Kevin Burba aus Oberstdorf überrascht bei den Special Olympics

Von der Loipe auf die Straße

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Glänzende Premiere für Kevin auf dem Rennrad bei den Special Olympics.

Oberstdorf – Im Wintersport ist er schon längst eine feste Größe. Kevin Burba sahnt bei den Special Olympics Winterspielen für Menschen mit geistiger Behinderung bei den Langlaufdisziplinen ab. Jetzt ging der 21-jährige Athlet auch im Sommer an den Start und fuhr seine ersten Wettkämpfe auf dem Rennrad.

Bei den Special Olympics in Hannover erreichte der Oberstdorfer Silber- und Bronzeränge. „Kevin ist halt ein bißchen langsamer...“ hatte die Mutter des heute 21-jährigen jungen Mannes einmal gesagt. Vor vielen Jahren; nach mehreren Erkrankungen ihres Sohnes im Säuglings- und Kleinkindalter. Davon ist heute – zumindest im Sport – nichts zu merken. Kevin Burba arbeitet bei den Allgäuer Werkstätten der Lebenshilfe. Und beim Skilanglauf ist er ein besonders schneller Sportler des SC Oberstdorf. Immer wieder überrascht er mit Bestzeiten und einem ungeheuren Kampfgeist.

„Da ist er die absolute Nummer 1“, sagt Kevins Vater, Joachim Burba. Und er fädelte auch die Fortsetzung dieser Karriere in den Sommermonaten ein. Bei der Suche nach einer ähnlichen Sportart kam Burba im Herbst vergangenen Jahres schnell auf‘s Rennrad. Auch Kevin war Feuer und Flamme.

Mit den etwas ruhigeren Sommermonaten mit gelegentlichen Mountainbike-Touren war es dann allerdings vorbei: Es wurde ein Rennrad angeschafft – und trainiert. Vater Joachim Burba hatte nämlich seinen Sohn schon längst bevor das Rennrad vor der Türe stand, für die nächsten Special Olympics in Hannover im Sommer 2016 angemeldet. Und als begeisterter Mountainbiker selbst ebenfalls auf ein Rennrad „umgesattelt“.

Anfang Mai starteten die Beiden ihr gemeinsames Training. Ab und zu machte sich Kevin auch alleine auf die Strecke, etwa ins Birgsautal. Und der „große Tag“ rückte näher...: Wir fahren nach Hannover!

Für drei Wettbewerbe war Kevin Burba gemeldet: 10 km, 15 km und 25 Kilometer Straßenrennen. Am ersten Wettkampftag ging es für die beiden Oberallgäuer sehr früh raus zu den Wettkampfstrecken, um die Rennstrecke zu begutachten – ein vollkommen flacher Rundkurs mit neun Kurven um den Parkplatz der Pferderennbahn Langenhagen. Jeweils 15 Sportler sollten in acht Zeitfahren über 5 Kilometer die Qualifikation für die weiteren Rennen schaffen. Ein Rennen im Pulk war für den 21-Jährigen Neuland. „Wir haben dann vereinbart, dass Sicherheit absoluten Vorrang haben sollte. Kevin hat das sehr gut umgesetzt“, erinnert sich Joachim Burba. Kevin schaffte es dann auf Anhieb, unter die besten Acht für das anstehende 15-km-Straßenrennen zu fahren. Das allein schon eine großartige Leistung für den Neuling auf dem Rennrad.

Obwohl er beim ersten Rennen auf der 15-km-Strecke trotz der tollen Qualifikationsleistung aus der zweiten Reihe starten musste, gelang dem Oberstdorfer die Überraschung: Rang 3! Und beim zweiten Wettkampf, dem Straßenrennen über 25 Kilometer, belegte Kevin mit Platz 2 wieder einen Medaillenrang. Am letzten Wettkampftag ging es ganz schnell. Kevin verlor zunächste den Anschluss an eine fünfköpfige Gruppe, die gemeinsam gegen starken Gegenwind ankämpfte. Ohne Unterstützung durch einen weiteren Fahrer gelang es ihm nicht, wieder zur Führungsgruppe aufzuschließen. Dennoch blieb ihm ein respektabler Platz 6. Er wurde von Betreuern anderer Teams sofort angesprochen, ob er nicht ganz ins Lager der Radrennfahrer wechseln wolle. „Da musste ich aber passen. Ich will mich jetzt auf die Weltspiele im kommendne Jahr vorbereiten“, sagt der leidenschaftliche Wintersportler.

Kevins Resümee nach den packenden Wettkämpfen in Hannover: „Ich war sehr überrascht, dass ich bei meinem ersten Auftritt mit den besten Rennradfahrern aus Deutschland bei den Specials mithalten konnte. Dies macht mich stolz und glücklich.“

Die Spiele in Hannover sind das jüngste Kapitel in der Erfolgsbilanz von Kevin Burba. Doch für den jungen Athleten gilt: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Kevin ist – nach den Erfolgen des vergangenen Winters – schon für das deutsche Aufgebot für die Welt-Winterspiele in Schladming nominiert. Sein Ausblick für Schladming: „Mein erklärtes Ziel ist es, bei den Weltspielen im März des nächsten Jahres, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Ich mache ein Praktikum bei der Oberstdorf Tourismus GmbH OTG in Oberstdorf, werde aber die Trainingsmöglichkeiten, sofern es zeitlich geht, ausschöpfen und beim SC Oberstdorf voll mittrainieren.“

Josef Gutsmiedl

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