haben wir als Stadträte so die Beziehung zur Bevölkerung verloren“, ereiferte sich Stadtrat Michael Both von den Grünen deshalb auch bei der Diskussion um den Antrag der Grünen auf den Erhalt des Tannachwäldchens. Walter Hasemann, SPD, forderte seine Stadtratskollegen auf, das Tannach in Ruhe zu lassen und die Zeit bis zum 24. Mai für andere Planungen zu nutzen. Auch Ingrid Fischer, Grüne, würde in der verbliebenen Zeit lieber andere Ideen aufarbeiten. Man müsse die Angst der Anwohner verstehen, die das Thema „Tannach“ schüre, und was das Wäldchen für die Bevölkerung bedeute, bat Harald Voigt, CSU, als betroffener Anwohner. Die CSU werde sich mehrheitlich für eine Vertagung des Antrags aussprechen, so Fraktionsvorsitzender Josef Zengerle, was auch Rudolf Gropper für die Freien Wähler bestätigte, wenngleich er selbst für den Erhalt des Tannachwäldchens sei. Bürgermeister Hubert Buhl betonte, dass zur weiteren Nutzung des Tannachwäldchens noch Fragen zu klären und Informationen einzuholen seien, außerdem stünden noch mehrere Projektgruppensitzungen aus. Den Bürgern, die sich ehrenamtlich in diesen Projektgruppen engagieren, sollte die Möglichkeit nicht genommen werden, weiter zu planen und ihre Ideen einzubringen. „Es gibt einen Zeitplan. Und diesen Zeitplan haben wir gemeinsam gestaltet. Wir müssen ihn einhalten“ appellierte er an den Stadtrat. Bei der Abstimmung über den Antrag zeigte sich denn auch die gespaltene Haltung innerhalb der Fraktionen: lediglich die Grünen-Fraktion stimmte geschlossen gegen eine Vertagung ihres Antrages. Letztendlich stimmten 15 Stadtratsmitglieder für eine Vertagung, 11 dagegen. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Tannachwäldchens wird also erst in der Stadtratssitzung am 24. Mai fallen. Eine weitere Variante Nach der 4. ISEK-Strategiekonferenz am folgenden Tag sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Den 45 anwesenden Mitgliedern der Planungsgruppe, darunter auch Vertreter des Jugendparlamentes, der Tannach-Anwohner und der Facebook-Gruppe „Gegen die mögliche Abholzung des Tannachwäldchens“ präsentierten die Stadtplaner eine mögliche dritte Variante für die Zukunft Sonthofens. Mario Flamann vom Architektur- und Planungsbüro Pesch&Partner erläuterte den Anwesenden diese Variante (siehe Foto). Danach soll auf dem Gelände der Jägerkaserne ein „Gewerbepark“ entstehen. 5,8 Hektar im Süd-Osten sollen als Gewerbefläche genutzt werden, 0,5 Hektar als Wohngebiet, 3,3 Hektar dienen als „Mischgebiet“ für Gewerbe, Dienstleistung oder Bildung und 2,9 Hektar des Areals sollen begrünt werden. Eine schon vorhandene Ausfahrt zur Östlichen Alpenstraße soll als Zufahrt dienen. Anschließend konnten die Anwesenden in sechs Gruppen über Vor- und Nachteile der vorgestellten Variante diskutieren, die Ergebnisse der Diskussionen wurden dem Plenum vorgestellt. Die Größe der Gewerbeflächen auf diesem Areal wurde gelobt – „wir brauchen einfach Gewerbeflächen“ betonte Alfons Werner, Leiter des Finanzreferates der Stadt Sonthofen. Eine Ausweitung der Gewerbeflächen auch auf den nördlichen Teil der Jägerkaserne, sogar auf das gesamte Areal wurde vorgeschlagen. Allerdings wurde auch bemängelt, dass durch Gewerbeansiedlung auf dem Areal der Jägerkaserne die Innenstadt zusätzlich belastet würde, dass zu viel Gewerbe für die Anwohner unannehmbar wäre. Matthias Hill warf die berechtigte Frage in den Raum, ob der durch eine im südlichen Oberallgäu durchgeführte Umfrage ermittelte Gewerbeflächenbedarf von elf Hektar wirklich nur von Sonthofen getragen werden müsse. Aus mehreren Gruppen kam die Anregung, dass die Hörsaal-Gebäude der Jägerkaserne auf jeden Fall erhalten werden müssten, und dass dort der in den Varianten 1 und 2 angedachte „Dienstleistungscampus“ angesiedelt werden sollte. Insgesamt sollte versucht werden, möglichst viel der vorhandenen Bausubstanz zu erhalten. Ein weiterer Vorschlag war, lediglich den südlichen Teil des Tannachwäldchens (Abenteuerspielplatz) als Gewerbegebiet zu nutzen und dafür den „Dienstleistungscampus“ in der Jägerkaserne zu stärken. Thomas Leniger vom ASJ hatte dafür wenig Verständnis: „Wenn ich den südlichen Teil des Tannachwäldchens opfere, opfere ich eine Fläche der Jugend!“ Ist das schon die Entscheidung? Bürgermeister Hubert Buhl hob nach Abschluß der Diskussion hervor, dass es im Moment noch nicht darum ginge, im Kleinen zu planen, es sei lediglich nötig, eine Strategie zu entwickeln, nach der man einen Flächennutzungsplan erstellen könne. „Es wäre sicherlich gut, wenn die Strategiekonferenz uns eine Empfehlung geben könne“, bat er die Anwesenden eindringlich um ein „Stimmungsbild“ für den Stadtrat, um diesem seine Entscheidung am 24. Mai zu erleichtern. Die Abstimmung zeigte ein klares Bild: 29 von 45 Mitgliedern der Planungskonferenz sprachen sich für die neue Variante 3 aus, wenn die Hörsaalgebäude erhalten bleiben. Damit wäre das Tannachwäldchen – sofern sich der Stadtrat an die Empfehlung hält – gerettet...

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