Der Widerstand macht mobil - Viele Sonthofer stellen sich vor das Tannachwäldchen

Das Tannachwäldchen ist nicht nur für die Anwohner ein beliebtes Naherholungsgebiet. Fotos: Eva Veit

Hohe Wogen schlagen derzeit Überlegungen über die künftige Nutzung von Grünten- und Jägerkaserne in Sonthofen. Eine Untersuchung im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) kam zu dem Schluss, dass die Kasernenareale auf Grund naher Wohngebiete und schlechter Verkehrsanbindung nur bedingt geeignet sind zur Gewerbeansiedlung. Als möglichen Ort für ein neues Gewerbegebiet brachten die Planer das Tannachwäldchen ins Gespräch. Der Widerstand gegen solche Überlegungen beginnt sich bereits zu organisieren.

Kaum wurden die Pläne für eine eventuelle Nutzung des Tannachwäldchens als Gewerbegebiet bekannt, war vor allem bei den Anwohnern die Bestürzung und Entrüstung groß. „Das Tannachwäldchen ist ein Kleinod, das wir nicht verlieren möchten!“, empört sich Thea Kress, die sich als Bewohnerin der Albrecht-Dürer-Straße mit anderen Anwohnern zusammengeschlossen hat, um für den Erhalt des Wäldchens zu kämpfen. Das Tannach wird in der Nachbarschaft als „grüne Lunge“ empfunden, die für frische Luft sorgt, im Sommer Kühlung verspricht und den Kindern ein gefahrloses Spielen erlaubt. Für viele Anwohner sei die Nähe zum Wäldchen ausschlaggebend gewesen, sich für ihre Wohnung zu entscheiden, erläutert Kress weiter. Innerhalb der Stadt sei das Tannachwäldchen das einzige Stückchen Grün, und es wäre ein Skandal, würde es abgeholzt werden. Viele - auch seltene - Vögel, wie beispielsweise Graureiher oder Buntspechte, nützen das Tannach als Nistplatz, und auch andere Tiere wie Eichhörnchen oder Marder haben hier ein Zuhause gefunden. Wachsende Facebook-Protestgruppe Auch im Internet hat sich der Widerstand gegen ein Gewerbegebiet im Tannachwäldchen formiert: die Facebook-Gruppe „Gegen die mögliche Abholzung des Tannach Wäldchens“ zählte am Sonntagabend schon über 450 Mitglieder. „Das Tannachwäldchen ist ein erhaltenswerter Ort in Sonthofen. Es lädt ein zu einem kurzen Spaziergang in wäldlicher Umgebung und vor allem Familien mit Kindern nutzen im Sommer gerne den dortigen Spielplatz,“ schreibt ein Nutzer. „Ich habe vor über 30 Jahren schon im Tannachwäldchen gespielt, meine zwei Kinder tun das heute“, bringt ein anderer Beitrag die emotionale Bindung vieler der Mitglieder zum Tannachwäldchen auf den Punkt. Viele Beiträge sprechen den Standort Tannach als Naherholungsgebiet oder den Faktor Tier- und Naturschutz an. Ein Bürgerentscheid wird gefordert, mancher Nutzer droht sogar damit, sich „an einen Baum zu ketten“. Harald Voigt, Zweiter Bürgermeister und Anwohner, ruft die Mitglieder zu sachlichen Beiträgen auf und betont, dass eine Entscheidung noch lange nicht gefallen sei. Er sei bereit, sich als „Beteiligter beider Seiten“ an Gesprächen zu beteiligen. Auch Erster Bürgermeister Hubert Buhl wendet sich auf Facebook an die Gruppe. Er habe „volles Verständnis für die emotionalen Einträge zu diesem Thema.“ Er betont, dass es bislang lediglich „verschiedene Überlegungen für die Gesamtentwicklung von Sonthofen“ gebe. Stadtrat und Verwaltung hätten die Verantwortung, möglichst alle konstruktiven Ideen und Vorschläge zu prüfen. Zu einem Treffen mit Mitgliedern der Gruppe sei er jederzeit bereit. Zwei mögliche Varianten im Gespräch Schon seit längerem beschäftigt sich die Stadt im Rahmen des ISEK mit der Frage, wie sich Sonthofen in Zukunft sinnvoll entwickeln kann, wenn die Jäger- und Grüntenkaserne sowie das Bundeswehrdienstleistungszentrum aufgelöst werden und somit große Freiflächen entstehen. Fachleute aus den Bereichen Städtebau, Landschafts- und Freiraumplanung, Verkehrs- planung, Immobilienwirtschaft und Einzelhandel beteiligen sich an den Diskussionen. Der Schwerpunkt für die weitere Entwicklung Sonthofens soll auf dem Bereich „Wohnen und Bildung“ liegen, künftige Gewerbeansiedlungen dürften in den Planungen aber nicht außer Acht gelassen werden. Da die Areale der Jäger- und Grüntenkaserne laut einer Untersuchung auswärtiger Sachverständiger für größere Gewerbeansiedlungen weniger geeignet sind, haben die Planer der Stadt nun zwei Varianten zur weiteren Überlegung vorgelegt. Variante 1 sieht ein etwa. 5,5 Hektar großes Gewerbegebiet im Nordosten der Grüntenkaserne vor. Auch auf dem Gelände der STOV solle sich Gewerbe ansiedeln. Nach Variante 2 soll das Tannach-Wäldchen, das auch etwa 5,5 Hektar groß ist, in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden und dafür im Bereich der Standortverwaltung und der Grüntenkaserne eine 11 Hektar große Grünfläche geschaffen werden. Die Planer sehen in der zweiten Variante den Vorteil, dass das künftige Gewerbegebiet in direkter Nähe zum Handwerkshof wäre und somit nicht noch ein weiteres Gebiet in „Insellage“ entstünde. Die Mitglieder der Strategiekomission der ISEK entschieden sich nach Abwägung aller Argumente zu zwei Drittel zumindest vorläufig für die zweite Variante. Entscheidung nicht vor Mai Eine endgültige Entscheidung über die mögliche Nutzung des Tannachwäldchens als Gewerbegebiet wird nicht vor Mai fallen, betont Petra Wilhelm, Referentin von Bürgermeister Hubert Buhl. Für den 24. Mai ist eine Sondersitzung des Stadtrates geplant, in der über die künftige Nutzung der Areale entschieden werden soll. Im Vorfeld wird noch auf Treffen der Agenda-Gruppe und des Jugendparlaments, der Projektgruppe Konversion und auch auf einer weiteren Sitzung der Strategiegruppe ISEK über die städtebauliche Zukunft Sonthofens beraten. Anfang März wird ein Gespräch der Stadtverwaltung mit den beteiligten Behörden stattfinden. Auf einer Bürgerversammlung am 3. Mai haben alle Sonthofer die Gelegenheit, sich zu dem Thema zu informieren und zu äußern.

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