Notfalls vor Gericht

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Alfred Karle-Fendt (links) und Björn Reichelt vom BN befürchten, dass die Ostrachtaler Kraftwerkspläne zum Präzendenzfall werden könnten.

Bad Hindelang - Der Bau eines Wasserkraftwerkes an der Ostrach im Bereich der so genannten Eisenbreche im Hintersteiner Tal wird derzeit heftig diskutiert.

Während die Kraftwerksplaner auf den Beitrag zur Energiewende hinweisen, befürchten Naturschützer, dass das Naturschutzrecht im Falle der Genehmigung auf den Kopf gestellt werde. Jetzt hat der Bund Naturschutz in Bayern (BN) mit einer Informationsveranstaltung seine Vorstellungen in Hinterstein erläutert.

Björn Reichelt, der Erste Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu, erklärte: „Der BN ist eigentlich für regenerative Energien, aber hier an der Eisenbreche sind wir dagegen.“ 90 Prozent der möglichen Wasserkraft werde bereits genutzt. So sei es heute nur noch möglich, neue Wasserkraftwerke in ökologisch äußerst wertvollen Gebieten zu bauen.

Er wundere sich über das Bauprojekt an der Eisenbreche, denn das Bundesamt für Naturschutz stehe dem Neubau von neuen Wasserkraftwerken und Querbauwerken kritisch gegenüber. Vor allem bisher ungenutzte und weitestgehend natürliche und frei fließende Gewässerbereiche sollten von dem Bau zusätzlicher Kraftwerke ausgenommen werden.

Alfred Karle-Fendt, der stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe Sonthofen, stellte erstaunt fest: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, diese Veranstaltung nochmals durchführen zu müssen.“ Die Eisenbreche als einzigartige Klamm sei seit den 1950er Jahren im Visier der Energiewirtschaft. Eine breite Naturschutz-Allianz hätte bislang immer drohende Erschließungspläne zu Fall bringen können. Die Umsetzung der Energiewende würde nun erneut das Naturdenkmal von nationaler Bedeutung im Naturschutz- und FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) Allgäuer Hochalpen bedrohen.

Die Wildschlucht solle durch einen Seitenstollen ihrer natürlichen Dynamik beraubt werden, kritisierte Karle-Fendt. Aus „kosmetischen Gründen“ würde das geplante Einlaufbauwerk in einen von der Giebelhausstraße nicht einsehbaren Bereich oberhalb des Klammtores in eine wunderschöne Tobelstrecke gelegt werden.

Die Notwendigkeit des Kraftwerksprojektes werde der Erzeugung von „grundlastfähigem“ Strom für 3.000 Haushalte begründet. Die Berechnungen zur Grundlastfähigkeit kämen aber einer Mogelpackung gleich, weil die Pegelmessungen nicht im Kraftwerksbereich gemacht worden seien, sondern weit draußen „fast bei Sonthofen“. Zudem würde das Kraftwerk durch Unterschreiten der Restwassermenge mindestens fünf Monate im Jahr gar nicht laufen können, vor allem im Winter, wo bekanntlich ein hoher Energiebedarf bestehe.

Die Eisenbreche sei einzustufen als ein Naturdenkmal wie die Partnach-, oder Breitachklamm. „Auch die Breitachklamm sollte mal aufgestaut werden“, erinnerte Karle-Fendt, „aber das konnte zum Glück verhindert werden.“ Es gebe in ganz Bayern kein besser geschütztes Gebiet als die Eisenbreche.

„Wenn das Wasserkraftwerk an der Eisenbreche genehmigt wird,“ prophezeit Karle Fendt, „dann werden die Naturschutzgesetze auf den Kopf gestellt und ein Präzedenzfall geschaffen mit weitreichenden negativen Auswirkungen auf den Naturschutz!“ Wenn die Eisenbreche falle, dann würde in gewisser Weise auch das gesamte bayerische, deutsche und europäische Naturschutzrecht fallen. Die EU interessiere sich für solche Projekte. So sei aktuell bei einem ähnlichen österreichischen Projekt „Schwarze Sulm“ Klage gegen die Republik Österreich vor dem Europäischen Gerichthof eingereicht worden.

Zum Abschluss betonte Karle-Fendt, dass sich der Bund naturschutz als Anwalt der Natur verstehe und zu ihrem Schutz auch für sie streiten werde. Er hoffe, dass die Sichtweise des BN zum Erhalt einer einzigartigen Urlandschaft bei den weiteren Entscheidungen Beachtung finden werde.

In der anschließenden Diskussion gab es keine Anzeichen für eine Annäherung der Positionen. Vielmehr entstand der Eindruck auch bei Karle-Fendt, dass die Sache wohl eine Klärung vor Gericht finden werde.

Hans Ehrenfeld

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