Asylbewerber

Es fehlt an Informationen

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Gilching – Viel zu lang haben Helferkreise stillgehalten und versucht, trotz mangelnder Unterstützung durch Behörden bestmögliche Arbeit in der Betreuung der Asylbewerber zu leisten. Doch nun macht sich Unmut breit. Erste Streikaktionen von Ehrenamtlichen haben bereits stattgefunden.

Wie schon im Vorjahr wurden auch heuer wieder eintausend bayerische Flüchtlingshelfer durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu einem Empfang in den Landtag eingeladen. Doch heuer entschieden viele Ehrenamtliche in Bayern, diesen zu boykottieren. Auch Eva Ott, Sprecherin des Helferkreis Asyl in Gilching, blieb dem Empfang fern. „Was bringt es“, sagt die 67-Jährige, die sich von Anbeginn an rund um die Uhr für ihre Schützlinge engagiert. „Man trägt die Sorgen vor, hofft eine Zeitlang, dass es was genützt hat, doch ändern tut sich nichts.“ In Landsberg wiederum hatte die „Integrationshilfe LLläuft“ am vergangenen Samstag bayernweit zu einem 24-Stunden-Warnstreik aufgerufen. „Es scheitert schon an kleinen Dingen“, sagt Ott. „Wir bräuchten bereits im Vorfeld Informationen, woher die Flüchtlinge kommen, die wir später mal betreuen sollen. Dann könnten wir uns auch rechtzeitig um Dolmetscher bemühen, was den Kontakt und unsere Arbeit deutlich erleichtern würde. Doch die Behörden geben keine Informationen raus.“ Am Dienstag hat sich auch der BR24 des Themas angenommen und als Fallbeispiel die Gemeinde Gilching vorgestellt.

Am Beispiel Gilching hat der Bayerische Rundfunk (BR24) am Dienstag das Thema „Asylbewerber-Verteilung“ aufgegriffen. Zum Interview lud Landtags-Korrespondent Rudolf Erhard Bürgermeister Manfred Walter und Eva Ott, Sprecherin des Helferkreises. Fazit in puncto Zusammenarbeit mit den Behörden: Mangelhaft. Bayerns Kommunen fühlen sich beim Thema Flüchtlinge alleine gelassen. So werden die Gemeinden gerade bei der Zuweisung neuer Flüchtlinge oft erst kurz vorher informiert, stellt Erhard fest. In Gilching, am so genannten Speckgürtel westlich von München, ging er auf Spurensuche. „19.000 Einwohner, kein Promi-Ort, sondern ganz normale Menschen. Die tragen für Flüchtlinge keine Willkommensschilder vor sich her, aber auch nicht das Gegenteil“, stellte Erhard fest. Stolz sei Bürgermeister Manfred Walter auf seine Gemeinde. Der Helferkreis toll motiviert. Walter stellte aber auch fest, dass zunehmend Frustration einkehrt. „Wir werden zu spät über alles informiert, und es fehlt an geeigneten Unterstützungsmöglichkeiten gerade für kleinere Maßnahmen.“ Werde beispielsweise eine 450-Euro-Kraft benötigt, um die Hausaufgabenbetreuung für die Flüchtlingskinder zu koordinieren, sei die Bezahlung Aufgabe des Staates. Da aber werde es schwierig. „Oft telefoniere man tagelang, um bei den staatlichen Stellen den richtigen Ansprechpartner zu finden“, kritisierte der Rathauschef. Mehr noch Unbehagen und Frust im Rathaus bereite aber die Ausgrenzung von Informationen. So wisse man bis heute nicht, wann genau die staatliche Flüchtlingsunterkunft an der Landsberger Straße, die für 144 Personen konzipiert ist, in Betrieb geht, beziehungsweise, welche Personen kommen. „Da fehlen uns die Informationen bisher komplett. Es ist klar, dass wir diese Personen in Gilching aufnehmen und integrieren. Aber wir hätten uns halt gewünscht, dass wir zumindest einige Wochen vorher informiert werden.“ In der Öffentlichkeit entstehe mittlerweile der Eindruck, dass Landratsamt und Bezirksregierung bei der Flüchtlingszuweisung nur von heute auf morgen planen. Eva Ott, erste Vorsitzende des Helferkreises Asyl in Gilching, muss sich auf die Zunge beißen, um nicht gleich loszupoltern, schildert Erhard die Reaktion seiner Interviewpartnerin. „Es geht um die Kinderbetreuung, es geht um die Hausaufgabenbetreuung. Es geht darum, im Vorfeld schon mal in den Schulen zu schauen, dass Plätze für die Kinder da sind“, betont Ott. In puncto neue Unterkunft an der Landsberger Straße gegenüber der Grundschule befürchtet die 67-Jährige: „Sollten vermehrt alleinstehende junge Männer aus den Bussen steigen, gebe es sofort Ängste in der Bevölkerung.“ Gleichwohl in Gilching noch nie ein Übergriff durch alleinstehende junge Männer stattgefunden habe. „Die Angst der Bevölkerung aber, dass dann die Kriminalität hochgeht, die muss man bereits im Vorfeld entkräften.“ Grundsätzlich habe der Helferkreis bisher alle Probleme, unter anderem die Suche nach geeigneten Ärzten, Dolmetschern und Hilfe bei Familienproblemen in den Griff bekommen. „Wir könnten aber weit besser und erfolgreicher arbeiten, wenn wir wüssten, was auf uns zukommt“, sagt Ott. pop

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