Betreutes Wohnen

Unbemerkter Tod möglich

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Landkreis – Der unbemerkte Tod eines Mieters innerhalb einer Anlage für Betreutes Wohnen im Norden Deutschlands hat erneut zu Diskussionen geführt.

Zumal es ähnliche Fälle auch in München und der Region gegeben hat. Auch im Landkreis Starnberg wird dieser Fall nicht ausgeschlossen. „Es gibt keine Garantie dafür, dass so etwas nicht auch in jeder anderen Einrichtung von Betreutes Wohnen passieren kann“, räumt Marc Engelhardt von Betreutes Wohnen in Gilching ein. Entscheide sich jemand für diese Wohnform im Alter, bedeute dies nicht automatisch eine Rundum-Kontrolle. „Wir bieten unseren Bewohnern zwar jede Möglichkeit der Absicherung an. Sie müssen es aber wollen. Entmündigen können wir sie nicht. Was auch gut so ist.“ In der Anlage an der Andechser Straße stehen unter Trägerschaft des Sozialdienstes Gilching den derzeit 65 Bewohnern 51 Wohnungen zur Verfügung. „Sie leben dort als Einzelpersonen oder als Ehepaare genauso selbständig, wie in ihren ehemaligen Wohnungen. Der Unterschied ist, dass es eine Gemeinschaft gibt, an der man sich beteiligen kann und dass jedem Bewohner ein hausinterner Funkfinger zur Verfügung steht. Dieser wird um den Hals oder am Handgelenk getragen und kann im Notfall gedrückt werden, so dass sofort jemand zum Nachschauen kommt.“ Zudem stehe ein roter Hausrufknopf zur Verfügung. „Wer will, kann einen bestimmten Zeitpunkt vereinbaren, zu dem er den Knopf drückt. Bleibt dieses tägliche Lebenszeichen aus, kommt ebenfalls jemand, um sich nach dem Befinden zu erkundigen. Bedauerlicher Weise aber wird der Service nicht von allen Bewohnern angenommen“, betont Engelhardt. Dass allerdings, wie in Bremen, zwei Wochen lang nicht bemerkt werde, dass das Essen auf Rädern unberührt bleibt, schließt Engelhardt aus. „Da würde bei uns schon spätestens nach zwei Tagen Alarm geschlagen werden.“ Auch Sabina Eisenmann von der Nachbarschaftshilfe Inning schließt so einen Fall aus. „Es ist aber ein Irrglauben, wenn jemand unter Betreutes Wohnen eine ständige Kontrolle versteht. Viele unserer Bewohner verbitten sich dies sogar und setzen es mit einer Entmündigung gleich.“ Dennoch gebe es die Möglichkeit durch einen Betreuungsvertrag, den jeder der rund 35 Mieter abschließen kann, so weit als möglich rundum versorgt zu sein. In Berg setzt man im „Wohnzentrum Etztal“ außerdem auf die Haus-Gemeinschaft. Zumal die Anlage mit 26 Wohnungen, die unter Trägerschaft des Verbands Wohnen im Kreis Starnberg verwaltet wird, überschaubar ist. „Es ist außerdem die ökumenische Kranken- und Altenpflege vor Ort, die großen Wert auf gute Kontakte innerhalb der Bewohner legt“, sagt Alexander Riedl, Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Berg. Dennoch bleibe es immer eine Gradwanderung, wie weit man bei einer Kontrolle gehen darf und wo die Privatsphäre überschritten wird. „Sehr viele der Senioren sind noch sehr rüstig und mieten sich im Hinblick auf die Zukunft ein. Die lehnen dieses Notfallsystem oft ab, auch wenn durchaus rüstigen Menschen Unvorhergesehenes passieren kann.“ Polly Polster

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