Wildverbiss: Jäger sollen Druck machen

Die aktuellen Daten des sogenannten Verbiss-Gutachtens der Bayerischen Forstverwaltung liegen jetzt auf dem Tisch. Der Befund für die Situation der Waldverjüngung im Oberallgäu deckt sich mit dem Ergebnis für Bayern: Kein Grund zur Entwarnung. Noch immer haben wichtige Baumarten wie Tanne und Buche schlechte Karten, auch wenn der Verbiss durch Reh- und Rotwild gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2006 etwas zurück gegangen ist. Empfehlung der Förster: Beim Abschuss jetzt nicht locker lassen!

„Sie aktuell vorgefundene Verbissbelastung zwingt in vielen Jagdrevieren zu einer Kurskorrektur bei der Abschussplanung“, stellt Dr. Ulrich Sauter, der Leiter der Abteilung Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kempten, zum neuen Gutachten fest. „Nur so kann man wieder an die Erfolge der 1990er Jahre anknüpfen.“ Und Ludwig Geitner von der Fachstelle für Jagd am Landwirtschaftsamt meint sogar: „Seit 18 Jahren hat sich nicht viel getan.“ Aus Sicht der Förster müsse man enttäuscht sein;: Seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1991 habe sich nichts verbessert. „Es ist wertvolle Zeit vergangen“, stellt Geitner lapidar fest. Ganz so düster will es Dr. Sauter nicht stehen lassen. Doch auch der Forst-Chef fürs Ober-allgäu muss zugeben, dass „keine rasanten Veränderungen“ zu beobachten seien. Während bis zum Jahr 2000 die Verbiss-Schäden im Wald laufend zurück gingen, schlug das Pendel bei der Auswertung im Jahr 2006 wieder deutlich in die andere Richtung. Und für das neue Gutachten zeichne sich lediglich eine leichte Erholung ab. „Wir sind weit weg von den Erfolgen des Jahres 2000“, stellen Sauter und Geitner fest. Die Gründe für diesen Rückschlag seien vielfältig und nicht allein am nachlassenden Jagddruck festzumachen, räumt Sauter ein. Auch andere Ursachen spielten eine Rolle, zum Beispiel ein verbessertes Nahrungsangebot nach den Sturmschäden in den 1990er Jahren. Dennoch sei der Reh- und Rotwildabschuss der Schlüssel für den Erfolg auf dem Weg zum Wald von morgen. Dies umso mehr, als der Verbiss vor allem die wichtigen Baumarten Tanne und Buche betreffe. Sauter: „Hier muss nachgelegt werden.“ So weisen rund 20 Prozent der jungen Tannen- und Buchenpflanzen im nördlichen Landkreis Oberallgäu Verbissschäden auf; im südlichen Bereich sind es rund 15 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Jungpflanze ihren Leittrieb im Laufe der Entwicklung zwischen den Zähnen eines Rehs oder Hirsches einbüßt, sind noch höher. Für die Forstfachleute sind die ernüchternden Ergebnisse des Verbiss-Gutachtens mithin ein Signal, bei der Abschussplanung „Gas zu geben“. „Beibehalten“ oder „erhöhen“ heißt es bei den Empfehlungen zum Abschuss-Soll für nahezu alle Hegegemeinschaften (Revierzusammenschlüsse) im Zuständigkeitsbereich des Landwirtschaftsamtes zwischen Altusried und Oberstdorf. Diese Empfehlungen werden in den kommenden Wochen und Monaten bei der Festsetzung der Abschusszahlen ebenso zum Tragen kommen wie weitere Revierbegehungen und Gespräche mit den Jägern und den Vertretern der Jagdgenossenschaften. Aussagen zum Handlungsbedarf in einzelnen Revieren ließen sich aus dem Gutachten jedoch nicht ableiten, betont Dr. Sauter. Das gebe die ohnehin aufwändige Erhebung nicht her. Im vergangenen Frühjahr wurden an 526 Stichpunkten im Ober- und Westallgäu fast 40000 Bäumchen in Verjüngungsflächen untersucht. In dem anerkannten Stichprobenverfahren wurde anhand verbindlicher Kriterien der Ist-Zustand der Pflanzen bewertet. Die anschließende Auswertung führt zu dem Gutachten das die einzelnen Ergebnisse für die Hegegemeinschaften ausweist. Das Forstliche Gutachten wird seit 1985 im Rhythmus von drei Jahren erstellt. Es soll, so das Bayerischr Jagdgesetz, das Ziel „Wald vor Wild“ fördern und damit eine Waldverjüngung ermöglichen, die im wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen auskommt.

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