Personal-Rochade vollzogen

Radwan beerbt Ilse Aigner

Landkreis – Die von der CSU-Parteispitze gewollte Personal-Rochade ist vollzogen. Der Erbe von Ilse Aigner steht fest.

Die Delegierten bestimmten am Freitag den Wunschkandidaten Alexander Radwan aus Rottach-Egern zum Direktkandidaten für das Bundestagsmandat der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Starnberg und Miesbach mit 98 Prozent der Stimmen. Radwan übernimmt den Wahlkreis von Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die sich im Gegenzug um das Landtagsmandat im Kreis Miesbach bewerben wird. 

Vor 14 Jahren wurde Aigner von den Delegierten als Direktkandidatin für den Bundestag nominiert, ebenfalls beim Jägerwirt in Aufhofen bei Egling. „Überraschend“, wie sie sagte. Denn damals war sie „keine Fach-Frau“. Nun kehrt sie in die Landespolitik zurück. „Kein einfacher Tag für mich“, bedauerte Aigner. Ihre Entscheidung beruhe in erster Linie auf „Verantwortung“: Gegenüber denen, die „2008 so viel Vertrauen in mich gesetzt haben und mir ein Ministeramt übertragen haben“. Aigner, die Vorsitzende des CSU-Bezirks Oberbayern ist, soll nun die Wahlverluste der Christsozialen von 2008 kompensieren und ins Maximilianeum einziehen. 

Radwan bewegt sich auf sicherem Terrain, übernimmt er doch einen treuen CSU-Wahlkreis. Die Christsozialen dominieren in dem Gebiet zwischen Mangfall und Starnberger See seit jeher. Immer gewann diesen Wahlkreis nur der Direktkandidat der CSU. Zuletzt vier mal in Folge Ilse Aigner, 2009 holte die 48-Jährige 54 Prozent der Erststimmen. Sie blickte vor den Delegierten nochmals auf ihre Berliner Zeit  zurück, vergaß auch nicht das Jahr 2002 – als Ministerpräsident Edmund Stoiber unterlag und nicht als Kanzler nach Berlin ging. In Aufhofen schrieb nun ein wahlberechtigter Delegierter Stoibers Namen auf den Wahlzettel, nur zwei stimmten gegen Radwan. Die restlichen 126 Stimmen vereinte der 48-Jährige Landtagsabgeordnete auf sich. 

„In den vergangenen 14 Jahren war es eine Selbstverständlichkeit die Ilse nach Berlin zu schicken“, hob Miesbachs Landrat und Bundeswahlkreisvorsitzender Jakob Kreidl hervor. Nun stehe eine Zäsur an, eine neue Situation. Aigners Wechsel in die Landes- politik verdiene „höchste Anerkennung“. Im Gegenzug bezeichnete Kreidl Parteifreund Radwan als „keinen Unbekannten“ im Wahlkreis. „Er hat viel auf europäischer Bühne geleistet.“ Seine politische Laufbahn begann der 48-Jährige 1989 als Kreisvorsitzender der Jungen Union Miesbach. Von 1994 bis 1999 war er Bezirksvorsitzender der JU Oberbayern. 1999 zog Radwan dann ins Europäischen Parlament ein und wurde Mitglied des Vorstands der konservativen Europäischen Volks- partei. Dort war er unter anderem wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. 2008 wechselte er in die Landespolitik – mit 43,1 Prozent gewann er als Direktkandidat den Stimmkreis Miesbach. Im Bayerischen Landtag sitzt er wie der Bad Tölz-Wolfratshauser CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber unter anderem im Haushaltsausschuss. In die Bundeshauptstadt will der Ingenieur und Jurist seine Erfahrungen aus Brüssel und aus der Kommunalpolitik mitnehmen. Einen Schwerpunkt setzte Radwan in seiner Bewerbungsrede auf Haushaltsdisziplin. Den Freistaat nannte er dabei wegen des kontinuierlichen Schuldenabbaus als „Vorbild für ganz Europa“. Dennoch seien große Investitionen möglich, wie etwa bei der zweiten Stammstrecke. Den Länderfinanzausgleich kritisierte der 48-Jährige, denn „dieser hat eine falsche Struktur und setzt keine Sparanreize für andere Länder.“ Radwan rechtfertigte auch seine Entscheidung, gegen die Aufnahme Griechenlands gestimmt zu haben. „Die Folgen der Aufnahme gilt es nun zu korrigieren.“ Zweifelsohne gelte es Europa zu stärken, aber es müssten ebenso Kompetenzen wieder in die Regionen verlagert werden. „Die Liberalisierung des Wassermarktes etwa hat in Brüssel nichts zu suchen.“

Ralf Fastner

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