Asylbewerber

Die Sprache ist Schlüssel für Erfolg

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Hechendorf – Ohne Ehrenamt würde das komplette soziale System in Deutschland zusammen brechen.

Meist sind es Frauen, die sich in den gemeinnützigen Organisationen und Vereinen uneigen- nützig engagieren. Es gibt aber auch Ausnahmen: Hilmi Ahmed aus Hechendorf. Der 72-Jährige unterrichtet aktuell zwei Mal die Woche Asylbewerber in deutscher Sprache und stellt sich als Dolmetscher zur Verfügung. Mit Schüler-Coaching unter Federführung der Herrschinger Insel hat Hilmi Ahmed sein ehrenamtliches Engagement begonnen. „Dabei ging es nicht um Nachhilfe, sondern darum, Schülern Wege aufzuzeigen, um aus einer schwierigen Situation herauszukommen“, erklärt der ehemalige BWM-Mitarbeiter. Derzeit aber werde seine Hilfe mehr im Bereich der Arbeit für Asylbewerber benötigt. Zumal er sich als gebürtiger Iraker in die Seele vieler dieser leidgeprüften Menschen hinein versetzen kann. Nach Deutschland kam Hilmi Ahmed im Alter von 18 Jahren, um an der TH Maschinenbau zu studieren. „Bevor ich mich aber um einen Studienplatz bewarb, habe ich zwei Jahre lang intensiv Deutsch gelernt. Danach war ich froh, mindestens 30 Prozent von dem, was der Professor erzählte, zu verstehen.“ Ihm blieb nichts anderes übrig, als in seiner Freizeit das nach zu recherchieren, was er während des Unterrichts nicht verstanden hatte. „Wenn man was erreichen will, ist das Erlernen der Sprache sehr wichtig und dann klappt das auch“, ist der 72-Jährige überzeugt. Heimweh? „Ja, am Anfang schon. Als ich 18 war, habe ich jeden Abend vor Sehnsucht nach meiner Heimat geweint wie ein Kind. Doch allmählich schlug ich Wurzeln in Bayern und fühlte mich immer mehr hier zu Hause. Für mich ist Heimat nicht da, wo man geboren ist, sondern dort, wo man lebt, Arbeit und Freunde hat.“ Arbeit hat der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau in der Entwicklungsabteilung bei BMW gefunden. Nach immerhin 32 Jahren Werkszugehörigkeit wurde er vor zehn Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Um seine nun gewonnen Freizeit sinnvoll zu nutzen, fing er an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Ein einziges Mal sei er, nun als „Papierdeutscher“, zurück in den Irak gegangen, um seiner Frau und den zwei Söhnen seine Geburtsstadt zu zeigen. Es war 1990. „Wir waren zwei Wochen da, doch ich konnte leider nichts mehr vorzeigen. Im Irak ist nichts mehr so, wie es einmal war.“ Zurück will er nicht mehr. Zumal auch seine Söhne in Deutschland verwurzelt sind und Familie haben. Einer der Söhne ist in Vaters Fußstapfen getreten und als Diplom-Ingenieur bei BMW tätig. Der zweite Sohn hat Karriere als erfolgreicher Strafverteidiger gemacht. „Wir haben alle großes Glück gehabt und in Deutschland unser neues Zuhause gefunden.“ pop

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