Weichenstellung in Immenstadt

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ELKE-SABINE BARTH / JOSEF GUTSMIEDL, Immenstadt - Bei einem Geländetag konnten sich die Immenstädter Bürgerinnen und Bürger ein Bild machen, wie die derzeit diskutierten Trassen für eine mögliche Ortsumfahrung im Stadtgebiet verlaufen werden. Am 4. Juli soll per Bürgerentscheid die Frage beantwortet werden, ob die Immenstädter überhaupt eine Umfahrung wollen. „Besser als auf den Plankarten", so die Meinung der meisten Immenstädter, die sich an einem der Informationspunkte einfanden - trotz des anhaltenden Regens. Die Stadtnahe Trasse für die B308 erläuterte Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp persönlich. Der Bürgermeister machte dabei deutlich, dass er diese Variante aus ganz zweckmäßigen Gründen heraus favorisiere: „Diese Trasse hat nicht nur die Wirkung als Umfahrung. Sie verbindet damit auch den Vorteil, dass sie innerörtlichen Quell- und Zielverkehr zu einem erheblichen Teil auffängt und die Stadt zusätzlich entlastet." Die Süd- und Nordtrasse zeigten hingegen ausschließlich Wirkung beim Fernverkehr, der aus der Stadt gehalten werde, so Schaupp. Weitere Vorzüge der Stadtnahen Trasse wäre der geringe Geländeverbrauch und einfache Gundstücksgeschäfte. Allerdings, das machte Schaupp ebenfalls deutlich, ist die Ortsumfahrung für Immenstadt trotz der zum Teil leidenschaftlich geführten Debatten im Stadtrat, erst einmal nichts als nur Zukunftsmusik. „Wir müssen von einem Zeitrahmen von 15 bis 20 Jahren ausgehen", sagte Schaupp den Teilnehmern der Besichtigung der Trassenführung. „Der Bau ist dann das Einfachste", deutete Schaupp an. Guter Informationsaufbau, fachliche Kompetenz und politisch engagierte Bürger, kennzeichnete die Informationsveranstaltung zur Umgehungsstraße B 308. Braucht Immenstadt eine Umgehungsstraße? Welche Umfahrungsoptionen stehen zur Wahl? Entscheiden sollen die Bürgerinnen und Bürger am 4. Juli - ob es überhaupt „weiter geht“ beim heißen Eisen. Zu diesen Fragen präsentierte Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp die drei von der Stadt favorisierten und realisierbaren Trassenvarianten. Seit knapp fünfzig Jahren ist die B308 ein Thema für die Stadt Immenstadt. Während in der Vergangenheit der Fokus auf der Nordtrasse lag, ist heute auch die Bundesregierung offen für andere Varianten. Einige mögliche Trassenvarianten sind heute jedoch nicht mehr realisierbar, da sie durch verbaute Flächen führen. Die Umfahrung ist in die Kategorie II des Planfeststellungsverfahrens abgerutscht und aus Sicht der Bundesregierung nicht mehr unbedingt notwendig, schickte Bürgermeister Armin Schaupp der Debatte voraus. Schaupp lässt durchblicken, dass er den Bürgerentscheid gerne mit einer Bürgerbefragung gekoppelt gesehen hätte: „Wenn ich die Frage beantworten kann, gibt es eine Trasse die für mich akzeptabel ist, sollte auch die Entscheidung ausgereift sein welche Variante für mich und meine Kinder denkbar wäre.“ Entgegen der Vorstellung des Bürgermeisters wird beim Bürgerentscheid am 4. Juli lediglich die Frage mit Ja oder Nein beantwortet: braucht Immenstadt eine Umgehungsstraße? Die Frage, ob Nord-, Süd- oder stadtnahe Trasse weiter verfolgt werden, soll nach dem Willen der Stadträte im Spätherbst bei einer Bürgerbefragung geklärt werden, ergänzt CSU-Stadtrat Arndt Botzenhardt. Schaupp betonte: „Was wir heute entscheiden, ist frühestens in 10 bis 20 Jahren Realität, also eine Entscheidung, die Sie für die nächste Generation treffen!“ Mit Blick auf die heute bereits bebauten Flächen und die Entwicklungen der letzten Jahre gab er zu bedenken, dass bei einem Nein zur Umgehungsstraße Flächen freigegeben werden müssen, die dann in einigen Jahren nicht mehr für eine mögliche Variante zur Verfügung stehen. Bei einem Ja zur Umgehungsstraße, bliebe die Chance auf eine Umgehungsstraße der nächsten Generation erhalten. „Der Bürgerentscheid braucht eine Mindestbeteiligung von 20 Prozent, sonst ist die Entscheidung für den Stadtrat nicht bindend“, beantwortete Schaupp eine Frage aus dem Publikum. Die KFZ-Belastung einzelner Streckenabschnitte gemessen an einem normalen Wochentag ergab: 20700 Fahrzeuge entlang der Sonthofener Straße, 18100 entlang der Bahnhofstraße, 19200 für die Julius-Kunert-Straße, 19400 für die Kemptener Straße, 10300 entlang der Montfortstraße. Über Bühl auf der B308 nach Oberstaufen fahren täglich etwa 14800 Fahrzeuge. Dazu Professor Martin Schirmer: „Ein Großteil des Verkehrs ist Ziel- und Quellverkehr. Der wird durch eine Umgehungsstraße nicht weniger werden.“ Gleich drei Anwohner aus der Sonthofener Straße bestätigten, dass beim Schwerlastverkehr „die Tassen und Wände schon mal wackeln“ und jede Umgehungsstraße Besserung verspreche. Herr Schmied aus der Sonthofener Straße: „Die Varianten der drei Trassen ist sekundär. Endscheidend ist, wie wir 20000 Fahrzeuge auf ein erträgliches Maß reduzieren.“ Bürgermeister Armin Schaupp sowie die Experten für die Stadtentwicklung Prof. Schirmer und Christian Hörmann von der CIMA würden aufgrund einer subjektiven Bewertung die stadtnahe Trasse favorisieren. Ein Drittel des Viehmarktplatzes würde für den Bau der stadtnahen Trasse benötigt. Bürgermeister Armin Schaupp machte auf eine Untertunnelung keine Hoffnung: Die Kosten müsste dann sicherlich die Stadt tragen. Deren finanzielle Situation lässt dies nicht zu.“ Stadtrat Florian Hierl aus Bühl brachte es gegen Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Bisher war die Umgehung nur eine politische Frage. Aber am 4. Juli stimme ich mit Ja, weil ich mir die Option offen halten möchte zu reagieren. Mehr ist es ja nicht. Es wird die nächsten 10 bis 15 Jahre nichts passieren.“ Eine Diskussion am Freitag, 25. Juni, um 19.30 Uhr im Hofgarten-Saal wird die „Vorrunde“ für das Thema Ortsumfahrung abschließen. Am Sonntag, 4. Juli, entscheiden die Bürger der Stadt, ob es weiter geht. Wird die Ortsumfahrung gewünscht, soll im Spätherbst die Trassenfindung anlaufen.

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