Auch nach 50 Jahren gut in Schuss

Obwohl schon über 50 Jahre alt, sind die Motoren der ältesten Kühlanlage für Backwaren noch gut in Schuss: Nikolaus Reis (l.) und Josef Röckelein bei der Inspektion. Foto: pop

Wird Gilching künftig im Kälte-Atlas vertreten sein? Nicht etwa, dass gar die klimatischen Verhältnisse eisiger geworden sind. Vielmehr ist die Bäckerei Reis in Besitz der ersten und damit der ältesten Tiefkühlanlage für Backwaren. In der so genannten Straße der Kälte sind mittlerweile rund 40 Industriedenkmäler der Kälte- und Klimatechnik erfasst und dokumentiert.

Noch weiß Nikolaus Reis sen. nicht so Recht, ob er sich den Aufwand antun soll. Der Bäckermeister aus Gilching hat im Rahmen der Umstrukturierung seiner Kältetechnik zufällig erfahren, dass er die erste und somit älteste Tiefkühlanlage für Backwaren im Haupthaus an der Münchner Straße stehen hat. Was sofort auch den historischen Verein Kälte- und Klimatechnik mit Sitz in Maintal auf den Plan gerufen hat. Was einst mit der Sammelleidenschaft des 2002 verstorbenen Inhaber eines Kältefachbetriebes, Heinz Bacher, begann, ist heute wichtiger Bestandteil einer ganzen Branche. Der Stuttgarter hatte während seines beruflichen Lebens viele historische Kältemaschinen und diesbezügliche Literatur zusammen getragen. Auf der Basis dieser Sammlung wurde im Jahr 2000 im hessischen Maintal der Verein Historische Kälte- und Klimatechnik und ein Museum gegründet. Dazu gekommen sind deutschlandweit seither rund 40 Industriedenkmäler der Kälte- und Klimatechnik, die am Ort ihres Einsatzes stehen und in der „Straße der Kälte“ erfasst und dokumentiert sind. „Eines der interessantesten Exponate steht in der Paulaner-Brauerei in München“, weiß Reis. Es handelt sich um einen Verdichter aus den ersten Jahren der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, die 1879 gegründet wurde. Diese waren bis 1971 in Betrieb und können heute noch bei Besichtigungen in Gang gesetzt werden. Auch die Tiefkühlanlage in der Backstube von Reis ist voll betriebsfähig, wurde aber nun durch ein umweltfreundliches Nachfolgemodell ersetzt. „Mein Opa ist damals täglich mit Backwaren in die TU gefahren, damit die Anlage für die Kühlung von Brot, Semmeln und Brezn fit gemacht werden konnte“, betont Reis. Das sei 1957 gewesen. Hersteller war damals die Wolfgang Röckelein Kältetechnik. Mit dessen Sohn Josef steht Reis noch heute in geschäftlicher Beziehung. Und Josef Röckelein sei auch auf die Idee gekommen, seine Tiefkühlanlage für die Aufnahme in der „Straße der Kälte“ vorzuschlagen, so Reis. „Das müssen wir uns aber gut überlegen, denn es bedeutet jede Menge Arbeit und außerdem muss die historische Anlage aufwändig restauriert werden.“

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