Podiumsdiskussion in Sonthofen: Wertschätzung von Natur und Kultur im Tourismus

Nachhaltiger Tourismus ist ein "Muss"

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Prof. Armin Brysch von der Hochschule Kempten (von links), Sonthofens 3. Bürgermeisterin Ingrid Fischer, Moderator Rudolf Erhard, Staatssekretär Franz Josef Pschierer und Werner Vetter von faszinatour diskutierten im Haus Oberallgäu über nachhaltigen Tourismus.

Sonthofen – Im Rahmen zweier Tagungen zum Thema Nachhaltiger Tourismus hatte die Stadt Sonthofen eine Podiumsdiskussion mit dem – etwas sperrigen – Titel „Inwertsetzung von Natur und Kultur als bayerischer Weg für nachhaltigen Tourismus“ organisiert.

„Wir leben in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. Die Menschen hier schätzen die Natur!“, hob Bürgermeister Christian Wilhelm in seinen einleitenden Worten hervor. Als Alpenstadt des Jahres 2005 bemühe sich Sonthofen seit Jahren um einen effektiven Umweltschutz. Der Stadtrat handle in all seinen Entscheidungen nach den Vorgaben der Alpenkonvention und versuche, den Dreiklang Natur – Kultur – Tourismus in Sonthofen in Einklang zu bringen.

Die Kultur schätzen

Als „Stargast“ des Abends konnte Moderator Rudolf Erhard vom Bayerischen Rundfunk den ehemaligen Skirennläufer und zweifachen Olympiasieger Markus Wasmeier begrüßen. Wasmeier hat gemeinsam mit einem Förderverein das „Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee“ aufgebaut – ein „erfolgreiches Beispiel für die Vermarktung des kulturellen Erbes“, so der Titel seines Festvortrages. Nach acht Jahren Planung, Bau und zahlreichen Hindernissen eröffnete das beliebte Museum 2007 seine Pforten. In drei alten, von ihrem Ursprungsort auf das Museumsareal versetzten Höfen, einer Brauerei, einer Kapelle, einer Schmiede, einer„Kasalm“ und einem Gasthaus werden die Besucher in das bäuerliche Leben des 18. Jahrhunderts Jahren entführt. „Die Besucher müssen fühlen, schmecken, riechen können wie vor 300 Jahren“, so Wasmeier, der ein Erlebnis schaffen wollte. Er wollte „einen Ort schaffen, an dem wir unseren Kinder etwas hinterlassen“, wollte Altes erhalten und Geschichte nicht nur zeigen, sondern erzählen und erleben lassen, erklärte Wasmeier seinen Zuhörern. „Unsere Kultur hat so viele Geschichten und wir bringen sie nicht rüber.“

„Wir müssen unsere Kultur schätzen“, schließlich komme der Tourist nicht ausschließlich wegen der schönen Natur, sondern auch wegen der Kultur in die Region. Die Frage sei stets: „Will das der Gast bei uns sehen?“ Wer in ein ländliches Gebiet in den Urlaub fahre, wolle dort auch Land sehen, und nicht städtisches Ambiente, wie zu Hause.

Das „Erfolgsrezept“ des Freilichtmuseums sei neben dem Mut, Altes zu bewahren, das authentische Umfeld, ein freundliches und ehrliches Auftreten gegenüber dem Besucher und nicht zuletzt ein interessantes Rahmenprogramm wie Töpfern, Kräuterkurse, einem Schuster oder Schindlmacher über die Schultern schauen,...

Nachhaltiger Tourismus

In der folgenden Podiumsdiskussion sprachen der Landtagsabgeordnete und Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Prof. Armin Brysch von der Hochschule Kempten, Sonthofens 3. Bürgermeisterin Ingrid Fischer und Werner Vetter, Geschäftsführer von faszinatour, über nachhaltigen Tourismus und Zukunfts­chancen. „Tourismus ist eine wichtige Wertschöpfung für den ländlichen Raum“, so Staatssekretär Pschierer. In unserer Region sei die Marke „Allgäu“ fest etabliert, was ein großer Vorteil gegenüber anderen Regionen in Bayern sei. Die Konflikte zwischen Tourismus und Umweltschutz würden nicht nur auf lokaler Ebene, sondern auch im Ministerium stets geführt – Pschierer verwies hier auf das Beispiel Riedberger Horn. Man müsse jedoch immer im Auge haben, dass die Alpen gleichzeitig Lebensraum für Menschen, Wirtschaftsraum und ein unvergleichbarer Naturraum seien.

Ingrid Fischer hob die große Verpflichtung, die Sonthofen als „Alpenstadt des Jahres 2005“ trage, hervor. So seien die Statuten der Alpenkonvention im Leitbild der Stadt verankert und würden bei jeder Entscheidung im Stadtrat berücksichtigt. Es sei jedoch wichtig, auch einmal Kompromisse einzugehen – den Sonthofer Stadtrat lobte Fischer hier für seine gute Diskussionskultur. Auch die Bürgerbeteiligung als Säule in der Alpenstadtkonvention werde in Sonthofen gelebt – seit Ende der 1990er Jahre im Projekt „Zukunft Sonthofen“, und eigentlich bei allen wichtigen Entscheidungen wie derzeit der Zukunft des Oberallgäuer Platzes.

„Natur nutzen, nicht benutzen“ sei das Motto von faszinatour, so Geschäftsführer Werner Vetter. Seine Firma, die Erlebnisse in der freien Natur, Ausflüge und vieles mehr anbietet, achte stets auf die Werthaltigkeit und darauf, die Natur so zu verlassen, wie sie betreten worden sei.

Nachhaltigkeit im Tourismus sei in der Lehre schon seit etwa 20 Jahren wichtig, erzählte Prof. Armin Brysch. Heute wüssten viele Studierende, dass Nachhaltigkeit auch gleich Qualität bedeute, und auch der Urlauber wüsste die Wertigkeit von nachhaltigem Urlaub zumeist richtig einzuordnen.

Für Pschierer benötigt jede Region passgenaue Lösungen und ein passendes Marketingkonzept. Wichtig sei es auch, den Menschen zu zeigen „Wir sind das Original“ – sprich, das Hofbräuhaus in München und nicht das in China. Für die Zukunft plane sein Ministerium auch die Kampagne „Stade Zeit Bayern“ – einen Urlaub der Stille in der heute oft hektischen Zeit.

Für die Zukunft sei es auch wichtig, dass sich die Touristiker den Herausforderungen der Digitalisierung und der demographischen Entwicklung stellen, außerdem müsse das Thema Mobiliät und Mobilitätskonzept aufgegriffen werden.

Der Generalsekretär der Alpenkonvention, Markus Reiterer, hob in seinem Schlusswort nochmals hervor, dass nachhaltiger Tourismus ein Muss sei. Weiter müsse Tourismus mit dem Klima leben, nicht dagegen – gerade der Alpenraum sei von der Klimaerwärmung besonders betroffen. Deshalb müsse gerade bei uns auf Klimaschutz und gute Mobilitätskonzepte Wert gelegt werden.

Deutschland hat im November 2014 für zwei Jahre den Vorsitz der Alpenkonvention übernommen. Die Alpenkonvention fordert eine ganzheitliche Politik zum Schutz der Alpen einerseits und zur Gewährleistung einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum andererseits.

Eva Veit

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