Asylbewerber

Tief bewegt am Benefizabend

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Tutzing – Der junge Mann aus Afghanistan tanzt ausgelassen vor der Bühne, inmitten eines fröhlichen Pulks aus Asylbewerbern und Realschülern – Benefizkonzert mit Wally & Ami Warning, hier tobte kürzlich der Bär.

Auf Initiative der Musiklehrerin Annette Mayer ist dieser Abend zu Stande gekommen, dessen Erlös den im Landkreis derzeit untergebrachten Flüchtlingen zugute kommen soll. Die Schülerinnen und Schüler haben Muffins gebacken, Semmeln geschmiert und sogar alkoholfreie bunte Obstdrinks im Angebot – „Grüne Verführung“, „Lipstick“ und „Sunflower“. Unten im Park der Schule begegnen sich Besucher, einheimische Schüler und Flüchtlinge aus Mali, Senegal, Afghanistan oder Eritrea. Man kommt ins Gespräch, macht Fotos. Plaudert eine wenig auf Englisch oder Französisch, albert herum. Nur der C-Zweig der Realschule hat Französisch als Unterrichtsfach, und so sprechendie meisten doch wieder Englisch miteinander – in jedem Fall ist es die praktische Anwendung des Gelernten. Viele der muslimischen Afrikaner dürfen wegen des Ramadan vor Sonnenuntergang noch nichts essen, einer meint la-chend: „Aber in 30 Minuten!“ Der eben noch tanzende Afghane sagt, er sei so dankbar und glücklich, endlich an einem friedlichen Ort wie diesem angekommen zu sein. Er wirkt tief bewegt von diesem fröhlichen Abend, am liebsten würde er wohl alle Menschen hier umarmen. Oben in der Aula sorgen Wally Warning und seine Tochter Ami in zwei Sets für ausgelassene Stimmung: Wally stammt von der Karibik-Insel Aruba und kam vor fast 40 Jahren selber als eine Art Flüchtling nach Europa. Er ist tief im christlichen Glauben verwurzelt und paart dies mit unerschütterlich positiver Ausstrahlung: Singt von „Mama Nature“, Mutter Natur, und erinnert die Leute daran, „dass wir nur eine haben und sorgsam mit ihr umgehen müssen“. Wally, der unter anderem davon singt, dass er der Sohn eines Priesters ist („Preacherman’s Son“), würde mit seiner gutgelaunten Form von Gesangsmesse und seiner Gitarre wohl jede Kirche füllen – und die Aula der Benedictus-Realschule sowieso. Zwischendurch sagt er den Satz: „Die meisten Reichen sind nicht glücklich, aber die Friedlichen sind immer reich!“ Ein Botschafter des Humanismus spricht da. Tochter Ami setzt diesen „Spirit“ fort, hat mit ihrer tiefen Stimme und ihren nachdenklichen Songs bereits aufhorchen lassen – zusammen mit Papa Wally bildet sie ein unschlagbares Duo. Der Benefizabend ist ein weiteres Stück Tutzinger Willkommenskultur, wie es diesem ganzen überreichen Land gut zu Gesicht stünde. Auch Tutzings Bürgermeister Rudolf Krug wollte eigentlich dabei sein, aber es geht das Gerücht, die Security haben ihn kurioserweise nicht hinein gelassen ohne Eintrittskarte. Wie auch immer, Wally Warning singt am Ende ein Lied extra für die „Refugees“, die Flüchtlinge – seine Botschaft: „Gebt nicht auf...!“ Der Afghane tanzt. mps

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