Mauschelei bei Standortwahl?

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Prof. Robert F. Schmid, Präsident der Hochschule Kempten (von links), Stephan Thomae und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch im Gespräch über eine Außenstelle der Hochschule Kempten.

Kempten/Sonthofen/Kaufbeuren – Die Chancen der Stadt Sonthofen, eine Außenstelle der Hochschule Kempten zu bekommen, scheinen rapide zu sinken: Beim Neujahrsempfang der FDP Kaufbeuren sprach sich Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch  für eine solche Außenstelle in Kaufbeuren aus.

„Wenn es eine Außenstelle der Hochschule Kempten geben wird, dann in Kaufbeuren“, sagte der Minister am Montagabend. „Bevor ich im Rahmen des Feinkonzepts der Hochschule nicht alle relevanten Fakten vorliegen habe, kann ich keine Entscheidung treffen“, zerstreute Heubisch schon zu Beginn seiner Rede die Hoffnungen auf neue Erkenntnisse zur möglichen Einrichtung einer Außenstelle mit der Fachrichtung Gesundheitswesen. Er stehe dem gesamten Plan persönlich aber „sehr positiv“ gegenüber. „Wenn es eine Außenstelle der Hochschule Kempten geben wird, dann in Kaufbeuren“, zeigte Heubisch zumindest in Bezug auf die Standortfrage klar seine Meinung und erteilte damit auch indirekt Sonthofen, das sich ebenfalls als Standort für die Hochschul-Außenstelle ins Gespräch gebracht hatte, eine Absage. Vor allem die Nähe zur Kneippstadt Bad Wörishofen sei ein Pluspunkt für die Wertachstadt. Zudem verstehe und unterstütze er die Bemühungen Kaufbeurens, für den Abzug der Bundeswehr – geplant für 2017 – einen zumindest teilweisen Ausgleich zu bekommen. Allerdings könne man sich nicht auf der Zwischenzeit bis 2017 ausruhen, sondern müsse Fakten schaffen: „Wenn es nach mir geht, ist bis zur (Bundestags-)Wahl eine Entscheidung auf dem Tisch“, erklärte er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. 

Dass Heubisch dem Projekt grundsätzlich gewogen ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein großer Unsicherheitsfaktor – mal wieder – die Finanzierung ist. Und für diese seien andere zuständig, wie der Bund im Rahmen der Konversion oder der bayerische Finanzminister. „Mein derzeitiger Etat gibt das nicht her“, so Heubisch. 

Die Oberallgäuer Grünen sind dagegen zunehmend unzufrieden über den Verlauf der Diskussion. „Grundsätzlich ist es sinnvoll zur Erhaltung des Hochschulstandortes Allgäu, die Studienangebote an einem Standort zu bündeln, auch um Kosten zu sparen“, erklärte der Grünen-Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart. Wenn Platzmangel oder andere Gründe  eine „Zweigstelle“ notwendig machten, dann sei Sonthofen als Standort die erste Wahl, brach auch die Kreissprecherin und Sonthofer Stadträtin Elfriede Roth eine Lanze für die Oberallgäuer Kreisstadt. In der Jägerkaserne befänden sich Lehrgangs- und Unterkunftsgebäude, die sich als Außenstelle für einen Hochschulcampus ohne größere Umbaumaßnahmen bestens eigneten. Es ist für Roth auch nicht akzeptabel, dass Konversionsmittel des Freistaates einseitig Verwendung finden. „Wohl dem, der einen Finanzstaatssekretär in seinem Wahlkreis hat“, warf sie dem Ostallgäuer Staatssekretär Franz-Josef Pschierer eine „unzulässige Einflussnahme auf die Standortfrage“ vor. „Hier will jemand im Wahljahr seinem Wahlkreis ein Zuckerl zukommen lassen“. 

Prof. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule Kempten, sieht die Diskussion um die Außenstelle eher von der praktischen Seite. Aber auch für ihn sind Zeit und Geld die ausschlaggebenden Faktoren: „Auch andere Hochschulen haben den steigenden Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften im Gesundheitsbereich erkannt. Deshalb sollten wir keine Zeit verlieren“, betonte er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Und der Bedarf sei gegeben – allein im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Da die schulische Bildung Ländersache sei, rechnet auch er nicht mit Geld vom Bund. Allerdings: „Mit der Konversion hat Kaufbeuren schon einen Vorteil.“ So habe der Hochschulrat ursprünglich eine Erweiterung am Stammsitz Kempten in Erwägung gezogen, dafür gebe es aber keine Gelder. „Für Kaufbeuren gibt es mehr Optionen bei der Finanzierung. Allerdings müsste die Infrastruktur noch gehörig aufgerüstet werden – EDV, Bibliotheken, Mensa und Verwaltung“, so Schmidt. Denn sinnvoll sei die Außenstelle nur, wenn sie mindestens vier Grundstudiengänge sowie die Möglichkeit zum Erwerb des „Master“ bietet. 

Wie aber sieht es mit dem ausstehenden Konzept aus, mit dem laut Heubisch alles steht und fällt? „Wir hatten bereits ein fertiges Konzept vorgelegt. Allerdings hatte das Wissenschaftsministerium – dessen Fachstelle das Projekt Außenstelle sehr kritisch sieht – noch Rückfragen“, erklärte Schmidt. Bis spätestens Ende Februar wolle man das nachgebesserte Konzept vorlegen. Dass der Wissenschaftsminister die Idee einer Außenstelle gut findet, lasse durchaus auf eine Umsetzung hoffen. Wer sich aber schlussendlich durchsetzt im Wissenschaftsministerium, die Politik oder die Fachstelle, darüber wagt auch er keine Prognose.

Michaela Frisch, Matthias Matz

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